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Flüchtlinge Weniger Boote aus Libyen

Grenztruppen und EU-Einsatz sorgen für sinkende Zahlen, doch die Schlepper sind findig. Merkel, Macron, Rajoy und Gentiloni treffen sich am Montag in Versailles.

Mittelmeer
Ein Schlauchboot mit Flüchtlingen am 1. August auf dem Mittelmeer. Foto: dpa

Italiens Innenminister frohlockte. „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels“, erklärte Marco Minniti in Rom. „Doch der Tunnel ist noch sehr lang und ich hoffe, ich bin nicht zu optimistisch.“

Die Rede ist von den Bootsmigranten aus Libyen, deren Zahl in den letzten beiden Monaten plötzlich und dramatisch gesunken ist. Im Juli waren es mit 11 500 nur noch halb so viele wie im Vorjahr, als 23 500 in Italien an Land gingen. Im August registrierten die Behörden lediglich 2250 Neuankömmlinge, ein Zehntel im Vergleich zum August 2016.

Hält diese Entwicklung an, wäre dies ein erstes Indiz, dass die Kooperation der Europäischen Union mit den afrikanischen Transitländern und Libyen zu greifen beginnt. Am Montag wollen sich Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit Spaniens Premier Mariano Rajoy und Italiens Regierungschef Paolo Gentiloni in Versailles treffen, um über das weitere Vorgehen in der Flüchtlingsfrage zu beraten. „Es ist noch zu früh, von einem Trend zu sprechen“, warnte Barbara Molinario, Sprecherin des UN-Flüchtlingskommissars.

Denn so dramatisch der Rückgang im Juli und August auch ist, auf die Gesamtstatistik wirkt er sich bisher kaum aus. Die Überfahrten von Libyen nach Italien liegen derzeit mit 98 000 um etwa 7000 unter dem Vorjahr. Dafür gehen sie auf der westlichen Mittelmeerroute von Marokko nach Spanien in die Höhe, wo 4600 Menschen mehr eintrafen.

Seit Anfang 2016 sucht die EU auf vielen Kanälen eine engere Kooperation mit der Post-Gaddafi-Nation und ihren afrikanischen Nachbarn im Süden. Libyens Küstenwache bekam zehn neue Patrouillenboote, die von zwei italienischen Kriegsschiffen unterstützt werden.

Die meisten privaten Rettungsschiffe mussten sich auf Druck der europäischen Mittelmeerstaaten zurückziehen. Mit Sudan, Tschad und Niger, den Haupttransitländern nach Libyen, schloss Brüssel Verträge, um den Transsaharaverkehr einzudämmen. Im Gegenzug für finanzielle Hilfen in dreistelliger Millionenhöhe gehen die Grenztruppen dieser Staaten jetzt härter gegen Schmuggler und Migranten vor. Zudem wächst an Libyens Küstenorten der Widerstand gegen das Schlepperunwesen.

Al-Wadi-Miliz patrouilliert an der Küste

„Wir haben die Nase voll von den Menschenschmugglern an unseren Stränden“, erklärte Hassen Dhawadi, Bürgermeister von Sabratha, im lokalen Sender Radio Dhawad. Sabratha liegt 70 Kilometer westlich von Tripolis und beherbergt eine römische Ruinenstadt, die seit 1982 zum Weltkulturerbe gehört. Von hier riskierten bereits Zehntausende die Überfahrt nach Italien. Nun will die Al-Wadi-Miliz, die aus Bürgern von Sabratha besteht, dem Treiben der Schmuggler ein Ende setzen.

Ihre Mitglieder patrouillieren an der Küste und werden von der Regierung der Nationalen Einheit in Tripolis bezahlt. Wen sie am Strand antreffen, den nehmen sie fest und bringen ihn in ein kommunales Lager am Stadtrand, das längst aus allen Nähten platzt. Ob die Strategie der Europäischen Union auf Dauer wirkt, muss sich noch zeigen. Denn die Schmuggler stellen sich in der Regel schnell auf die neue Lage ein. In der Sahara weichen sie wegen der verschärften Kontrollen jetzt auf gefährlichere Routen aus.

Allein im Niger rettete die Internationale Organisation für Migration (IOM) seit April über tausend Menschen vor dem Verdursten. Auch Neuankömmlinge aus Sabratha berichten, dass alles schwieriger geworden sei. „Dort sind Leute, die die Boote an der Abfahrt hindern. Wenn sie dennoch losfahren, werden sie sofort wieder zurück an Land geschickt“, zitierte IOM-Sprecher Flavio di Giacomo ihre Aussagen.

Die Menschenschmuggler jedoch machen sich aus dem Staub. Sie verlegen jetzt die Abfahrten der Schlauchboote nach Al-Khoms, 200 Kilometer weiter östlich.

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