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„Day Orange“ Solidarität verfestigt sich

Der Flüchtlingszuzug von 2015 hat viele Bürger zu Helfern auf Dauer gemacht. Generell wird das Netzwerk von Hilfsorganisationen immer dichter und professioneller.

Demonstration für Flüchtlinge
Pro Flüchtlingshilfe: Demonstrantin in Berlin. Foto: dpa

Sie tun es und reden nicht viel darüber. Jedenfalls nicht so laut wie die anderen, die in den Social Media Hetze verbreiten oder Engagierte als „Anti-Abschiebe-Industrie“ (CSU-Politiker Alexander Dobrindt) verunglimpfen. Die Rede ist von Tausenden hierzulande, die auch drei Jahre nach dem Höhepunkt des Flüchtlingszuzugs den Hergekommenen weiter helfen.

Das Allensbach-Institut hat ihr Engagement im Auftrag des Bundesfamilienministeriums untersucht und die repräsentativen Ergebnisse im Februar veröffentlicht. Demnach haben seit 2015 mehr als die Hälfte der Bürger, nämlich 55 Prozent, in irgendeiner Form Flüchtlingen geholfen – sei es durch Spenden, Fürsprache in Leserbriefen oder aktiv. Inzwischen, so die Studie, hilft noch ein Fünftel, jeder Neunte sogar aktiv – etwa in Deutschkursen, bei Behördengängen, in der Kinderbetreuung. Diese Gruppe will sich überwiegend auch künftig engagieren. Die Welle der Solidarität verfestigt sich also, auch wenn sie – wie ja auch die Flüchtlingszahlen – kleiner geworden ist.

Interessant ist, welche Probleme die Helfer nennen – nämlich vor allem institutionelle und rechtliche Defizite. An erster Stelle beklagen sie bürokratische Hürden und vermissen Übersetzer (60 Prozent), auch der Zugang zum Arbeitsmarkt sei zu schwierig (40 Prozent). Ressentiments in der Kommune gegenüber Flüchtlingen haben lediglich 28 Prozent erlebt. Das könnte den Schluss nahelegen, dass weniger die oft beschworenen Ängste der Bevölkerung die Aufnahmefähigkeit der Gesellschaft beschränken, sondern vielmehr die fehlende Bereitschaft der politisch Verantwortlichen, Integration durch Reformen zu ermöglichen.

Bürokratische Hürden

Längst haben sich immer professionellere Strukturen der Hilfe gebildet, die die Lücken zu füllen versuchen, die der Staat hinterlässt. Die altgedienten Sozialverbände mit ihren Angeboten für Migranten gehören ebenso dazu wie Pro Asyl, die Flüchtlingsräte in den Bundesländern und Abschiebebeobachter. Aber auch weniger bekannte Initiativen wie die Refugees Law Clinics (RLC): an bundesweit etwa 30 Hochschulstandorten (Tendenz steigend) gibt es diese Beratungsstellen von Jurastudierenden für Flüchtlinge. Nora Markard, Professorin für Öffentliches Recht der Uni Hamburg und Leiterin der dortigen Law Clinic, macht klar, welche Gefahren sie in rechter Rhetorik sieht: Wenn Horst Seehofer im Streit über die Flüchtlingspolitik von einer „Herrschaft des Unrechts“ spreche, werde der Rechtsstaat durch solche Rhetorik erst reparaturbedürftig.

Die Bewegungsstiftung in Verden wiederum antwortet auf die Tatsache, dass Solidarität Geld kostet, das es von staatlichen Stellen oft nicht gibt. Die Stiftung wird getragen von fast 200 vermögenden Stifterinnen und Stiftern und schüttet jährlich um die 150.000 Euro aus, darunter einige 10.000 für Migrationsprojekte. So wird 2018 der Verein „Jumen – Juristische Menschenrechtsarbeit“ mit 60.000 Euro gefördert. Er engagiert sich gegen die wachsenden Restriktionen beim Familiennachzug.

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