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Facebook Mark Zuckerberg in der Zange

Bislang kannte die Karriere von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nur eine Richtung – nach oben. Nun muss er wegen des Datenskandals im US-Kongress Rede und Antwort stehen.

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Nach Bekanntwerden des Skandals vor wenigen Wochen ging Zuckerberg zunächst auf Tauchstation - jetzt muss er zwei Mammut-Anhörungen im Kongress über sich ergehen lassen. Foto: rtr

Den meisten Mitarbeitern im Hart-Senatsgebäude hinter dem Kapitol an der Washingtoner Constitution Avenue fällt die gewaltige Metall-Skulptur im gläsernen Atrium auf ihrem Weg ins Büro schon gar nicht mehr auf. Mehr als 15 Meter misst die letzte Installation des 1976 verstorbenen amerikanischen Bildhauers Alexander Calder: Über fünf steilen Bergspitzen schweben vier riesige Wolken aus schwarz mattiertem Aluminium.

Für Mark Zuckerberg könnte das Kunstwerk eine ganz besondere Symbolik entfalten, wenn er sich an diesem Dienstag zum Sitzungssaal 216 im ersten Stock begibt: Bislang kannte die Karriere des Facebook-Gründers nur eine Richtung – nach oben. Nun verfinstert sich plötzlich der Horizont, und das Online-Netzwerk steht vor der größten Herausforderung seiner Geschichte.

Die Skandale um die Weitergabe der Daten von 87 Millionen Nutzern an eine dubiose Analyse-Firma, die zunehmenden Hass-Nachrichten und die massenhafte Nutzung der Plattform durch russische Trolle im US-Wahlkampf haben Facebook in den Fokus der amerikanischen Politik gerückt. Mit möglicherweise fast 71 Millionen Nutzern kommt der Großteil der Betroffenen aus den USA. Unter anderen ermitteln die US-Verbraucherschutzbehörde FTC und die Generalstaatsanwälte von 37 US-Bundesstaaten in dem Fall.

In dieser Woche stehen Zuckerberg zwei Mammut-Anhörungen im Kongress bevor. Zunächst wollen ihn die Senats-Ausschüsse für Recht und Handel in einer gemeinsamen Sitzung am Dienstag in die Mangel nehmen. Am Mittwoch folgt dann eine Anhörung vor dem Handelsausschuss des Repräsentantenhauses. Am Montag verlautete, Zuckerberg werde sich im Vorfeld mit einigen Politikern treffen.

Bei den ungewohnten Terminen im Zentrum der politischen Macht wird Zuckerberg jeweils rund 50 Kongresspolitikern gegenübersitzen. Ihr Fragenkatalog dürfte umfangreich und ihre Hartnäckigkeit groß sein. „Wir können es einfach oder auf die harte Tour machen“, drohte John Kennedy, der republikanische Senator von Louisiana, bereits in einer Fernseh-Talkshow: „Ich möchte Facebook nicht zu Tode regulieren. Aber wir haben ein Problem. Das versprochene digitale Wunderland besitzt Minenfelder.“

Vor allem den mangelnden Schutz der Privatsphäre und den Missbrauch für Propaganda machte Kennedy als Schwachstellen von Facebook aus. „Herr Zuckerberg hat sich bislang in seiner Mitteilsamkeit nicht verausgabt“, monierte der Senator.

Tatsächlich deutet die mangelhafte Krisen-PR auf ein unterentwickeltes Bewusstsein des Konzernchefs für die Problematik seines Geschäftsmodells hin. Bereits 2015 hatte Facebook von der millionenfachen unerlaubten Daten-Weitergabe einer Umfrage an Cambridge Analytica erfahren, die Öffentlichkeit jedoch nicht informiert. Nach Bekanntwerden des Skandals vor wenigen Wochen ging Zuckerberg zunächst auf Tauchstation, bevor er sich zögernd entschuldigte und nach einigem Hin und Her zur Aussage vor dem Kongress bereiterklärte.

Inzwischen scheint dem 33-Jährigen, der ungern vor großer Zuhörerschaft spricht, der Ernst der Lage bewusster geworden zu sein. Nach einem Bericht der New York Times hat er zwei Team von Rechtsberatern und PR-Profis angeheuert, um sich auf die Anhörung vorzubereiten. In dem vorab verbreiteten Redemanuskript für das Hearing übernimmt Zuckerberg persönlich Verantwortung: Facebook sei „ein idealistisches und optimistisches Unternehmen“, behauptet er. Man habe deshalb die Missbrauchs-Gefahren unterschätzt: „Wir haben unsere Verantwortung nicht ausreichend wahrgenommen, und das war ein großer Fehler. Es war mein Fehler, und ich entschuldige mich dafür.“

In Rollenspielen wurde Zuckerberg dem Bericht zufolge auch persönlich auf seinen Auftritt im Senat vorbereitet. Die Antworten der Senatoren wolle er direkt und nicht zu defensiv beantworten. Wenn alles aus Sicht der Strategen gut läuft, soll Zuckerberg als „bescheiden, umgänglich und offen“ herüberkommen.

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