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Flüchtlinge Umdenken in Kanada

Nachdem nur wenigen Flüchtlingen die Aufnahme gewährt wurde, nimmt Kanada jetzt 25.000 Flüchtlinge aus Syrien auf. Sie müssen sich jedoch rigorosen Sicherheitstests unterziehen, auch bleiben alleinstehende Männer außen vor.

Kanada heißt Flüchtlinge willkommen: Immigrationsminister John McCallum und Verteidigungsminister Harjit Sajjan. Foto: REUTERS

Ungeachtet der jüngsten Anschläge in Paris und weltweiter Terrorwarnungen will die neue kanadische Regierung in den nächsten drei Monaten insgesamt 25 000 Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien aufnehmen. Die Menschen sollen von der nächsten Woche an in Flüchtlingslagern in der Türkei, im Libanon und in Jordanien abgeholt und mit gecharterten Flugzeugen nach Kanada geflogen werden, wo sie ein permanentes Einwanderungsvisum erhalten.

Entsprechende Pläne gab die kanadische Regierung am Dienstag bekannt. Mit der humanitären Geste erfüllt Kanadas neuer Premierminister Justin Trudeau ein Versprechen aus dem Wahlkampf. Unter Trudeaus konservativem Amtsvorgänger Stephen Harper hatte das Land nur wenigen Asylbewerbern die Aufnahme gewährt, weswegen bislang nur etwa 3000 Syrer den Weg nach Kanada gefunden haben.

Doch die Bilder vom ertrunkenen Flüchtlingskind Aylan Kurdi hatten diesen Sommer in breiten Teilen der kanadischen Bevölkerung einen Stimmungsumschwung bewirkt und Trudeau hatte seinen Wählern daraufhin eine großzügigere Handhabe versprochen. Trudeau sagte dem Fernsehsender CBC, seine Regierung werde alles dafür tun, die 25 000 neuen Kanadier in der kanadischen Gesellschaft zu integrieren. Bei der Aktion handele es sich um eine „gesamtgesellschaftliche Kraftanstrengung“. Priorität bei der Visavergabe haben laut Trudeau alleinstehende Frauen, Familien und Menschen, die wegen ihrer politischen Überzeugung oder sexuellen Identität verfolgt werden. Dagegen sollen alle anderen alleinstehenden Männer wegen Sicherheitsbedenken vorerst unberücksichtigt bleiben.

„Heute ist ein guter Tag für Kanada“

Alle Zuwanderer sollen beim Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen oder der türkischen Regierung registriert und vor der Ausreise eine rigorose Sicherheitsüberprüfung durchlaufen. Dabei wollen die Kanadier auch auf die Daten der US-Sicherheitsdienste zurückgreifen. Die Religionszugehörigkeit soll bei der Auswahl der Asylanten dagegen keine Rolle spielen.

Mit den Auflagen wollen die Kanadier das Risiko minimieren, radikalisierte Jugendliche, gewaltbereite Islamisten oder gar Terroristen ins Land zu holen. Wegen der umfangreichen Sicherheitstests hat die Regierung die sich selbst gesetzte Frist zur Aufnahme der Flüchtlinge auf Ende Februar 2016 verlängert. Ursprünglich wollte Trudeau die Aktion bis Jahresende abschließen.

Einwanderungsminister John McCallum bezifferte die Kosten der humanitären Aktion am Dienstag auf etwas mehr als 600 Millionen Dollar über sechs Jahre hinweg. In der Summe sind auch Maßnahmen zur Integration der Flüchtlinge enthalten, wie etwa Sprachkurse oder Kurse zur beruflichen Qualifikation oder Weiterbildung.

„Heute ist ein guter Tag für Kanada“, versprach McCallum. Dabei will die Regierung einen Teil der Flüchtlinge selbst ins Land holen, andere werden von Hilfsorganisationen oder privaten Sponsoren nach Kanada gebracht. Dazu wird eine Art Luftbrücke nach Toronto und Montréal eingerichtet. Von dort werden die Neubürger auf 36 Kommunen im ganzen Land verteilt. Die meisten werden in der französischsprachigen Provinz Québec eine neue Heimat finden.

Rund 6000 Neuankömmlinge sollen vorübergehend in kanadischen Kasernen untergebracht werden. Das Militär will die Luftbrücke wenn nötig mit eigenen Maschinen unterstützen. Diese sollen alle 48 Stunden zwischen Kanada und den Krisenregionen hin- und herpendeln. Kanadische Soldaten werden eigens in den Mittleren Osten entsandt, um bei der Logistik vor Ort zu helfen.

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