Lade Inhalte...

Europa-Wahl AfD-Chef Meuthen will rechte EU-Skeptiker einen

Der EU-Parlamentarier soll in Brüssel die Grundlage für eine neue starke Rechtspopulisten-Fraktion legen. Von Trumps Ex-Berater Stephen Bannon versprechen sich dabei manche AfD-Politiker Hilfe für den Europawahlkampf.

Jörg Meuthen
AfD-Parteichef Jörg Meuthen will an das Vorbild FPÖ herankommen. Foto: Imago

Kommt er nun? Kommt er nicht? Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des Rechtspopulismus. Es trägt mit Vorliebe zerknitterte Anzüge oder auch Freizeitjacke und weit offene Hemden, immer zwei übereinander.

Das Gespenst heißt Stephen Bannon, der bis zum vergangenen Jahr einige sehr wichtige Jobs in Washington hatte. Der frühere Herausgeber der rechten Kampf-Publikation „Breitbart“ wurde Donald Trumps Wahlkampfmanager. Er brachte den Kandidaten gegen alle Wahrscheinlichkeiten ins Weiße Haus und amtierte dort sieben Monate lang als „Chefstratege“.

Stephen Bannon in Europa

Der Abschied war dreckig, der Fall tief. „Schlampen-Steve“ nannte Trump ihn zuletzt, und Bannon machte sich auf den Weg nach Europa. Im Mai ist Europawahl, und die EU-Kritiker, Rechtspopulisten und Rechtsradikalen sind auf dem ganzen Kontinent auf dem Vormarsch. Da kann ein globaler Beweger wie Bannon nicht abseits stehen. Mit seiner Brüsseler Stiftung „The Movement“ will er dafür sorgen, dass die EU-kritischen Parteien zu einer Art nationalistischer „Supergruppe“ zusammenkommen, ohne die in Brüssel nichts mehr geht.

Aber wo ist Bannon? Nach den Zwischenwahlen in den USA wollte er 70 Prozent seiner Zeit in Europa verbringen. Im November sollte er nach Berlin kommen, um mit der AfD-Spitze und der Presse zu sprechen. Deutschland müsste ein zentraler Baustein für seine Pläne sein. Ab Freitag wählt die AfD bei einem Parteitag in Magdeburg ihre Kandidaten für die Europawahl. Jetzt müsste er kommen. AfD-Parteichef Jörg Meuthen schaut in seinen Handy-Terminkalender. Man hatte einen Termin vereinbart, sagt Meuthen. Nein, wohl doch nicht, korrigiert Meuthen nach kurzer Suche.

Einfacher zu finden als Bannon ist Mischael Modrikamen. Der belgische Politiker empfängt den Reporter in seiner Villa in einem Brüsseler Vorort. Das schmiedeeiserne Tor öffnet sich geräuschlos, der Swimmingpool mit Sandstein-Einfassung glitzert in der Herbstsonne. Der Hausherr raucht Zigarre und ist ausgesucht höflich.

Modrikamen war erfolgreicher Wirtschaftsanwalt, bis er in die Politik ging und mit seiner „Parti Populaire“ (Volkspartei) im französischsprachigen Teil Belgiens die rechtspopulistischen Wähler umwirbt. Er ist Bannons Mann in Europa. Zumindest ist er der Mann in Europa, der am meisten auf Bannon hofft. „The Movement“ wurde von Modrikamen bereits im Januar 2017 gegründet – als Donald Trump ins Weiße Haus einzog und der Belgier hoffte, dass die Erschütterungen durch diesen Präsidenten auch in Europa wirken würden. Nigel Farage von der britischen Ukip brachte Bannon und Modrikamen dann in diesem Sommer zusammen. „The Movement“ ist ein Klub, sagt Modrikamen, rein komme man nur mit Einladung.

Es sei ein Klub, der seine Mitglieder unterstütze, wenn die es wünschen, vor allem bei Wahlkämpfen. „Wir müssen Matteo Salvini und Viktor Orban nicht erklären, wie sie Wahlen gewinnen. Aber andere brauchen vielleicht unsere Unterstützung.“

Andere, wie die AfD? Und welche Unterstützung? Die präzise technische Wahlwerbung via Facebook und Co – oder auch Geld? Modrikamen weicht aus. Man solle das alles nicht überbewerten. Sie planen gerade einen Gipfel aller EU-skeptischen Parteien, das hätte eine größere Wirkung als jede Facebook-Kampagne. Wann und wo? „Sie werden sehen. Das Momentum ist populistisch, das Schlachtfeld wird Europa sein.“

Solche Sätze kann Modrikamen ebenso überzeugend sagen wie Bannon. „Die Globalisten sind weltweit vernetzt, wir müssen den normalen Mann mobilisieren. Der Zeitpunkt ist gekommen. Wir kämpfen gegen das Establishment.“ Die Szene in Modrikamens Villa hat etwas Absurdes. Aber wann kommt nun Bannon? „Im November. Er wird viele Interviews geben. Wir melden uns.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen