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Menschenhändler Schlag gegen Schleuser

Die Bundespolizei und die türkische Nationalpolizei nehmen mehrere Verdächtige in Deutschland und der Türkei fest. Sie sollen Flüchtlinge in schrottreifen Schiffen auf den Weg nach Griechenland und Italien geschickt haben.

Ein Video der Polizei zeigt die Festnahme eines Menschenhändlers in Berlin. Foto: dpa

Die Bundespolizei hat gemeinsam mit der türkischen Nationalpolizei ihren bisher größten Schlag gegen eine Bande mutmaßlicher Menschenhändler geführt, die Tausende Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa geschmuggelt haben sollen. 493 Polizisten hätten in sechs Bundesländern 16 Wohnungen sowie einen Geschäftsraum gestürmt, sagte der Präsident des Bundespolizeipräsidiums, Dieter Romann, am Mittwoch in Potsdam. In Deutschland seien fünf und in der Türkei zehn Personen festgenommen worden.

Die Verdächtigen sollen die Flüchtlinge in schrottreifen Schiffen ohne Besatzung auf den Weg nach Griechenland und Italien geschickt haben. Solche Schiffe werden als „Geisterschiffe“ bezeichnet. In einem laut Bundespolizei besonders perfiden Fall war der Autopilot des Schiffes auf das italienische Festland programmiert und die Besatzung anschließend von der Brücke gegangen. Bei teilweise rauer See hätten die führerlosen Schiffe nur durch lebensgefährliche Rettungsmanöver der italienischen Küstenwache unter Kontrolle gebracht werden können.

Die Flüchtlinge hätten 4500 bis 6000 Dollar für die Fahrt zahlen müssen, berichtete Romann weiter. „Die Erkenntnisse aus den Ermittlungen zeigen deutlich, dass Schleusungskriminalität keinerlei Rücksicht auf Gesundheit und Leben der Geschleusten nimmt. Es geht hier nicht etwa um Fluchthilfe, sondern schlicht ums Kasse machen.“

Weil bei dem Polizeieinsatz bei zwei Objekten eine mögliche Gefährdung der eingesetzten Kräfte nicht ausgeschlossen werden konnte, waren hier auch Spezialkräfte der GSG9 der Bundespolizei im Einsatz. Zudem wurde die BFE+ beteiligt. BFE+ steht für Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit. Die erste dieser neuen Anti-Terror-Einheiten war erst kurz vor Weihnachten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Blumberg bei Berlin in Dienst gestellt worden.

Die türkische Polizei war parallel zur Bundespolizei etwa in Istanbul, Izmir oder der Hafenstadt Mersin im Süden im Einsatz. In Mersin soll einer der Drahtzieher festgenommen worden sein. Die Zusammenarbeit zwischen der türkischen Nationalpolizei und der Bundespolizei nannte Romann beispielgebend für eine erfolgreiche Bekämpfung internationaler Schleuserorganisationen.

Bereits im August 2015 waren durch die Bundespolizei gemeinsam mit italienischen Behörden zwei Tatverdächtige in Deutschland festgenommen worden. Sie wurden an die italienische Justiz überstellt. (mit rtr)

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