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Explosion in Ankara Behörden verdächtigen Linksextremisten

Bei einer Explosion vor der US-Botschaft in Ankara kommen zwei Menschen ums Leben. Zu dem Selbstmordanschlag bekennt sich bisher niemand, doch der türkische Innenminister erklärt, der Selbstmordattentäter habe einer verbotenen linksgerichteten Organisation angehört.

01.02.2013 12:35
Der Attentäter ließ die Bombe vor dem Eingang zur US-Botschaft explodieren. Foto: AFP

Ein Linksextremist hat in der US-Botschaft in Ankara nach Behördenangaben einen türkischen Wachposten und sich selbst getötet. Den Ermittlungen zufolge drang der Mann am Freitag in ein Nebengebäude auf dem Botschaftsgelände ein und zündete seinen Sprengsatz, den er am Körper befestigt hatte. Zu dem Selbstmordanschlag bekannte sich zunächst niemand. Innenminister Muammer Güler sagte aber, der Angreifer habe einer linksradikalen Gruppe angehört. Vermutlich handle es sich um eine Organisation, die als extrem anti-amerikanisch gilt.

Die beiden Nato-Staaten USA und Türkei sind schon lange Verbündete. In den vergangenen Wochen trafen rund 400 US-Soldaten im Land ein, um gemeinsam mit deutschen und niederländischen Kameraden die Grenze zum Bürgerkriegsland Syrien mit Patriot-Abwehrraketen zu sichern.

Der Attentäter drang den Angaben zufolge über einen Seiteneingang in das Gebäude ein und zündete seinen Sprengsatz. Die Eingangspforte wurde aus den Angeln gerissen, Mauerwerk flog durch die Luft. Mit Gewehren bewaffnete Polizisten riegelten das Gebiet ab. Der Inhaber eines etwa 100 Meter entfernten Reisebüros sagte, die Explosion sei gewaltig gewesen. US-Botschafter Francis Ricciardone kam nicht zu Schaden. Mehrere türkische und amerikanische Botschaftsangestellte wurden nach Angaben des US-Außenministeriums verletzt, konnten aber noch vor Ort behandelt werden. Schwer verletzt wurde dagegen die prominente Journalistin Didem Tuncay, die sich in der Botschaft mit Ricciardone treffen wollte. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht.

Erdogan ruft zu weltweitem Anti-Terror-Kampf auf

„Dieses Ereignis zeigt, dass wir gemeinsam überall in der Welt gegen diese terroristischen Elemente kämpfen müssen“, sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der sich zum Zeitpunkt des Anschlags in Istanbul aufhielt. Medienberichten zufolge war der Attentäter Mitglied der Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C). Der Mann soll in den 90er Jahren auch an Angriffen auf eine Polizeiwache und auf eine Militärakademie beteiligt gewesen sein. Die DHKP-C, die von der EU, den USA und der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird, fordert einen sozialistischen Staat und gilt als entschieden anti-amerikanisch. Auf ihr Konto soll unter anderem ein Angriff auf eine Polizeiwache in Istanbul am 11. September 2012 gehen, dem elften Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center in den USA.

Die DHKP-C beklagt einen zu starken Einfluss der US-Außenpolitik in der Türkei. Die Regierungen in Ankara und Washington arbeiten ungeachtet einiger Spannungen seit Jahren intensiv zusammen. US-Präsident Barack Obama wählte die Türkei als erstes muslimisches Land für einen Besuch nach seinem ersten Wahlsieg vor fünf Jahren.

Die Türkei ist einer der Staaten, die sich mit am deutlichsten für ein internationales Eingreifen in Syrien ausgesprochen haben, wo Präsident Baschar al-Assad seit fast zwei Jahren versucht, einen Aufstand niederzuschlagen. Tausende syrische Flüchtlinge harren in der Türkei aus, die bereits mehrfach von syrischem Gebiet aus beschossen wurde. Die USA, Deutschland und die Niederlande haben zum Schutz ihres Nato-Partners an der Grenze Abwehrraketen in Stellung gebracht.

Merkel zeigt sich bestürzt

US-Soldaten sind aber nicht nur wegen des Patriot-Einsatzes im Land, sie betreiben auch ein Nato-Radarsystem im Osten der Türkei, das unter anderem zum Schutz gegen eine mögliche Bedrohung durch den Iran dienen soll. Innenminister Güler sagte, die Gruppe, der der Attentäter angehörte, könne die DHKP-C oder eine ähnlich ausgerichtete Organisation sein. Allerdings wurden in der Türkei in der Vergangenheit auch zahlreiche Anschläge von rechtsradikalen Gruppen, Islamisten oder der verbotenen Kurdische Arbeiterpartei PKK verübt.

Das US-Außenministerium kündigte an, gemeinsam mit der türkischen Polizei den Vorfall zu untersuchen. Das Konsulat in Istanbul mahnte Amerikaner in der Türkei zu besonderer Vorsicht und riet ihnen, sich vorerst von amerikanischen Vertretungen in dem Land fernzuhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich während eines Berlin-Besuchs von US-Vizepräsident Joe Biden über den Anschlag bestürzt.

Auslandsvertretungen der USA wurden bereits häufiger Ziel von Angriffen, etwa im September vergangenen Jahres im ostlibyschen Bengasi, wo der US-Botschafter und drei andere Amerikaner getötet wurden, als Extremisten das dortige Konsulat stürmten. 1998 starben Hunderte bei Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania. (rtr)

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