Lade Inhalte...

Migranten Forscher fordern Umdenken in Flüchtlingspolitik

Eine Studie belegt den Anstieg von Gewalttaten durch Flüchtlinge und erläutert die Gründe. Ihr Fazit: Ein Einwanderungsgesetz tut Not.

Migranten
Ohne Perspektive: Eine unsichere Zukunft ist laut einer Studie einer der Gründe dafür, dass junge Migranten straffällig werden. Foto: rtr

Seit Jahren besteht in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung der Eindruck, dass Deutschland immer unsicherer wird und die Gewaltkriminalität stark ansteigt. Dabei wird kaum wahrgenommen, dass dies durch Zahlen nicht belegt ist, vielmehr Gewaltkriminalität in den vergangenen Jahren stark rückläufig war. Die Kriminologen Christian Pfeiffer, Sören Kliem und Dirk Baier erstellten im Auftrag des Bundesfamilienministeriums eine Studie, die sich mit der Entwicklung der Gewalt in Deutschland und insbesondere mit Jugendgewalt beschäftigt. Sie wurde am Mittwoch veröffentlicht und liegt der Frankfurter Rundschau vor.

Peiffer, einst Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, und seine beiden Koautoren definieren als Gewaltkriminalität vier Delikte: Mord und Totschlag, Vergewaltigung, Raub und schwere Körperverletzung. Als Grundlage dienen den Forschern umfangreiche Daten, darunter auch die Polizeiliche Kriminalstatistik des Landes Niedersachsen, das sie als repräsentativ für Deutschland betrachten. Ein Blick auf die Ergebnisse im Einzelnen und die Empfehlungen der Forscher:

Kriminalität in Deutschland: Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass in Niedersachsen zwischen 2007 und 2014 polizeilich registrierte Gewalttaten um 21,9 Prozent zurückgingen; gerade Jugendliche verübten in diesem Zeitraum deutlich weniger Gewaltverbrechen als in den knapp sechs Jahren zuvor. Den höchsten Wert beobachten sie im Jahr 2007, mit 217 923 Straftaten. Danach sank die Gewaltkriminalität kontinuierlich, der niedrigste Wert ergab sich im Jahr 2014 mit 180 955 Delikten.

Seit 2015 allerdings ist wieder ein Anstieg zu beobachten, der vor allem auf die starke Zuwanderung von Flüchtlingen zurückzuführen sei. „Auf Basis der Polizeilichen Kriminalstatistik ist ein historisch einzigartiger Rückgang der Jugendkriminalität zu konstatieren“, schreiben die Autoren. Die Gründe für diese Entwicklung sind nach Ansicht der Autoren vielfältig, es spielen dabei gesellschaftliche Trends ebenso eine Rolle wie die gute wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland, die dazu führt, dass junge Leute eine bessere Perspektive haben. 

Kriminalität unter Flüchtlingen: Nach dem allgemeinen Rückgang der Gewaltkriminalität verzeichnen die Forscher für die Jahre 2015 und 2016 eine Zunahme um 10,4 Prozent, allerdings wurden immer noch deutlich weniger schwere Straftaten verübt als auf dem Höhepunkt im Jahr 2007. Etwa 13 Prozent dieser Verbrechen wurden von Flüchtlingen begangen. Zu ihnen zählen die Autoren Asylbewerber, Schutzberechtigte nach internationalen und nationalen Regelungen, also Menschen mit Flüchtlingsstatus oder subsidiärem Schutz sowie Menschen, die nur eine Duldung haben. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die Bereitschaft, Verbrechen anzuzeigen, viel höher ist, wenn sie von einem Flüchtling begangen werden, darauf weisen die Autoren ausdrücklich hin. Außerdem sind Flüchtlinge generell nicht häufiger straffällig als Deutsche oder andere Migranten. 

Gründe für die hohe Flüchtlingskriminalität: Der Anstieg ist nach Ansicht der Autoren schon allein deshalb nicht verwunderlich, weil unter den nach Deutschland Gekommenen der Anteil junger Männer hoch sei. „In jedem Land der Welt sind die männlichen 14- bis 30-Jährigen bei Gewalt- und Sexualdelikten deutlich überrepräsentiert“, heißt es in der Studie. Allerdings kommen nicht aus allen Regionen der Welt gleich viele junge Männer, ihr Anteil ist umso höher, je gefährlicher der Fluchtweg ist. Das deckt sich mit einem weiteren Befund der Studie. Danach werden besonders Asylbewerber mit „schlechter Bleibeperspektive“ aus sicheren Herkunftsländern wie Tunesien, Marokko und Algerien deutlich häufiger straffällig als etwa Syrer und Iraker, die mit großer Wahrscheinlichkeit Schutzstatus erhalten. 

Die Autoren verweisen aber auch darauf, dass kulturelle Faktoren eine Rolle spielen. Die Flüchtlinge stammten überwiegend aus muslimischen Ländern, die von männlicher Dominanz geprägt seien, zudem lebten sie hier oft in einer Umgebung, in der die „zivilisierende Wirkung“ von Frauen fehle. Die Akzeptanz einer solchen „Machokultur“ habe sich in vielen Untersuchungen als ein gewaltfördernder Faktor erwiesen. Die geschäftsführende Familienministerin Katarina Barley (SPD) fordert als Lehre aus der Studie eine „gute und menschliche Regelung“ für den Familiennachzug, ein Thema, über das in den Sondierungsverhandlungen zwischen Union und SPD wieder heftig gestritten werden wird.

Vorgeschlagene Präventionsmaßnahmen: Die Forscher plädieren für ein Umdenken in der Flüchtlingspolitik und verlangen die Verabschiedung eines Einwanderungsgesetzes. „Erstens würde es jenen Personen Orientierung geben, die nach Deutschland kommen, da Kriterien spezifiziert werden, unter welchen Bedingungen Personen dauerhaft in Deutschland bleiben dürfen und unter welchen Bedingungen das nicht möglich ist“, sagte Dirk Baier, einer der Autoren und Professor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, gegenüber der Frankfurter Rundschau. Ein solches Gesetz könnte aber auch für bereits in Deutschland lebende Flüchtlinge Anreize bieten, sich engagiert um die Erfüllung der Einwanderungsbedingungen zu bemühen. 

Nötig seien außerdem umfangreiche Programme für freiwillige Rückkehrer. Solche Programme der Bundesregierung existieren bereits, sie wurden kürzlich sogar erst aufgestockt. Sie müssten aber dringend auf ihre Wirksamkeit untersucht werden, so Baier. „Aus solch einer Evaluation würde möglicherweise resultieren, dass es nicht nur um finanzielle Anreize gehen sollte, sondern beispielsweise um einen Kompetenzaufbau in Deutschland vor der Rückführung über schulische und berufliche Ausbildungen.“ Solche gut ausgebildeten Rückkehrer könnten in ihren Heimatländern eine wichtige Funktion übernehmen, etwa in der Ausbildung junger Menschen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum