Lade Inhalte...

„Feindliche Übernahme“ Thilo Sarrazin hat den Koran gelesen

Thilo Sarrazin malt in seinem neuen Buch ein düsteres Bild vom Islam.

Buchvorstellung Thilo Sarrazin
„Feindliche Übernahme“ heißt das Werk, das Sarrazin am Donnerstag präsentierte. Foto: dpa

Thilo Sarrazin hat den Koran gelesen und ist entsetzt. Das hat etwas Rührendes. Wenn er in der Pressekonferenz, auf der er am Donnerstag in Berlin sein neues Buch vorstellt, erklärt, der Koran kenne Liebe und Barmherzigkeit nur für die Gläubigen, dann stimmt das. Aber hat Sarrazin sich einmal der Mühe unterzogen, auch nur das Neue Testament einmal danach zu befragen, was es dazu meint, was mit denen passieren wird, die Jesus nicht folgen? 

Sarrazin ist der erheiternde Fall eines religiös desinteressierten Agnostikers, der im hohen Alter entsetzt einen der Grundtexte einer der großen Weltreligionen durchliest und entsetzt feststellt: Das lässt sich mit unseren westlichen Werten nicht vereinbaren. Er hat völlig recht damit. Es wäre allerdings auch ein Wunder, wenn der Text eines arabischen Erweckten des sechsten nachchristlichen Jahrhunderts das täte.

Sarrazins Buch „Feindliche Übernahme“ bietet folgendes Weltgemälde: Der rationale, demokratische Westen, in dem Menschenrechte und die Gesetze der Logik regieren, wird zunehmend eingekreist von einer muslimischen Weltgemeinschaft, die aus der Verblendung ihres wissenschafts- und menschenfeindlichen Glaubens nicht nur nicht herauskommt, sondern vielmehr ihr Teil darin sieht, immer mehr darin zu versinken. Diese Menschen, das ist in Sarrazins Augen eine unumstößliche und unabänderliche Tatsache, vermehren sich deutlich stärker als die westlichen Demokraten das tun. In der Pressekonferenz meinte er, eine Muslima bekomme eben mehr Kinder als eine „deutsche Diplomingenieurin“. 

Thilo Sarrazin hat Angst

Thilo Sarrazin hat Angst. Jedenfalls will er Angst machen. Angst vor jener Welle aus muslimischer Brutalität und Ignoranz, unter der wir begraben werden, wenn wir uns nicht endlich zur Wehr setzen. Er schreibt: „Der Kern meiner Sorgen liegt im Folgenden: Die Europäer haben durch die Kombination von Wissenschaft und Technik, Herrschaft des Gesetzes und Demokratie ein bestimmtes Zivilisationsmodell geschaffen, dessen Freiheit und Wohlstand sehr attraktiv sind. Dieses Modell funktioniert aber nur, wenn es von den Menschen auch gelebt und verinnerlicht wird.“ Wo er Recht hat, hat er Recht.

Es fehlt nicht an muslimischen Terroristen im Land. Aber mehr Angst machen mir Horden nicht muslimischer Mitbürger, die durch Deutschlands Innenstädte ziehen, um Ausländer zu klatschen. 

Selbstverständlich gibt es junge und alte Muslime in Deutschland, die der Gedanke, für ein Kalifat auch in Deutschland zu kämpfen, beflügelt. Aber wie viele sind es? Sind sie eine Gefahr? Irre gibt es überall, und man muss ihnen entgegentreten. Mit Argumenten und mit den Gesetzen.
„In Europa gab es bis vor wenigen Jahrzehnten kaum nennenswerte Gruppen nichteuropäischen Ursprungs“, schreibt Sarrazin. Recht hat er. Hitler hatte gerade fast erfolgreich unter anderem die Vernichtung der Juden, der Sinti und Roma und anderer „minderwertiger Rassen“ betrieben. Der anschließende Satz lautete: „Hier lebten europäische Weiße, und soweit sie eine Religion hatten, war diese christlich.“ Ein halbes Jahrhundert davor war noch halb Südosteuropa muslimisch. 

Sarrazin geht davon aus, dass der Islam und die moderne Welt weder technologisch noch politisch kompatibel sind. Sarrazin wird sich auch daran erinnern, dass wir in der frühen Bundesrepublik immer wieder Erörterungen darüber hatten, wie weit der Katholizismus nicht ein Hemmnis für den Fortschritt sei. Das auf Zahlungen aus dem Länderfinanzausgleich angewiesene Bayern mit seinen miserablen Bildungszahlen, seiner hinterherhinkenden Industrialisierung schien ein ewiges Problem.

Thilo Sarrazin geht es null um den Rechtsstaat

Die Lage hat sich gewaltig geändert, ohne dass in Bayern das Neue Testament verbrannt oder die Priester aufgehängt wurden. Statistik ermöglicht die Verbindung von allem mit allem. So entstehen Zusammenhänge, die morgen wieder auseinander gerissen werden können. Jeder weiß das und auch Heinz Buschkowsky, der ehemalige Bürgermeister von Berlin-Neukölln, erinnerte auf der Pressekonferenz seinen Freund Thilo daran, dass doch niemand im Ernst sagen könne, wie die Lage in fünfzig, sechzig Jahren sei. Ob dann wirklich, wie Sarrazin meint, die Muslime in Deutschland die Mehrheit stellen werden.

Sarrazin antwortete darauf ein wenig gar zu nonchalant: „Ich habe die Trends hochgerechnet. Wenn die sich ändern, dann ändern die sich eben.“ Aber jetzt schon einmal die Sicherheitsleine ziehen und die Möglichkeit abschaffen, gegen die Ablehnung eines Asylantrages zu klagen – das will Sarrazin nicht ändern. Thilo Sarrazin geht es null um den Rechtsstaat. Wenn der ihn daran hindert, Ausländer abzuweisen, dann schafft er ihn eben ab. Sarrazin ist ein Jäger, der so tut, als werde er gejagt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen