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Fall Khashoggi Erdogan fordert Aufklärung von Saudi-Arabien

Der türkische Präsident Erdogan geißelt den Mord an dem saudischen Journalisten Khashoggi, vermeidet aber direkte Schuldzuweisungen gen Riad.

Fall Khashoggi
Viel Neues hat der türkische Präsident am Dienstag nicht zu erzählen. Foto: dpa

Eigentlich hatte Recep Tayyip Erdogan die „nackte Wahrheit“ über den Mord an Jamal Khashoggi angekündigt. In Wirklichkeit jedoch lieferte der türkische Präsident in seiner mit Spannung erwarteten Rede nur wenige neue Details, die zusätzlich erhärten sollen, dass die Bluttat von vorneherein geplant war. Kein Wort dagegen verlor der türkische Staatschef am Dienstag in Ankara erneut zu der entscheidenden Frage, wen die Türkei nun für das Verbrechen an dem Journalisten verantwortlich macht.

Erdogan ließ auch die angeblich existierende, siebenminütige Tonaufnahme von den Todesqualen Khashoggis unerwähnt, genauso wie den angeblichen Skype-Anruf aus dem Königspalast in das mutmaßliche Tatort-Zimmer sowie die vier Telefonate, die der Chef des Killerkommandos offenbar am Tatort mit dem Büroleiter von Kronprinz Mohammed bin Salman in Riad führte. Diese Einzelheiten waren erst in den letzten Tagen türkischen Medien zugespielt worden mit dem Hinweis, Mitschnitte der Gespräche befänden sich im Präsidentenpalast.

„Das Ganze kann nicht vertuscht werden“, rief Erdogan lediglich aus und signalisierte damit der saudischen Seite nun ganz offiziell, dass die türkischen Ermittler ein exaktes Bild von den Abläufen zur Hand haben und in Zukunft weitere brisante Details durchsickern könnten. Ausdrücklich aber vermied es der türkische Präsident, sich als Ankläger zu inszenieren und mit dem Finger direkt auf den saudischen Thronfolger zu zeigen. Jamal Khashoggi sei das Opfer eines grausamen Mordes, unterstrich er. Eine solche Bestialität zu vertuschen, verletze das Gewissen der gesamten Menschheit. Saudi-Arabien habe die Bluttat zwar inzwischen zugegeben und damit einen ersten wichtigen Schritt getan. „Aber wir erwarten nun von der saudischen Regierung, alle Verantwortlichen von der obersten bis zur untersten Ebene zu benennen und zu bestrafen.“

Das Timing der neuen Enthüllungen in der türkischen Presse und der Erdogan-Rede hätte für die saudische Seite nicht schlimmer sein können. Am gleichen Dienstag eröffnete in Riad eine internationale dreitägige Investorenkonferenz mit dem Titel „Davos in der Wüste“, die von den dramatischen Turbulenzen in Istanbul nun völlig überschattet wird. Bereits im Vorfeld sagten reihenweise westliche Minister, Konzernvorstände und Bankenchefs ab.

Kronprinz Mohammed bin Salman, dessen internationales Ansehen als liberaler und visionärer Reformer schwer beschädigt ist, erschien ebenfalls nicht im pompös geschmückten Ritz Carlton Hotel, um das Auditorium seiner „Future Investment Initiative“ zu begrüßen. „Wir wissen, das sind schwierige Tage für uns. Wir gehen durch eine Krise“, erklärte stattdessen der saudische Ölminister Khalid al-Falih auf dem Podium und nannte die Tötung Khashoggis „eine abscheuliche Tat, die niemand im Königreich rechtfertigen kann“.

Auch Erdogan erklärte mit Blick auf das Königshaus, er hege keine Zweifel an der Integrität von König Salman. Die Untersuchung dieses „politischen Mordes“ jedoch sollte von jemandem geleitet werden, der über jeden Zweifel erhaben sei und nicht im Entferntesten mit der Sache zu tun habe. Damit spielte der türkische Präsident indirekt auf das neue Minister-Komitee an, das der greise Monarch am Samstag installierte und das er mit der Reform des saudischen Geheimdienstapparates betraute. Die Leitung dieses Gremiums gab er an seinen Sohn Mohammed bin Salman, der weiterhin im Verdacht steht, den Einsatz des 15-köpfigen Todeskommandos angeordnet zu haben. „Wir werden die Angelegenheit bis zum Ende verfolgen“, erklärte Erdogan. Noch am Dienstag werde er König Salman anrufen und auffordern, die 18 Verdächtigen auszuliefern, damit sie in der Türkei vor Gericht gestellt werden könnten.

Neu an der Darstellung Erdogans war, dass von den 15 Tätern ein Dreierteam bereits am Tag vor dem Verbrechen per Linienflug anreiste. Zur gleichen Zeit spähten Mitarbeiter des Konsulates demnach zwei abgelegene Waldstücke aus, offenbar um einen geeigneten Ort zu finden, Khashoggis Leiche zu verscharren. Am frühen Morgen des Mordtages folgte ein zweites Dreierteam per Linienflug sowie neun Personen in einem Charterjet aus Riad. „Unsere Dienste haben Informationen, dass die ganze Sache genau geplant wurde“, erklärte Erdogan. So sei das Kamerasystem des Konsulates abgeschaltet worden und die türkischen Mitarbeiter seien unter dem Vorwand, es gebe eine offizielle Inspektion, vorzeitig nach Hause geschickt worden.

Am Ende seiner Rede forderte Erdogan die saudische Seite auf, endlich bekanntzugeben, wohin die bisher spurlos verschwundene Leiche Khashoggis gebracht wurde, und den angeblichen „lokalen Kollaborateur“ zu identifizieren. Dieser soll nach Angaben aus Riad den Getöteten in einen Teppich gerollt und beiseitegeschafft haben.

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