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Flüchtlinge Europol sorgt sich um verschwundene Flüchtlingskinder

Mindestens 10.000 Minderjährige gelten seit 2014 in der EU als vermisst. Die Polizeibehörde sieht Beweise für sexuellen Missbrauch.

Seit 2014 verschwanden mindestens 10 000 minderjährige Flüchtlinge in Europa. Foto: dpa

Heidi De Pauw kennt die Fälle. Allein in der vergangenen Woche sind in Belgien zwei Kinder im Alter von elf und dreizehn Jahren verschwunden. Einfach so. Sie waren ohne Eltern aus Algerien gekommen. Nun sind sie weg. Spurlos. „Und wir kennen sicherlich nicht alle Fälle in Belgien“, sagte De Pauw von der Hilfsorganisation Child Focus der Zeitung „Standaard“.

Unbegleitete Minderjährige heißen Flüchtlingskinder, die ohne Eltern nach Europa kommen. Nun schlägt die Polizeibehörde Europol Alarm. Nach Schätzung von Europol-Stabschef Brian Donald gelten in der Europäischen Union seit 2014 mindestens 10 000 Flüchtlingskinder als vermisst. „Wir wissen einfach nicht, wo sie sind“, sagte Donald.

Rund eine Million Flüchtlinge hatten im vergangenen Jahr die EU erreicht. Nach Schätzungen von Europol sind davon rund ein Viertel minderjährig. Wie Donald weitere berichtete, sind rund um die Fluchtrouten kriminelle Strukturen entstanden. „Die verschwundenen Kinder werden nicht alle kriminell ausgebeutet, manche sind vielleicht weiter zu Angehörigen“, schätzte Donald. Aber von vielen wisse man nicht, wo sie abgeblieben seien.

Für Belgien schätzte Heidi De Pauw die Zahl allein im vergangenen Jahr auf 60. In Schweden, wohin sich viele der unbegleiteten Minderjährigen durchschlagen, sollen 1000 Kinder verschwunden sein, in Italien wird die Zahl der vermissten Flüchtlingskinder auf 5000 geschätzt. „Dass die ohnehin Schwächsten der Gesellschaft in der EU Opfer von Missbrauch und Kriminalität werden, ist erschütternd und kann keinesfalls hingenommen werden“, sagte der Europaabgeordnete Josef Weidenholzer am Montag.

Möglicherweise versklavt

Der österreichische Sozialdemokrat forderte: „Europa hat dafür zu sorgen, dass diese Kinder gesucht und gefunden werden.“

Hilfsorganisationen wie Save the Children hatten in Italien bereits vor zwei Jahren Alarm geschlagen. Nun glaubt Europol über Beweise zu verfügen, wonach Flüchtlingskinder auch versklavt und sexuell missbraucht würden.

„In Ungarn und Deutschland, einem wichtigen Transit- und einem großen Zielland, sind kriminelle Kreise aktiv“, erklärte Donald der Zeitung „Standaard“. Auch Weidenholzer berichtete über schreckliche Zustände auf der Balkanroute.

In Deutschland ermahnte deshalb der Kinderschutzbund die Politik. „Die Flucht von Kindern muss international geregelt und unterstützt werden, damit sich diese nicht alleine und unregistriert über abenteuerliche Fluchtrouten auf den Weg nach Europa machen“, forderte Heinz Hilgers, der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes. Nach seiner Ansicht trägt auch die EU-Flüchtlingspolitik zu den Vermisstenzahlen bei. „Leider versagen EU und UN bei diesem Thema gerade völlig“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst.

Hilgers rief dazu auf, für Minderjährige großzügige Flüchtlingskontingente aufzustellen, um diese abenteuerliche und gefährliche Fluchtrouten im Schlepptau krimineller Schleuser zu ersparen.

Nach Angaben der belgischen Kinderschützerin Heidi De Pauw reicht dies nicht aus. Es braucht auch eine bessere Betreuung. De Pauw: „Die Auffangzentren laufen voll. Wir brauchen dringend betreuende Familien.“

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