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Libanon und Jordanien Große Not in Flüchtlingslagern

Die Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen können die Menschen nicht ausreichend versorgen. Ihnen fehlt es vor allem an finanziellen Mitteln. Auch Libanon und Jordanien sind vollkommen überfordert mit der Versorgung der vielen Menschen.

16.09.2015 17:11
Jörg Wimalasena
Syrische Flüchtlinge in Jordanien
Flüchtlingslager in Jordanien: Das Land ist, ebenso wie Libanon, mit der Versorgung der vielen Menschen komplett überfordert. Foto: dpa

Die Versorgung der Syrien-Flüchtlinge in den Nachbarländern Libanon und Jordanien hat sich nach Angaben der Vereinten Nationen dramatisch verschlechtert. Den Hilfsprojekten fehlt Geld. Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) musste nach eigenen Angaben die Lebensmittel-Ausgaben für Flüchtlinge in beiden Ländern seit Beginn des Monats im Durchschnitt halbieren. Statt 27 Dollar pro Person und Monat, die für eine ausreichende Versorgung notwendig wären, erhielten die meisten Familien durchschnittlich nur 13,50 Dollar – das sind 50 Cent pro Person am Tag.

Zudem hat die Organisation damit aufgehört, die elektronischen Lebensmittelgutschein-Karten für mehr als 360.000 Menschen aufzuladen. „Seit Beginn des Nothilfeeinsatzes agiert das WFP von der Hand in den Mund. Doch die Finanzierungslage war noch nie so schlimm wie in diesem Jahr. Hunderttausende Familien müssen darunter leiden“, sagte WFP-Sprecherin Maria Smentek der Frankfurter Rundschau.

Nicht nur für die Lebensmittelversorgung fehlt Geld. 4,5 Milliarden Dollar kostet der von den UN initiierte Hilfsplan für die Versorgung von Flüchtlingen in den Nachbarländern Syriens im laufenden Jahr. Anfang September sind jedoch nur 37 Prozent des benötigten Geldes vorhanden. Mit mehr als einer halben Milliarde haben die USA bisher den größten Betrag gezahlt. Deutschland beteiligt sich mit etwa 150 Millionen Dollar und ist damit nach den USA, Großbritannien, Kuwait und der EU der fünftgrößte Geldgeber.

Libanon und Jordanien sind vollkommen überfordert mit der Versorgung der vielen Menschen. Viele Flüchtlinge suchten auch deshalb den direkten Weg aus Syrien nach Europa, weil sie von den schlechten Bedingungen dort wüssten, sagte UNHCR-Sprecherin Ariane Rummery der Frankfurter Rundschau. „Es gibt keine Zweifel, dass die schlechter werdenden Bedingungen in diesen Nachbarländern den Zustrom nach Europa befeuern.“

SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte am Dienstag, Europa müsse den Libanon, Jordanien und die Türkei mit 1,5 Milliarden Euro bei der Unterbringung der Flüchtlinge unterstützen, die USA und die Golfstaaten sollen Gabriel zufolge mindestens den gleichen Betrag bereitstellen. „Wir müssen dort den Menschen eine bessere Perspektive geben, sonst entsteht dort eine verlorene Generation.“

Die finanzielle Unterstützung der Hilfsmaßnahmen in den Nachbarländern Syriens, so Rummery, könne allerdings nicht die Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen ersetzen. „Es geht nicht darum, Geld dafür zu bezahlen, dass die Flüchtlinge woanders bleiben“, sagte die UNHCR-Sprecherin. Alle reichen Länder sollten auch ihren gerechten Teil an Flüchtlingen aufnehmen.

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