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Fall Khashoggi Ein Mord aus Versehen?

Donald Trump macht sich die saudische Version des Mords an Khashoggi zu eigen. Manager sagen die Konferenzteilnahme in Riad ab.

Mike Pompeo bei Mohammed bin Salman
US-Außenminister Mike Pompeo beim saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Foto: rtr

Der Händedruck bei der Begrüßung war freundlich, der anschließende Small Talk während des üblichen Bildtermins verlief eher zäh. „Wir sind enge und langjährige Verbündete. Wir meistern unsere Herausforderungen gemeinsam“, sagte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman am Dienstag in Riad. Mike Pompeo lächelte stumm.

Angesichts der wachsenden Kritik in der amerikanischen Öffentlichkeit hatte US-Präsident Donald Trump seinen Außenminister nach Saudi-Arabien geschickt, um das Verschwinden des Journalisten Dschamal Khashoggi aufzuklären. Der zuletzt im US-Exil lebende Kolumnist der Washington Post hatte vor zwei Wochen das saudische Konsulat in Istanbul aufgesucht, um dort Heiratsunterlagen abzuholen. Nach Erkenntnissen türkischer Behörden wurde der Kritiker des Kronprinzen in dem Gebäude ermordet und sein Leichnam zerstückelt.

Amerikanische Medien, Menschenrechtsgruppen und Außenpolitiker beider Kongressparteien sind empört über den mutmaßlichen barbarischen Komplott. Doch Präsident Trump, der persönlich enge Geschäftsbeziehungen zu der Wüstenmonarchie unterhält und stolz US-Waffenlieferungen im Wert von 110 Milliarden Dollar vereinbarte, will die Affäre möglichst schnell abräumen. Das zeichnete sich schon vor Beginn der Pompeo-Reise ab. „Der König bestreitet jegliche Kenntnis davon“, verkündete Trump am Montag nach einem zwanzigminütigen Telefonat mit dem saudischen König Salman und streute eine wilde Theorie: Vielleicht seien es ja „Rogue Killers“ – Mörder auf eigene Rechnung – gewesen, die Khashoggi auf dem Gewissen hätten.

Tatsächlich meldeten wenige Stunden später amerikanische Medien, das saudische Königshaus, das bislang den Tod des Journalisten bestritten hatte, arbeite nun an einer neuen Erklärung. Nach dieser Version starb Khashoggi während einer Vernehmung im Konsulat, die aus dem Ruder lief. Die New York Times zitiert regimenahe Kreise in Riad mit der Darstellung, Prinz Mohammed habe zwar das Verhör und auch eine mögliche Verschleppung des unliebsamen Journalisten nach Saudi-Arabien angeordnet, seine Schergen vor Ort seien jedoch zu weit gegangen.

Diese Erklärung widerspricht nicht nur der türkischen Darstellung, dass sich unter den 15 saudischen Geheimdienstoffizieren, die am fraglichen Tag in Istanbul einreisten, auch ein Gerichtsmediziner mit einer Knochensäge befunden habe, was auf einen vorsätzlichen Mord hindeutet. Auch halten es Kenner der Region für ausgeschlossen, dass ein saudischen Verhörkommando ohne Billigung des Kronprinzen einen Regimekritiker exekutiert. „Das ist eine lächerliche Theorie“, erklärte Chris Murphy, der demokratische Senator von Connecticut: „Es ist bemerkenswert, dass es den Saudis gelungen ist, den Präsidenten der USA als ihren PR-Agenten einzuspannen.“

Ob der Fall lückenlos aufgeklärt wird, erscheint trotzdem fraglich. Zwar durchsuchten türkische und saudische Ermittler am Dienstag neun Stunden lang das Konsulat. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte anschließend, es seien mögliche Spuren einer giftigen Substanz gefunden worden. Doch auch die Türkei spielt eine undurchsichtige Rolle: So hat Ankara bislang die angeblichen Tonbandaufnahmen von dem Mord nicht veröffentlicht. US-Medien spekulieren, das von einer Wirtschaftskrise erschütterte Land könne sich ein Einlenken durch günstige Kredite aus Riad abkaufen lassen.

Siemens-Chef nimmt teil

In den USA aber wächst die Empörung über die Ermordung des Regimekritikers. Eine Gruppe von demokratischen und republikanischen Senatoren fordert einen Stopp der Waffenlieferungen an das Königreich. Zahlreiche Medien, die Vorstandsbosse mehrerer Großbanken sowie die Chefs des Unterhaltungskonzerns Viacom und des Fahrdienstleisters Uber haben ihre Teilnahme an einer Investorenkonferenz in Riad in der kommenden Woche abgesagt. Bei dem glamourösen Event will sich der Kronprinz als Reformer und die Hauptstadt als „Davos in der Wüste“ präsentieren. Der deutsche Siemens-Konzern, einer der strategischen Partner der PR-Show, hat die Teilnahme von Konzernchef Joe Kaeser bislang nicht abgesagt.

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