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„Aquarius“ Vor der Flucht gefoltert

Die „Aquarius“ hatte 141 Flüchtlinge aus Seenot gerettet, nun ist das Schiff in Valletta eingelaufen. Die Geretteten wurden in Libyen teils schwer misshandelt.

Aquarius
Erst mal in Sicherheit: Die „Aquarius“ mit mehr als 140 Flüchtlingen an Bord durfte am Mittwoch Malta anlaufen. Foto: rtr

Vier Tage lang irrte die „Aquarius“ mit 141 Bootsflüchtlingen an Bord durch das Mittelmeer, ehe sie endlich die Erlaubnis erhielt, den Hafen von Valetta auf Malta anlaufen zu dürfen. Am Mittwochnachmittag konnte das Schiff dort anlegen. Zuvor hatten Italien und Malta dem zivilen Rettungsschiff, das die französische Organisation SOS Mediterranee gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen (MSF) betreibt, bereits zum zweiten Mal die Einfahrt verwehrt.

Die Voraussetzung für die Erlaubnis war, dass mehrere Staaten sich bereit erklärten, die Flüchtlinge aufzunehmen, so Deutschland sowie Frankreich, Spanien, Luxemburg und Portugal. Sie stammen überwiegend aus Eritrea und Somalia, fast die Hälfte von ihnen ist noch minderjährig. Beide Organisationen begrüßten diese Lösung am Mittwoch in Berlin. „Es freut uns, dass es noch Solidarität unter den EU-Mitgliedstaaten gibt“, sagte Verena Papke, die Geschäftsführerin der deutschen Sektion von SOS Mediterranee.

„Aquarius“ soll bald zur nächsten Mission auslaufen

Die „Aquarius“ soll bald zu ihrer nächsten Mission auslaufen. „Es gibt nach wie vor Menschen, die über das Mittelmeer flüchten“, so Papke, und es sei weiter die gefährlichste Fluchtroute. Die humanitäre Verpflichtung, Menschen zu retten, bestehe weiter. Auch Florian Westphal, der Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland, sieht diese Verpflichtung. Er forderte die Bundesregierung auf, sich öffentlich für die zivile Seenotrettung einzusetzen.

Westphal schilderte erschütternde Details, die die Geretteten den Ärzten von MSF berichtet hätten. Viele hätten Zeichen von Mangelernährung, Folter und Gewalt gezeigt. Einige hätten schon mehrmals versucht, über das Mittelmeer zu flüchten und seien immer wieder in den berüchtigten Internierungslagern in Libyen schwer misshandelt worden.

So hätten zwei Jungen aus Somalia Narben von Elektroschocks an den Händen gehabt. Ein anderer 16-Jähriger habe berichtet, dass er in einer regelrechten Auktion auf dem Sklavenmarkt verkauft worden sei und sechs Monate Zwangsarbeit auf einer Farm habe leisten müssen. „Es ist wichtig, sich diese Geschichten vor Augen zu halten, weil wir es mit einer humanitären Krise zu tun haben“, sagte Westphal.

Berichte über solche Lager gibt es seit Jahren. Seitdem die libysche Küstenwache zunehmend selbst Flüchtlingsboote aufhält und die Menschen zurück an Land bringt, steigt die Zahl der Internierten laut mehreren Menschenrechtsorganisationen stark an. MSF arbeitet selbst vor Ort in Libyen, hat aber nur Zugang zu den Lagern, die unter der Kontrolle der schwachen Regierung der Nationalen Einheit in Tripolis stehen. Selbst Menschen nach Libyen zurückzubringen, lehnen SOS Mediterranee und MSF ab.

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