Lade Inhalte...

Fiskalpakt-Referendum in Irland "Irlands Bedenken ernst nehmen"

Emer Costello war Bürgermeisterin der irischen Hauptstadt Dublin. Seit Februar 2012 ist die Sozialdemokratin Abgeordnete im Europaparlament. Ein Gespräch über Irlands Referendum zum Fiskalpakt, Auswege aus der Krise und die Solidarität mit Griechenland.

30.05.2012 11:17
Wahlplakat: Irlands stimmt über den Fiskalpakt ab. Foto: dapd

Frau Costello, Sie haben in den vergangenen Wochen in Irland für den Fiskalpakt geworben. Wie ist ihr Eindruck von der Stimmung nach dem harten Sparprogramm der vergangenen Jahre?
„Ich bin in Dublin von Haustür zu Haustür gezogen und bin ganz zuversichtlich, was den Ausgang des Referendums angeht. Man muss die Bedenken ernst nehmen, aber auch die Zusammenhänge erklären. Im Gespräch mit den Wählern habe ich versucht klar zu machen, dass es nicht nur Sparen geht. Es geht beim Fiskalpakt auch um die Schaffung von Jobs, die Sicherung der ökonomischen Stabilität und den weiteren Zugang zu den Hilfsgeldern vom dauerhaften Rettungsschirm ESM. “

Sollte das Referendum scheitern, könnte Irland ab dem kommenden Jahr die Euro-Hilfsgelder des ESM nicht mehr in Anspruch nehmen. Der Verbleib im Euro wäre gefährdet. Inwiefern spielt die Debatte um einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone im Wahlkampf eine Rolle?
„Es gibt hier große Bedenken, das ist doch klar. Bei der überwiegenden Zahl von Wählern, mit denen ich gesprochen habe, gibt es aber auch ein starkes Gefühl der Solidarität. Die Menschen in Irland wollen alles dafür tun, um Griechenland in der Euro-Zone zu halten. Wir müssen den Euro retten.“

Irlands Probleme wurde ausgelöst durch eine Immobilienblase und kriselnde Banken. Ganz ähnlich wie nun in Spanien. Was könnte Europas Bankensektor stabilisieren?
„Um die Märkte zu beruhigen, müssen wir es schaffen, dass das Geld direkt zu den Banken kommt, über die Europäische Zentralbank EZB oder den dauerhaften Rettungsschirm ESM. Der Fiskalpakt ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu mehr wirtschaftlicher Stabilität in Europa.“

Frankreichs Präsident Francois Hollande hat ein Investitionsprogramm angeregt, Kanzlerin Angela Merkel beharrt auf Sparen. Wie sehen die Wähler in Irland diese Debatte?
„Wir sind in einer schwierigen Phase, und das Sparprogramm hat den Menschen hier viel abverlangt. Aber mich stört die Ausschließlichkeit in dieser Debatte. Wachstum und Sparen sind für uns zwei Seiten einer Medaille.“

Das Gespräch führte Peter Riesbeck.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen