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Islam Integrations-Knigge für muslimische Flüchtlinge

Das Münchener Islamforum hat einen Flyer erstellt, der den Neuankömmlingen eine Knigge an die Hand reicht, die Gläubige direkt anspricht.

18.03.2016 09:46
Von Timur Tinç
Muslimische Flüchtlinge sollen sich mithilfe einer Knigge leichter in Deutschland integrieren. Foto: dpa

Mit dem Echo hatte Benjamin Idriz nicht gerechnet. „Bundesweit haben sich Einrichtungen bei uns gemeldet“, berichtet der Vorsitzende des Münchener Islamforums und Imam der Moschee im bayerischen Penzberg. Die Rede ist von der Broschüre „Willkommen in Deutschland“, die er mit seinem Verein und der Fachstelle für Demokratie für muslimische Flüchtlinge erstellt hat. Ein Integrations-Knigge auf Deutsch, Englisch und Arabisch. Weitere Sprachen sind in Planung.

„Die meisten Flüchtlinge kommen aus dem muslimischen Kulturraum“, erklärt Idriz seine Idee. Sie entstand, als täglich Hunderte Menschen aus Österreich am Münchener Hauptbahnhof ankamen. Sein Ziel war und ist es, den Neuankömmlingen eine Handreichung zu Themen wie Begrüßung, Bildung, Arbeit, Geschichte und dem deutschen Grundgesetz zu geben – mit einer religiösen Begründung. „Wir wollen zeigen, dass ein Leben und die Werte hier in Deutschland mit dem Islam kompatibel sind“, sagt Idriz.

Dazu hat der Theologe zu jedem Thema Koranverse und Aussprüche des muslimischen Propheten Mohammed gestellt, damit sich die Gläubigen direkt angesprochen fühlen. „Die Frauen haben den gleichen Wert wie die Männer. Nur die Würdigen würdigen Frauen und nur die Nichtswürdigen erniedrigen sie“, lautet etwa ein Ausspruch Mohammeds zum Thema Gleichberechtigung. Ebenfalls werden die Migranten ermuntert, ihre Kinder in den Schwimmunterricht zu schicken und es wird klargestellt, dass eine Vollverschleierung islamisch nicht erforderlich ist.

Idriz will mit der Broschüre jegliche Art von Extremismus und Parallelgesellschaften vorbeugen. Es geht um Toleranz gegenüber anderen Religionen, Lebensweisen und Weltanschauungen und darum, dass Bildung der Schlüssel zur Integration ist. Landräte, Kommunen, Hilfsorganisationen, aber auch Einzelne, die Flüchtlingen helfen, melden sich bei Idriz, um die Broschüre zu bestellen. Mittlerweile wurden 35000 Exemplare gedruckt. „Wir werden nachdrucken“, sagt Idriz. Die Allianz-Stiftung habe bereits ihre Zusage zur weiteren Finanzierung gegeben. Kürzlich bekam der Imam eine Anfrage vom Landrat aus Böblingen (Baden-Württemberg), ob er nicht mit den Menschen vor Ort ein Seminar oder Workshop organisieren könne. „Das macht uns natürlich stolz“, sagt Idriz. Er wird es mit seinem kleinen, ehrenamtlichen Team zumindest versuchen.

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