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Mittelmeer Küstenwache rettet 6500 Flüchtlinge

Es ist einer der intensivsten Einsätze der vergangenen Jahre: Italiens Küstenwache rettet an nur einem Tag rund 6500 Menschen vor Libyen aus der Seenot.

30.08.2016 06:48
Die Menschen versuchen, in Fischerbooten über das Mittelmeer zu gelangen. Foto: rtr

Die italienische Küstenwache hat am Montag rund 6500 Flüchtlinge aus Seenot im Mittelmeer gerettet. Das Kommandozentrum habe 40 Rettungseinsätze koordiniert und sei tausenden Schutzsuchenden vor Libyen zur Hilfe gekommen, erklärte die Küstenwache im Internetdienst Twitter. Damit war es einer der intensivsten Rettungstage der vergangenen Jahre. Der katalanischen Organisation Proactiva Open Arms zufolge waren mitunter 700 Menschen auf einem einzigen Fischerboot zusammengepfercht.

An den Einsätzen war eine Reihe von Schiffen der Küstenwache und der italienischen Marine beteiligt, wie die Behörden weiter mitteilten. Auch die EU-Marinemission "Sophia", die im Kampf gegen Schlepper im Einsatz ist, die EU-Grenzschutzagentur Frontex sowie humanitäre Organisationen halfen bei der Rettung der Flüchtlinge.

Die Organisation Proactiva Open Arms veröffentlichte auf ihrem Twitter-Konto Bilder des Einsatzes, die zeigen, wie die Schutzsuchenden zu hunderten zusammengedrängt in kleinen Booten sitzen. Einige von ihnen sprangen demnach mit Rettungswesten ausgerüstet ins Meer und schwammen zu den Rettungsbooten.

3100 Menschen bereits gestorben

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen erklärte ihrerseits, dass unter den geretteten Flüchtlingen zahlreiche Babys und Kleinkinder waren. Ein fünf Tage altes Neugeborenes musste mit dem Hubschrauber in ein italienisches Krankenhaus gebracht werden.

Schon am Sonntag waren in dem Gebiet mehr als 1100 Flüchtlinge gerettet worden. Damit dürfte die Zahl der Schutzsuchenden, die seit Jahresbeginn über das Mittelmeer Italien erreichten, auf mehr als 112.500 steigen. Im selben Zeitraum des Vorjahres lag die Zahl bei 116.000 ankommenden Flüchtlingen. Fast alle Geretteten stammen aus Westafrika oder vom Horn von Afrika.

Derzeit wagen wegen des Sommerwetters und der ruhigen See wieder mehr Schutzsuchende in der Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer. Der Küstenwache zufolge stellten sich die Behörden wegen der guten Wetteraussichten auch am Dienstag wieder auf viele Einsätze ein. Nach Angaben der UNO starben oder verschwanden in diesem Jahr bereits mindestens 3100 Menschen auf der Flucht im Mittelmeer.

Jeder 82. Migrant stirbt bei der Überfahrt

Generell ist für Flüchtlinge der Weg über das Mittelmeer nach Europa im laufenden Jahr gefährlicher geworden. Jeder 85. Migrant habe die Fahrt über die See in diesem Jahr nicht überlebt, berichtete die "Welt" (Dienstag) unter Berufung auf eine Untersuchung der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Im vergangenen Jahr traf es demnach noch jeden 276. Migranten. "Unsere Daten legen nahe, dass es im Jahr 2016 unsicherer für Flüchtlinge geworden ist", sagte Frank Laczko, Leiter des IOM-Datenzentrums, dem europäischen Zeitungsnetzwerk LENA (Leading European Newspapers), dem die "Welt" angehört.

Die IOM weise darauf hin, dass unter anderem die Schleuser skrupelloser geworden seien und mehr Menschen auf Boote schickten, die nicht seetüchtig sind. Zudem kämen mehr Migranten aus Ägypten, von wo aus die Überfahrt deutlich gefährlicher sei. Die Organisation kritisiere, dass Europa zu wenig unternehme, um Verbleib und Identifizierung vermisster Migranten aufzuklären. (FR mit afp)

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