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First Nations „Schäme dich, Kanada!“

Ein junger Ureinwohner wird von einem weißen Farmer erschossen. Der Freispruch des Schützen löst massive Proteste in ganz Kanada aus.

Kampf der Cree
Die Cree müssen immer um ihre Rechte kämpfen. Heute in Kanada, 2017 beispielsweise gegen eine Pipeline in North Dakota. Foto: Imago

Colten Boushie war ein junger Ureinwohner vom Volk der Cree. Der 22-Jährige lebte in ärmlichen Verhältnissen in einem Wohnwagen in einem Reservat in Kanada. Er jobbte in Restaurants und Hotels, um Geld zu sparen für ein eigenes Auto. Irgendwann hoffte er aufs College zu gehen oder für die Feuerwehr zu arbeiten, um sich und seiner Familie eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Doch an einem Sommerabend im August 2016 kamen diese Hoffnungen zu einem jähen Ende. Boushie war mit Freunden auf dem Rückweg von einem Schwimmausflug, als der Autoreifen platzte. Die fünf jungen Männer und Frauen schlugen sich mit dem Wagen bis zu einer Farm durch und hofften auf Hilfe, wie sie der Polizei später erzählten. Doch auf einmal fielen Schüsse – und Boushie war tot.

„Schäme dich, Kanada! Stoppt die Jagd auf Ureinwohner“, riefen aufgebrachte Demonstranten in Halifax. Der Oberhäuptling der kanadischen First Nations, Perry Bellegarde, nannte das Urteil zutiefst schockierend. „Wir sind aufgewühlt und entmutigt“, sagte er in Regina. Das Rechtssystem Kanadas sei befangen gegenüber indigenen Kanadiern und müsse dringend reformiert werden.

Was genau war passiert? Mit dieser Frage hatten sich Ermittler und Geschworene in der kanadischen Provinz Saskatchewan über ein Jahr lang beschäftigt in einem Fall, der die Beziehungen zwischen weißen Kanadiern und First Nations auf eine harte Probe stellte. Hatte der 56-jährige Eigentümer der Farm den jungen Cree erschossen, weil er Vorurteile gegen Ureinwohner hatte? Oder war es ein Unfall?

Am Freitag nun erging in der Stadt Battleford das mit Spannung erwartete Urteil – und das löste in großen Teilen Kanadas Empörung und massive Proteste aus. Denn die nur aus weißen Mitgliedern bestehende Jury sprach den ebenfalls weißen Farmer von dem Vorwurf des Mordes oder des Totschlags frei. Viele in Kanada halten das für rassistisch begründet und in Dutzenden Städten zwischen Halifax, Toronto und Vancouver kam es am Wochenende zu lautstarken Demonstrationen.

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