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Falun Gong in Deutschland Nicht kritikfähig

Falun Gong ist in Deutschland eine "Meditationsbewegung" - ihre Ideologie gilt als skurril bis problematisch. Von Silke Rummel

20.07.2009 00:07
SILKE RUMMEL

Mit Kerzenlicht-Mahnwachen wollen Falun-Gong-Anhänger am heutigen Montag weltweit vor Chinas Botschaften und Konsulaten auf das seit zehn Jahren bestehende Verbot ihrer Bewegung aufmerksam machen. In Deutschland sind Mahnwachen in Berlin, Hamburg und Frankfurt geplant, teilt das Falun-Dafa-Informationszentrum mit.

Die Falun-Gong-Anhänger geben sich aufgeschlossen, sehen es aber offensichtlich nicht so gerne, wenn jemand ihnen nicht das Wort redet. Das zeigt das Beispiel von Thomas Heberer, Politologe an der Uni Duisburg. 2001 veröffentlichte er den Aufsatz "Falungong - Religion, Sekte oder Kult?" und bekam danach Post von Falun-Gong-Anhängern. "Nach der Veröffentlichung haben sie versucht, mich einzuschüchtern", sagt Heberer.

Waltraud Ng erklärt das damit, dass es das Recht der Falun-Gong-Praktizierenden sei, ihre Sicht darzustellen. Sie selbst gehört Falun Gong seit 1997 an, ist Vorstandsmitglied im deutschen Falun Dafa Verein und mit einem Chinesen verheiratet. "Natürlich darf man kritisch sein", sagt Waltraud Ng. Falun Gong als gefährlich zu bezeichnen, sei aber die Lügenpropaganda der chinesischen Regierung. "Die Ideologie ist das Problematische", sagt dagegen Heberer. Er findet die Annahme besonders bedenklich, dass man durch bestimmte Meditationen nicht mehr krank, gar unsterblich werden solle.

Ulrich Dehn, Religionswissenschaftler an der Uni Hamburg, hält Falun Gong für eine "seriöse Meditationsbewegung", skurril zwar, aber nicht gefährlich. Problematisch werde es aber, wenn Falun-Gong-Anhänger auf den Mitleidseffekt setzten. "Die Tatsache, dass jemand woanders verfolgt wird, gibt ihm nicht automatisch den Heiligenschein", sagt Dehn.

Rund 2000 Praktizierende gibt es nach Falun-Gong-Angaben in Deutschland, ein Drittel sind Chinesen, zwei Drittel Deutsche. Die Anhänger sind gut organisiert - besser als es der Selbstdarstellung einer "offenen Meditationsgruppe" entspreche, sagt Lutz Lemhöfer, Sektenbeauftragter der katholischen Kirche für das Bistum Limburg. "Ich habe den Eindruck, dass die Gruppe sich gerade durch den Druck der Verfolgung in China stärker zusammenschließt."

Als Falun-Gong-Anhänger in China verfolgt zu werden, gilt hierzulande nicht automatisch als Asyl-Grund. Verena Harpe, Asien-Expertin bei Amnesty International, weiß von einer Familie, die 2005 nach China abgeschoben wurde. Das Verwaltungsgericht Würzburg hatte die Ernsthaftigkeit ihrer Falun-Gong-Mitgliedschaft bezweifelt. Zurück in China wurde der Familienvater umgehend verhaftet und zu drei Jahren Arbeitslager verurteilt.

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