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Flüchtlinge auf der Balkanroute Kroatien öffnet Grenze zu Serbien

Weil Ungarn seine Grenzen abriegelt, sitzen auf der Balkanroute offenbar mehr als 10.000 Menschen fest. Kroatien hat nun seine Grenze für tausende Flüchtlinge aus Serbien geöffnet.

19.10.2015 17:35
Tausende Flüchtlinge warten an der kroatisch-slowenischen Grenze. Foto: dpa

Kroatien hat am Montagabend seine Grenze für tausende Flüchtlinge aus Serbien geöffnet. Das berichtete ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP am serbischen Grenzübergang Berkasovo, wo zwischen 2000 und 3000 Menschen in Regen und Kälte ausgeharrt hatten. Alle Flüchtlinge hätten die Grenze nach Kroatien passiert, sagte ein freiwilliger Helfer aus Tschechien, Jan Pinos, vor Ort.

Auch an der kroatisch-slowenischen Grenze warteten am Montag mehr als tausend Menschen, um ihre Reise nach Westeuropa fortzusetzen. An anderen Grenzübergängen in der Balkanregion war der Andrang ebenfalls ungebrochen.

Auf der Balkanroute sitzen nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR mehr als 10.000 Menschen fest, weil Ungarn seine Grenzen abgeriegelt hat und der Flüchtlingsstrom sich seit dem Wochenende durch den Flaschenhals Slowenien quält.

Mehrere Tausend Menschen verbrachten die Nacht zum Montag auf dem schlammigen Boden im Niemandsland zwischen Serbien und dem EU-Land Kroatien. "Öffnet das Tor, öffnet das Tor", riefen die von Kälte und Müdigkeit gezeichneten Menschen verzweifelt. Einheiten der kroatischen Polizei versperrten ihnen den Weg.

Vor der Grenze zu Slowenien stoppten kroatische Behörden einen Flüchtlingszug mit rund 2000 Menschen. Slowenische Polizisten hatten den Übergang mit einem provisorischen Zaun abgesperrt. Viele Menschen verließen den Zug und gingen zu Fuß an den Gleisen entlang. Mit Plastikfolien und -umhängen versuchten sie, sich vor dem Regen zu schützen. Etwa 150 von ihnen, vor allem Familien mit Kindern, wurden über die Grenze gelassen. Die anderen verbrachten die Nacht im Freien und wärmten sich an offenen Feuern.

Slowenien erklärte, es werde pro Tag nur 2500 Flüchtlinge passieren lassen, so viele, wie nach Österreich ausreisen könnten. Bislang kamen täglich rund 5000 Menschen über die Balkanroute von Griechenland über Mazedonien und Serbien in die Europäische Union (EU). Die Transitländer haben aber kaum Möglichkeiten und Kapazitäten die Flüchtlinge zu versorgen.

Zu wenig Essen, zu wenige Decken

Wegen der Abriegelung der ungarischen Grenze ist Slowenien jetzt zur Engstelle auf der Route nach Österreich und Deutschland geworden. Die slowenische Einreisebeschränkung führt zu einem Rückstau, weil auch Kroatien die Einreisen von Serbien aus begrenzt. Allein dort stecken nach UNHCR-Schätzungen mehr als 10.000 Flüchtlinge fest. "Es ist wie ein großer Menschenstrom", sagte UNHCR-Sprecherin Melita Sunjic. Wenn man ihn an einer Stelle stoppe, gebe es irgendwo Überschwemmungen. "Genau das passiert jetzt", sagte sie und fügte hinzu: "Es gibt zu wenig Essen, zu wenig Decken, es fehlt an allem."

In Deutschland kommen weiter täglich Tausende Flüchtlinge an. Am Wochenende zählte die Bundespolizei an der Grenze zu Österreich 9788 neu eingereiste Flüchtlinge. "Der Trend ist unverändert", sagte ein Sprecher der Bundespolizei in München.(rtr)

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