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Fall Sergej Skripal May stellt Russland ein Ultimatum

2. UpdateDie britische Premierministerin beschuldigt Russland, für den Anschlag mit Nervengift auf den Ex-Spion Sergej Skripal verantwortlich zu sein - und bestellt Moskaus Botschafter ein.

Salisbury
Die Polizei am Tatort in Salisbury. Foto: afp

Der Mordanschlag von Salisbury auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal sowie dessen Tochter Julia wurde mit einem Nervenkampfstoff aus der Novichok-Reihe verübt „Höchstwahrscheinlich war Russland dafür verantwortlich“, sagte Premierministerin Theresa May am Montag im Unterhaus. Ihre Regierung habe Moskaus Botschafter einbestellt und ein Ultimatum bis Dienstagabend übermittelt: Bis dahin müsse Russland das Novichok-Programm offenlegen. Andernfalls werde London schlussfolgern, „dass es sich um einen unrechtmäßigen Gewaltakt Russlands gegen das Vereinigte Königreich handelt“.

Die Wirkstoffe der Novichok-Reihe wurden zwischen 1970 und 1990 in der damaligen Sowjetunion hergestellt. Die Wirkung einzelner der bis zu 100 Varianten soll bis zu achtmal so stark sein wie der bekanntere Nervenkampfstoff VX. Dass eine dieser Varianten bei dem Attentat am vorvergangenen Sonntag zum Einsatz kam, hätten Experten des ABC-Labors von Porton Down zweifelsfrei festgestellt, erläuterte die Regierungschefin.

Sergej Skripal weiterhin in Lebensgefahr

Mit der von May geforderten Offenlegung ist eine Meldung an die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) gemeint. Entweder stecke Russland selbst hinter dem Anschlag oder es habe die Kontrolle über den hochgiftigen Stoff verloren, der dann von den Attentätern eingesetzt wurde. Im letzteren Fall wäre nach dem OPCW-Statut längst eine Meldung fällig gewesen. Das Exekutivkomitee der 192 Vertragsstaaten umfassenden Gemeinschaft tagt diese Woche in Den Haag.

Sergej, 66, und Julia Skripal, 33, werden seit vorvergangenem Sonntag auf der Intensivstation des Bezirksspitals von Salisbury behandelt, ihr Zustand gilt als kritisch. Ein Polizist, der ihnen zu Hilfe geeilt war, befindet sich auf dem Weg der Besserung. Dass beide Hauptopfer das Attentat mehr als eine Woche überlebt haben, verdanken sie wahrscheinlich dem Umstand, dass das 40000-Einwohner-Städtchen nur zehn Kilometer vom ABC-Labor Porton Down entfernt liegt. Das örtliche Krankenhaus dürfte deshalb auf etwaige Zwischenfälle besser vorbereitet gewesen sein als die Kliniken vergleichbar großer Städte. 

Skripal hatte im militärischen Geheimdienst Russlands gedient, zuletzt als Oberst. Als Spion des britischen Auslandsdienstes MI6 verurteilt, kam er 2010 im Rahmen eines Agentenaustausches frei und lebte seither in England. Seine Tochter war zu einem Besuch gekommen. Gemeinsam aßen die beiden im italienischen Restaurant Zizzi zu Mittag und tranken im Pub The Mill. In beiden Lokalen wurden Spuren des Nervenkampfstoffes gefunden. Rund 500 Menschen, die zwischen Sonntag Mittag und Montag Abend das Pub und die Pizzeria besucht hatten, wurden zur Vermeidung eines Restrisikos“ aufgefordert, ihre Kleider zu waschen und Mobiltelefone oder Geldbeutel gründlich abzuwischen.

Die Art des Attentats stellt Geheimdienst-Beobachter vor ein Rätsel. Normalerweise würden unerwünschte Personen auf geräuschlose Weise umgebracht, glaubt ein Kenner der Verhältnisse. Dieser Theorie zufolge hätten die Attentäter von Salisbury entweder gepfuscht - oder sie wollten mit ihrer Vorgehensweise ein demonstratives Signal geben. Letzterer Variante neigt der konservative Unterhaus-Abgeordnete Edward Leigh zu: Er spricht von einer „Demütigung unseres Landes“.

Die Attacke auf Skripal erinnert an den Fall des KGB-Überläufers Alexander Litwinenko. Dieser war 2006 mitten in London mit Polonium-210 radioaktiv vergiftet worden. Der Londoner High Court machte dafür „mit hoher Wahrscheinlichkeit” den russischen Geheimdienst, namentlich dessen damaligen Chef Nikolai Patruschew „sowie auch Präsident Putin” verantwortlich. Ein Kreml-Sprecher wies alle Vorwürfe zurück.

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