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FDP-Jugend „Die FDP ist nicht nach rechts gerückt“

Juli-Chefin Ria Schröder spricht in der FR über die unmenschliche Haltung der CSU, zu laute Männer und die Haltung der FDP.

FDP
In welche Richtung bewegt sich die FDP unter Christian Lindner? Foto: Michael Schick

Drei von vier FDP-Mitgliedern sind männlich. Nur CSU und AfD haben weniger Frauen in ihren Reihen. Warum ist Ihre Partei so unattraktiv für Frauen?
Sie ist nicht unattraktiv. Unsere Themen Selbstbestimmung und Eigenverantwortung betreffen Frauen ganz besonders. Und es gibt eine lange Tradition von Frauen in der FDP: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Hildegard Hamm-Brücher – durchaus große Namen…

Aber das ist Vergangenheit …
… hoffentlich auch die Zukunft. Die Partei hat es als Problem identifiziert, dass sie zu wenige Frauen in ihren Reihen hat. Deshalb überdenken wir die Strukturen und schaffen neue Formate. Es geht auch um einfache Sachen wie standardmäßig Kinderbetreuung bei Parteitagen anzubieten oder die Meinungsbildung stärker von der Theke auf den Parteitag zu verschieben. 

Sie sind die erste Frau seit 25 Jahren an der Spitze der FDP-Jugend. In der Mutterpartei gibt es fast kein weibliches Spitzenpersonal. Den Ton geben einige wenige Alphamänner wie der Parteichef Christian Lindner und sein Vize Wolfgang Kubicki an. Machen sich die Alphamänner zu breit?
Wir Julis haben ja jetzt eine Frau. Nun bin ich erst seit drei Monaten Vorsitzende; da war noch nicht viel Zeit, die Meinungsbildung in der FDP und in der Öffentlichkeit zu prägen. Aber das ist natürlich unser Anspruch als Jugendorganisation. Der Gesamtvorstand der Julis ist überwiegend weiblich.

Anders als der der Mutterpartei.
Ja. Aber die Julis haben den Anspruch, als Bessermacher aufzutreten und damit Druck auf die Partei auszuüben. 

Die Frage war: Machen sich die Alphamänner zu breit? Ja oder nein?
Ich möchte darauf differenziert antworten. Die Männer müssen nicht unbedingt kürzertreten, aber es muss noch viel mehr Frauen geben, die das Bild der FDP mitprägen. Wir haben ja in der Fraktion sehr engagierte, tolle Frauen. Da würde ich mir wünschen, dass sie stärker nach vorne drängen und sich den Platz vor den Kameras oder den Mikrofonen nehmen.

Ist das ein Appell an die Parteifreundinnen?
Sicherlich auch. Es liegt aber auch an bestimmten Mechanismen. In der Zeit der außerparlamentarischen Opposition war Christian Lindner das gefragte Gesicht der FDP. Das hat sich kaum verändert. Und Herr Kubicki positioniert sich gern als Konterpart. Das ist natürlich sehr dankbar für Medien und Öffentlichkeit und führt dazu, dass scheinbar weniger Platz für andere ist. 

Sie nehmen sich jetzt den Platz und widersprechen dem FDP-Vize, der der Kanzlerin eine Mitschuld an den rechten Übergriffen in Chemnitz gibt. Kubicki sagt, die Wurzeln der Gewalt lägen in Merkels Satz „Wir schaffen das“. Warum distanzieren Sie sich so deutlich? 
Wer glaubt, dass die Extremisten, die in Chemnitz aufgelaufen sind, damit irgendeinen politischen Protest zum Ausdruck bringen wollten, irrt. Auch ich lehne die Politik der vergangenen Jahre ab. Das rechtfertigt aber nicht das Zeigen des Hitlergrußes und keine Hetzjagd auf ausländisch aussehende Mitmenschen. Ich erwarte da gerade von der Parteispitze eine klare Haltung.

Im Asylstreit hat der Parteichef die FDP auch schon mal an der Seite der CSU positioniert – wenn es um die Zurückweisung von Asylsuchenden an der deutschen Grenze geht. Sie haben ihm daraufhin öffentlich vorgeworfen, er spiele ein gefährliches Spiel und biedere sich an Seehofer und die CSU an. Harte Worte, aus denen Ärger spricht. Interpretieren wir das richtig?
Die FDP ist aus meiner Sicht eine Partei der Mitte. Die hat mit der CSU ganz wenig am Hut. Die CSU spricht über Flüchtlinge als „Asyltouristen“ und von „Anti-Abschiebeindustrie“. Dieses Vokabular offenbart ein Menschenbild, das mit dem humanistischen Menschenbild der FDP nichts zu tun hat. Da darf man nicht in die Versuchung geraten, sich an den Positionen einer anderen Partei zu orientieren. Das hat mich sehr geärgert. Die FDP muss sich nicht kleiner machen, als sie ist. 

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