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Asylpolitik Hoffnung unter Plastikplanen

Auch wenn die „Festung Europa“ von vielen gewünscht wird: An der bosnisch-kroatischen Grenze warten Flüchtlinge darauf, es in die EU zu schaffen.

Flüchtlinge
Richtung Kroatien, Richtung EU: Flüchtlinge im bosnischen Grenzort Velika Kladusa. Foto: rtr

Regen ist laut, wenn er auf Plastik fällt. Auf dem kleinen Zelt mitten im Lager klettern Fliegen empor. Die Syrer Mohammed, 25, und Hamid, 21, aus Rakka und aus Homs liegen schon seit Stunden unter der Plane, unter gelbbraunen Blumendecken, auf einer matschigen Wiese. „Morgen schenken wir dir unser Zelt!“, sagt Mohammed und lacht. „Dann sind wir hier weg.“ Weg in die EU, meint er. Das hat er schon mehrfach versucht, doch die slowenische Grenzpolizei hat ihn wieder nach Kroatien geschickt und die Kroaten zurück nach Bosnien-Herzegowina.

Hier in Velika Kladuša, dem äußersten Zipfel Bosnien-Herzegowinas an der Grenze zu Kroatien, hat sich unter der Stadt ein Flüchtlingscamp entwickelt. Seit Tagen regnet es. Selbst die Polizisten im Auto vor dem Camp haben ihr Fenster mit Plastik überklebt. Um die Plastikplanen gibt es zeitweise Streit unter den Migranten. Und dann wird auch deutlich, wer eigentlich von wo kommt.

„Die sagen doch alle, dass sie aus Syrien stammen, dabei kommen sie aus Algerien, Marokko und Pakistan“, meint Mohammed. Er ist vor einem Monat eingetroffen, vorher war er eineinhalb Jahre auf der griechischen Insel Samos in einem Flüchtlingslager. Irgendwann wollte er seinen Bruder, der in Malta gestrandet ist, besuchen und überquerte die Grenze von Griechenland nach Albanien, von dort ging es nach Montenegro und von dort nach Bosnien-Herzegowina. Doch hier in Velika Kladuša ist für viele endgültig Stopp.

Denn sowohl die kroatische als auch danach die slowenische Polizei fangen fast alle ab. Die Migranten berichten, dass sie meist bereits hinter dem Grenzfluss Glina aufgegriffen werden. Dann werden ihnen die Handys weggenommen, oft auch der Schmuck und das Geld. Jene, die es bis an die slowenische Grenze schaffen, werden von dort aus wieder mit dem Bus nach Kroatien zurückgebracht. Und zurück an der bosnischen Grenze schießen die Grenzer in die Luft und sagen: „Go back, go back!“ Dann landen die Leute wieder hier in Velika Kladuša. In dem verträumten Ort sind die Menschen freundlich zu den Migranten. Zu Mittag kommt immer ein Bus und verteilt Lebensmittel. Offizielle Hilfsorganisationen wie das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sind nicht zu sehen. Es gibt aber Fließwasser und Toiletten.

Mohammed und Hamid berichten über die „verrückten Daesh“, also die Terrororganisation Islamischer Staat, die unbedingt wollten, dass sich die Männer lange Bärte wachsen lassen und lange Kleider tragen. „Und Musik war sowieso verboten. Da bekommst Du echt Probleme mit denen“, sagt Mohammed. Er zeigt die Narben auf seinen Händen und im Gesicht – er sei sechs Monate in einem Gefängnis gewesen, erzählt er. „Das sind Verrückte, diese Daesh. Die wollen alles verbieten, was Freude macht“, meint er. Mohammed und Hamid gehören zu den wenigen hier, die eine echte Chance auf einen Schutzstatus haben. Die anderen – Pakistaner, Algerier und Marokkaner, also die große Mehrheit – haben kaum eine Chance, jemals legal in der EU zu bleiben.

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