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Flüchtlingslager Moria Gewaltausbruch auf Lesbos

Unruhen im im berüchtigten Flüchtlingslager Moria treiben Kurden in die Flucht. Es war ein beispielloser Gewaltausbruch auf der griechischen Insel.

Flüchtlinge auf dem Weg nach Mytilini
Bis zu tausend Menschen fliehen aus dem Lager Moria nach Mytilini. Foto: rtr

Die Videobilder sind schockierend. Blutüberströmte Menschen, schwer Verletzte, die regungslos am Boden liegen. Am späten Freitagnachmittag kam es im berüchtigten Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Ägäisinsel Lesbos zu einem beispiellosen Gewaltausbruch gegen Kurden und Jesiden. Dutzende mit Holzstöcken und Eisenstangen bewaffnete Araber hätten diese als „Ungläubige“ beschimpft und beschuldigt, den derzeitigen muslimischen Fastenmonat Ramadan nicht einzuhalten, sagen kurdische Augenzeugen. Nach Angaben von Helfern lagen am Sonntag noch vier Schwerverletzte auf der Intensivstation im Krankenhaus der Inselhauptstadt Mytilini.

Nachdem kurdische Medien zunächst von vier Toten berichtet hatten, wurde am Wochenende klar, dass zwar rund zwei Dutzend Personen bei den Ausschreitungen in Moria verletzt wurden, sieben davon schwer und vier lebensbedrohlich, es aber keine Toten gab. Im Anschluss an die Unruhen, bei denen griechische Polizisten zunächst nicht eingeschritten seien, sind nach übereinstimmenden Angaben verschiedener Hilfsorganisationen auf Lesbos etwa 900 bis tausend Menschen aus Angst aus dem Lager nach Mytilini geflüchtet. In dem Camp, das für maximal 3000 Flüchtlinge ausgelegt ist, harren nach Angaben des griechischen Migrationsministeriums mehr als 7300 Menschen aus. Ausschreitungen zwischen verschiedenen Flüchtlingsgruppen sind nicht selten in dem völlig überfüllten Lager. Erst im März war es zu Auseinandersetzungen gekommen. Weil die Behörden die Flüchtlinge nicht nach Ethnien oder religiösen Gruppen trennen, treffen dort Menschen aufeinander, die im syrischen Bürgerkrieg auf verschiedenen Seiten gekämpft haben. Frauen erklärten, sie würden von sexueller Gewalt bedroht. 

Die jüngste Krise begann am Freitag, als in Folge der Kämpfe im Lager Bereitschaftspolizei und Krankenwagen nach Moria gerufen wurden. Mehr als zehn Migranten wurden in das Krankenhaus von Mytilini verlegt. Kurdische Medien interviewten am Wochenende Augenzeugen in Moria, die behaupteten, dass zahlreiche Angreifer Anhänger der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) gewesen seien. Sie hätten Kurden und Jesiden bedroht, weil sie in Syrien von der säkularen kurdischen YPG-Miliz angegriffen worden seien. Die Nachrichtenagentur Rudaw aus dem Nordirak zitierte den 19-jährigen kurdischen Flüchtling Mohammed Khalil mit den Worten, der Kampf habe begonnen, nachdem Araber erklärt hätten, „Kurden aus Rojava (Nordsyrien) sind Ungläubige und fasten nicht“. 

Aus Moria sind seit Freitag nicht nur kurdische Familien, sondern auch zahlreiche Jesiden nach Mytilini geflohen. Ein in Deutschland lebender Jeside, der gute Verbindungen zu Mitgliedern der Religionsgemeinschaft in Lesbos hat und anonym bleiben will, sagte der FR, nach seinen Informationen seien „Hunderte“ Araber im Moria-Lager IS-Anhänger und gewännen dort wachsenden Einfluss. Viele seien erst in den letzten Monaten eingetroffen. „Sie verbreiten IS-Ideologie im Camp und hängen IS-Slogans auf. Sie folgen den Anweisungen eines IS-Emirs im Lager. Meine Freunde sagten, am Freitag griffen sie an, um zu töten. Aber die Behörden wollen die Gefahr nicht sehen.“

„Ein Vulkan, der brodelt“

Omar Alshakal, syrischer Gründer der kleinen NGO „Refugees 4 Refugees“, war während der Unruhen in Moria. Er hat von Kurden ähnliche Vorwürfe gehört, während Araber ihrerseits die Kurden beschuldigt hätten. Hitze, Enge und Perspektivlosigkeit im Lager seien für die Gewalt verantwortlich, meint Alshakal. „Das ist hier wie ein Vulkan, der brodelt und irgendwann ausbricht.“

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