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#MeTwo Bin ich rassistisch?

Die #MeTwo-Debatte hilft dabei, verbreitete Ressentiments aufzudecken - um sie wirksam zu bekämpfen, braucht es mehr.

Uniklinik Rostock
Schon beim Nachdenken darüber, ob eine Mischung des Personals verschiedener Herkunft in Pflegeeinrichtungen nicht ein Beitrag zum therapeutischen Gelingen wäre, keimt der Verdacht auf: Ist das nicht rassistisch? Foto: dpa

Warum schreibe ich all das? Weil ich vermute, dass es kein Jenseits von Vorurteilen gibt. Es gibt vorbewusste Wahrnehmungen, die unweigerlich in das Alltagsleben eingreifen. Oft ist das hilfreich, nicht selten ist es angebracht, gerade diese auf ihre Funktionstüchtigkeit für eine sich verändernde soziale Wirklichkeit zu überprüfen.

Rassismus ist eine starke Vokabel, die eher selten im Modus der Selbstüberprüfung verwandt wird. Man fragt sich in der Regel nicht: Bin ich rassistisch? Und wenn man jemanden einer rassistischen Formulierung zeiht, geschieht es meist konfrontativ. Das mag von Fall zu Fall geboten sein, aber die pädagogische Wirkung auf denjenigen, der als Rassist bezeichnet wird, ist außerhalb juristischer Verfahren, in denen jemand belangt werden kann, eher begrenzt. 

Der Hashtag #MeTwo hat eine wichtige aufklärerische Funktion, weil er eine Alltagserfahrung offenlegt, auf die die Betroffenen nicht selten auch mit Scham reagieren. Es bedarf eines enormen kommunikativen Aufwandes, sich im Moment einer erlittenen Diskriminierung wirksam zur Wehr zu setzen. Über #MeTwo kann man lernen, wie schwer es selbst eloquenten und durchsetzungsstarken Zeitgenossen fallen muss, die rassistische Attacke zu parieren.

Die in alle Richtungen strebende Debatte über Rassismus in Deutschland zeigt aber auch, wie sehr es gerade jetzt auf Differenzierung und ehrliche Auseinandersetzung ankäme. Es gibt nun einmal keine Sprach- und Verhaltensschablonen, mit deren Hilfe sich öffentliche Herabsetzungen und Verletzungen finden und taxieren lassen. Und das Medium der Selbstüberprüfung bietet keine Garantie, sein Gegenüber in Worten, Gedanken und Alltagshandlungen nicht zu verletzen.

Unkritische Xenophilie – Fremdenliebe – ist indes keine Lösung, und es gibt so gut wie kein Rezept gegen tief in der sozialen Wirklichkeit verankerte Ressentiments. Bei genauerer Betrachtung sind diese nicht nur ein Mittel emotionaler Abwehr, sondern immer auch Antworten auf Empfindungen eigener Unterlegenheit. An der Stelle von Aufklärung und Differenzierung wirken hier Unterstellung, Falschmeldung und Verdacht. 

Eine Gesellschaft, die ganz ohne Ressentiments auskommt, ist eine Illusion. Es braucht aber mehr als nur eine Hashtag-Debatte, um der Konjunktur der Ressentimentstrategien, die inzwischen sogar von Ministerialbürokratien ausgedacht werden, etwas entgegenzusetzen.

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