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Deutscher Nachbarschaftspreis Seehofer bietet Aktivisten Dialog an

Innenminister Horst Seehofer reagiert auf die Absagen der Nachbarschaftsinitiativen „Moabit hilft e.V.“ und „wielebenwir“ und bietet den Dialog an.

Horst Seehofer
Bundesinnenminister Horst Seehofer ist Schirmherr des Nachbarschaftspreises. Foto: rtr

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat „mit Bedauern zur Kenntnis“ genommen, dass zwei Initiativen aus Berlin und Köln eine Nominierung für den Deutschen Nachbarschaftspreis wegen seiner Rolle als Schirmherr abgelehnt haben. Die Abteilung seines Hauses will nun das Gespräch mit beiden Initiativen suchen. Das teilte Seehofers Sprecherin Eleonore Petermann am Montag in Berlin mit. Bei den Initiativen handelt es sich um die Berliner Flüchtlingshilfsorganisation „Moabit hilft e.V.“ und den Kölner Verein „wielebenwir“, der für sein Projekt zum kostenlosen Verleih von Lastenfahrrädern nominiert wurde.

„Beides sind sehr schätzenswerte Initiativen“, sagte Petermann. Im Übrigen seien Gespräche immer gut, um Vorstellungen „geradezurücken“ oder für Verständnis zu werben. Das Angebot für einen Dialog müsse aber nicht unbedingt dazu führen, dass die beiden Initiativen ihre Entscheidungen änderten, fügte sie hinzu. Ihr Haus erwäge seinerseits nicht, die Schirmherrschaft über den Preis aufzugeben oder von der für den 5. September vorgesehenen Preisverleihung im Beisein Seehofers Abstand zu nehmen.

Die Initiativen hatten ihren Verzicht mit Äußerungen des Ministers begründet. Der Verein „Moabit hilft“ erklärte, „wir können es nicht mit uns oder unseren Ansichten vereinbaren, unter einem Schirm zu stehen, dessen Schirmherr“ Seehofer sei. Die Initiative bezog sich unter anderem auf die viel kritisierte Aussage des Innenministers zu der Abschiebung von 69 Afghanen ausgerechnet an seinem 69. Geburtstag. Der Kölner Verein „wielebenwir“ teilte mit: „Er steht für eine Politik, die die Gesellschaft spaltet, die auf Abschottung setzt und die Menschen in Not Hilfe verweigert.“

Diana Henniges vom Vereinsvorstand von „Moabit hilft“ will das Gesprächsangebot annehmen. „Wir sind zum Dialog bereit“, sagte sie der FR. „Das würde an unserer Haltung zu der Nominierung aber nichts ändern. Das wäre ja unseriös.“ Vielmehr gehe es darum, dem Ministerium die eigene Haltung zu erläutern und zugleich Wertschätzung für die eigene Arbeit zu erfahren, statt verunglimpft zu werden. Henniges betonte: „Es ist ja klar, dass sich die Zivilgesellschaft einen Dialog mit der Politik wünscht.“ Florian Egermann von „wielebenwir“ erklärte auf Anfrage: „Ich kann die Entscheidung nicht allein treffen. Wir entscheiden das gemeinsam.“

Michael Vollmann von der Nebenan-Stiftung, die den Preis ausgeschrieben hat, teilte mit: „Der Preis soll dem Bundesministerium aufzeigen, was die nominierten Initiativen mit ihrer Arbeit leisten und wozu die Zivilgesellschaft in Deutschland fähig ist.“ Umgekehrt lade man die Initiativen ein, „die Brücke zur großen Politik zu nutzen“. Zudem seien 75 der 100 nominierten Projekte gar nicht der Flüchtlingsarbeit, sondern dem demografischen Wandel oder dem Thema Mobilität gewidmet. „Die sollen nicht an den Rand gedrängt werden“, so Vollmann. „Das wäre unfair.“

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