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Felix Klein Roger Waters stürzt sich auf Antisemitismusbeauftragten

Der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein wird von Pink-Floyd-Musiker Roger Waters kritisiert.

Felix Klein
Felix Klein. Foto: Imago

Der Mann ist gerade einen Monat im Amt, schon hat sich eine Pop-Legende auf ihn gestürzt und sich ihn zur Brust genommen. Er habe gehört, es gebe da einen Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung. Einen Felix Klein, liest Roger Waters, Mitgründer der Band Pink Floyd, am vergangenen Freitag beim Konzert in der Berliner Mercedes-Benz-Arena vor Tausenden Fans von einem Zettel ab. Schnell noch ein Satz darüber, wie obszön Antisemitismus ist.

Dann aber legt der 74-Jährige los und verliert sich in Wut und Gepolter, knöpft sich den Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung vor, weil der es gewagt hatte, sich kritisch über die von Waters unterstützte antiisraelische Bewegung BDS zu äußern. BDS ist eine internationale Kampagne, die Israel wirtschaftlich, politisch und kulturell isolieren will. „Dieser Felix Klein“, so Mister Waters in Berlin, solle seine Politik ändern.

Belehrungen eines Pop-Veteranen sind vermutlich das Letzte, was Felix Klein benötigt. Seit Anfang Mai ist er im Bundesinnenministerium der „Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus“.

Der Jurist, 1968 in Darmstadt geboren, hat Karriere als Diplomat gemacht. Er spricht fünf Sprachen, absolvierte die Diplomatenschule des Auswärtigen Amtes, promovierte über Eheschließungen in Kamerun an der Universität Sankt Gallen, durchlief Auslandsstationen und kam schließlich im Auswärtigen Amt an, wo er seit 2014 der Sonderbeauftragte für Beziehungen zu jüdischen Organisationen war. Nachdem Anfang 2018 die Position eines Antisemitismusbeauftragten in der Bundesregierung beschlossen war, schlug der Zentralrat der Juden den Diplomaten Klein vor. Seit Mai ist er im Amt.

Sein Ziel? Er wolle erreichen, sagte Klein, dass man das Judentum nicht erst dann bemerke, wenn mal wieder etwas passiert sei, sondern dass man es als selbstverständlichen Teil der deutschen Kultur ansehe. Laut Kriminalstatistik gab es 2017 in Deutschland 1453 antisemitische Straftaten, wie hoch die Dunkelziffer ist, weiß niemand. Es gab Angriffe auf Kippa-Träger, auf jüdische Schulkinder, es gab Beschimpfungen. „Ich halte das für dringend geboten. Wir haben mit unserer speziellen Geschichte eine besondere Verantwortung“, meinte Außenminister Heiko Maas (SPD) zur Ernennung Kleins, dessen Amt im Innenministerium Horst Seehofers (CSU) einsortiert ist.

Ob solch ein Amt das richtige Instrument ist? Der Historiker Michael Wolffsohn äußerte in der „Jüdischen Allgemeinen“ Zweifel. Gut gemeint, „jedoch eine völlig naive Bürokratenidee“, so Wolffsohn. Dies sei aber, bitte nicht falsch verstehen, keine Kritik an der Person Klein und seiner Befähigung.

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