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Flüchtlinge als Pfleger Pfleger gesucht und gedankenlos rausgeworfen

Rafet Oraca wurde nur zwei Wochen vor seiner Pflegehelfer-Prüfung abgeschoben. Dabei werden Pflegekräfte so dringend gebraucht, dass Minister Spahn sie im Ausland anwerben will.

Pflege
Pflegerinnen und Pfleger werden in Deutschland händeringend gesucht. Foto: dpa

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer hat wegen des Personalmangels in der Pflege gerade erst einen Abschiebestopp für gut integrierte Flüchtlinge gefordert, die in Gesundheitsberufen arbeiten. Sein CSU-Kollege Erich Irlstorfer sagt, Schummers Vorschlag habe eine „gewisse Berechtigung“. Er warnt allerdings vor zu vielen Ausnahmeregelungen für einzelne Berufsgruppen. 

Ende 2015 wurden Albanien, Kosovo und Montenegro als sichere Herkunftsstaaten eingestuft. Rafet Oraca und seine Familie waren demnach ohne Asylgrund hier. Ihre Anträge wurden abgelehnt. Oraca hätte mit seiner Familie freiwillig ausreisen können. Er hätte ein Arbeitsvisum beantragen können, um damit zurückzukehren. Wie er sagt, hatte das Asklepios Klinikum Aidenbach ihm einen Arbeitsvertrag zugesagt. Die Klinik bestätigt auf Anfrage zumindest, dass er für eine Ausbildungsstelle ernsthaft infrage gekommen wäre, weil er einen motivierten und sprachlich kompetenten Eindruck gemacht habe. Warum hat er es auf die Abschiebung angelegt? Auch haben er und seine Frau die Pflegeausbildung ohne eine Erlaubnis begonnen. Das alles spricht gegen Rafet Oraca. Er weiß das, und versteht es dennoch nicht.

Anwerbung von Pflegekräften im Ausland

Nun wolle Deutschland lieber „Leute holen, die kein Wort Deutsch können“, sagt er. Oraca spricht Deutsch. Nicht perfekt, aber auf jeden Fall ausreichend. Er wirkt integriert. Menschen, die ihn kennen, sagen, er und seine Familie seien immer sehr freundlich. Er ist Fan des FC Bayern und verabschiedet sich am Telefon mit „Passt scho. Servus!“. Er hatte gute Beurteilungen auf der Pflegeakademie, war sogar Klassensprecher. Und er wird weggeschickt.

Gleichzeitig kommt die Anwerbung von Pflegekräften im Ausland nur schleppend voran. Es gebe erhebliche Probleme bei der Visavergabe, beklagte Spahn jüngst.

Eine Erfahrung, die auch die Asklepios Kliniken machten. Seit zwei Jahren schult das Unternehmen auf den Philippinen Intensiv- und OP-Pfleger. Die Kandidaten bekommen einen neunmonatigen Sprachkurs und einen Arbeitsvertrag. Doch dann müssen sie lange auf ein Visum warten. „Gerade ist die Bearbeitungsdauer von drei auf fünf Monate heraufgesetzt worden. Unsere Versuche, auf der Arbeitsebene mit den verantwortlichen Stellen im Auswärtigen Amt eine Lösung herbeizuführen, sind leider gescheitert“, schreibt Konzernchef Kai Hankeln in einem Brief an Bundestagsabgeordnete.

Kampf um ein Visum

Das Problem kennt auch Baicy Terbrüggen, die stellvertretende Geschäftsführerin von „IPP-Health“. Die Agentur vermittelt Ärzte und Krankenpflegekräfte aus Bosnien und Serbien. Doch obwohl diese Pflegekräfte bereits in einer deutschen Klinik hospitiert haben, einen Sprachkurs durchlaufen haben, einen Arbeitsvertrag und einen Anerkennungsbescheid haben, würde das Auswärtige Amt sie meist neun bis zwölf Monate auf einen Termin für ein Visum warten lassen. Das sei sehr ärgerlich, sagt Terbrüggen. „Denn die Kliniken können deshalb nicht planen.“

Auch Rafet Oraca kämpft nun um ein Visum – und gleichzeitig um seine Zukunft. Denn ob sie nun in Deutschland stattfindet oder andernorts: Zumindest seinen Abschluss möchte er unbedingt noch machen. „Sonst verliere ich alles wieder, wofür ich gelernt habe“, sagt er. Und die Pflegeakademie gibt ihm tatsächlich die Chance, die Prüfung nachzuholen. Doch um einzureisen, braucht er ein Visum. Zum ersten Nachprüfungstermin Ende Juni wurde der Antrag abgelehnt. Oraca hatte bereits ein Flugticket gekauft – das ist Voraussetzung für die Antragstellung.

Doch das Auswärtige Amt hält es für nicht glaubwürdig, dass Oraca nach der Prüfung in Deutschland auch in den Kosovo zurückkehrt. Seine letzte Chance ist nun der zweite Prüfungstermin am 17. September. Mit Hilfe seiner Anwältin will er deshalb vor Gericht eine Einreiseerlaubnis erstreiten.

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