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Migration Offen für Flüchtlinge

Die Mehrheit der Deutschen findet Zuwanderung positiv und bereichernd. Skeptischer sind dagegen die, die keine Kontakte zu Migranten haben.

Menschenkette in Burbach
Menschen setzen - wie hier in Burbach - ein Zeichen gegen Rassismus und für eine gelungene Integration. Foto: imago

Eine leichte Mehrheit der Menschen hierzulande ist für eine Obergrenze beim Flüchtlingszuzug, will aber trotzdem weiter Flüchtlinge aufnehmen – selbst wenn andere EU-Länder das nicht tun: Die Ergebnisse des Integrationsbarometer 2018, die der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration am Montag in Berlin präsentierte, klingen zunächst überraschend, wenn man sie an der öffentlichen und politischen Debatte misst. Denn die repräsentative Studie, für die fast 10.000 Menschen befragt wurden, zeigt: Das Integrationsklima hierzulande ist grundsätzlich positiv – auch wenn es sich derzeit im Lichte der jüngsten Ereignisse in Chemnitz und Köthen nicht so anfühlen mag.

„Man konnte in den letzten Jahren den Eindruck gewinnen, dass die Flüchtlingsdebatten den gesellschaftlichen Zusammenhalt nachhaltig gefährden“, sagte auch Studienleiter Thomas Bauer. Die empirische Erhebung zeige aber: Die Alltagserfahrungen der Menschen hinsichtlich des Zusammenlebens und der Integration seien besser und differenzierter, als dieser Diskurs insgesamt erwarten lasse – und auch weitgehend unempfindlich gegen punktuelle Medienereignisse.

Die Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration, Annette Widmann-Mauz, nannte die Ergebnisse der Studie bemerkenswert: „Dort, wo direkte Kontakte bestehen – in der Nachbarschaft, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz – ist die Einstellung in der Bevölkerung ganz besonders positiv. Und Eintrübungen des Integrationsklimas gibt es dort, wo kulturelle Vielfalt nicht erlebt wird.“ Es gebe offensichtlich einen Unterschied zwischen direktem Erleben und der gefilterten, mittelbaren Wahrnehmung etwa über soziale Medien. Im Klartext: Wo nur wenige Migranten leben, ist die Skepsis ihnen gegenüber größer.

So ist es auch zu erklären, dass Menschen in Ostdeutschland im gesamtdeutschen Vergleich den skeptischsten Blick auf Zuwanderung haben. Interessant auch: Frauen sehen Zuwanderung deutlich positiver als Männer.

Für das Integrationsbarometer wurden bis Ende Januar 2018 bundesweit mehr als 9000 Menschen befragt, mehr als 6000 davon haben einen Migrationshintergrund. Die Studie kann daher auch repräsentativ die Meinungen unterschiedlicher Gruppen abbilden: Deutsche ohne Migrationshintergrund, (Spät-)Aussiedler sowie Menschen mit türkischer Herkunft, aus der EU und der übrigen Welt.

Stimmung stabil im positiven Bereich 

Zwar hat sich dem Index zufolge das Integrationsklima in der Gesamtbevölkerung seit 2015 leicht verschlechtert– von 65 auf 64 Punkte auf einer Skala von 1 bis 100. Doch befinde sich die Stimmung damit stabil im positiven Bereich, so Studienleiter Bauer.    

Auch die Haltung speziell gegenüber Flüchtlingen ist laut Integrationsbarometer weitaus positiver, als man hätte annehmen können angesichts des scharfen Tons in der gesellschaftlich-medialen Debatte: So glaubt unter den Befragten ohne Migrationshintergrund mehr als die Hälfte nicht, dass die aufgenommenen Flüchtlinge die Kriminalität im Land erhöhen werden. Zwei von dreien glauben sogar, dass sie Deutschland langfristig kulturell und auch wirtschaftlich bereichern werden.

Die Migrationsforschung kennt ein klassisches Muster in der Stimmung gegenüber Einwanderern, nach dem die „Neuen“ grundsätzlich negativer bewertet werden als die „guten alten“ Migranten, deren Ansehen von neuen Zuwanderungskohorten profitiert. Diese Dynamik spiegelt sich im Integrationsbarometer wieder: Fast drei Viertel der Befragten ohne Migrationshintergrund sind jeweils der Meinung, Migranten insgesamt hätten die Kriminalität im Land nicht erhöht. 

Und fast 80 Prozent sind der Ansicht, sie hätten Deutschland kulturell und wirtschaftlich bereichert. Bei der sowieso schon überraschend positiven Grundstimmung gegenüber den kürzlich eingewanderten Flüchtlingen ist es daher durchaus denkbar, dass sie sich im Lauf der Zeit noch weiter verbessert.

Deutlich wird in dem Index aber auch die Sorge vor dem „Zuviel“: Zwar gibt es unter allen Befragungsgruppen außer den (Spät-)Aussiedlern klare Mehrheiten für eine weitere Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland; ebenso klar sind die Mehrheiten aber bei der Frage nach der Notwendigkeit einer Obergrenze für den Flüchtlingszuzug. Lediglich unter den Befragten mit türkischem Migrationshintergrund findet das keine Mehrheit – laut Stiftungsrat könnte dies damit zusammenhängen, dass in der Türkei derzeit noch viel mehr Flüchtlinge leben als in Deutschland.

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