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EU ehrt kubanischen Dissidenten Hunger nach Freiheit

Der Kubaner Guillermo Fariñas erhält den Sacharow-Menschenrechtspreis der EU. Der Psychologe gehört zu den Dissidenten auf der Insel, die bereit sind, ihren Kampf für mehr Freiheiten mit dem Leben zu bezahlen.

Dissident Fariñas erfährt am Donnerstag zu Hause im kubanischen Santa Clara per Telefon von seiner Ehrung. Foto: AFP

Es gibt diese Bilder von Guillermo Fariñas, die unter die Haut gehen. Sie stammen aus dem Frühjahr dieses Jahres, als der kubanische Oppositionelle 135 Tage lang das Essen eingestellt hatte, um Veränderungen auf seiner Insel zu erzwingen. Man sieht darauf seinen Kopf, der viel zu groß wirkt. Unter der Haut zeichnen sich klar Knochen und Rippen ab. Kraftlos wirkt der 48-Jährige, dem Tode näher als dem Leben.

Der Psychologe wäre vermutlich nicht am Donnerstag mit dem Sacharow-Menschenrechtspreis vom EU-Parlament ausgezeichnet worden, sondern schlicht tot, hätte er nicht Anfang Juli seinen Hungerstreik beendet.

Kurz zuvor hatte die kubanische Regierung die Freilassung von 52 Dissidenten bekanntgegeben. Sie waren 2003 zu langen Haftstrafen verdonnert worden.

Fariñas ist in den vergangenen Jahren einer der härtesten Gegner der Brüder Castro innerhalb der Opposition auf der kommunistischen Insel geworden. Elf Jahre Haft und mehr als zwanzig Hungerstreiks haben ihn früh zu einem kranken Mann gemacht.

Der Psychologe gehört zu den Dissidenten auf der Insel, die bereit sind, ihren Kampf für mehr Freiheiten mit dem Leben zu bezahlen. Seinen letzten Hungerstreik begann Fariñas just an dem Tag, als Orlando Zapata starb. Die beiden Oppositionellen waren Freunde. Zapata hatte 86 Tage lang gehungert, bis er alle Kräfte verlor. Die kubanische Regierung schaute ihm quasi dabei zu und verhinderte den Tod nicht. Die internationale Kritik an den Castros fiel anschließend so hart aus, dass Zapatas Tod vermutlich mit dazu beitrug, die 52 Dissidenten freizulassen und so auch mittelbar den Tod von Fariñas zu verhindern. Als er Anfang Juli ins Krankenhaus eingeliefert wurde, war er bewusstlos und dehydriert.

Es ist Zeit, dass endlich die „Demokratie nach Kuba kommt“

Der Präsident des EU-Parlaments, Jerzy Buzek, nannte den 48-Jährigen in seiner Laudatio einen Hoffnungsträger für alle, die sich für Menschenrechte einsetzten. Der Geehrte selbst erfuhr in seinem Haus in Santa Clara von dem Preis und widmete ihn dem kubanischen Volk und dem Kampf gegen eine Regierung, die er als eine „Diktatur“ bezeichnete. Es ist Zeit, dass endlich die „Demokratie nach Kuba kommt“, sagte er.

An kubanische Dissidenten vergibt das EU-Parlament offenbar besonders gern den Sacharow-Preis. 2002 erhielt mit Oswaldo Payá ebenfalls ein Oppositioneller die Auszeichnung, und vor fünf Jahren ehrten die Abgeordneten die „Damen in Weiß“, eine Gruppe von Frauen, deren Männer und Söhne für Meinungsfreiheit eintraten und nun im Gefängnis sitzen. Die Damen demonstrieren trotz Unterdrückung jeden Sonntag in Havanna.

Die Ehrung für Fariñas kommt wenige Tage, bevor die EU-Außenminister in Luxemburg über das Verhältnis Brüssels zu Havanna beraten. Die Freilassung der politischen Häftlinge gehörte zu den Forderungen der EU als Voraussetzung für bessere Beziehungen. Während Spanien nun auf einen Wandel durch Annäherung setzt, wollen Staaten wie Schweden, Frankreich und die Tschechische Republik erst weitere Schritte in Richtung Demokratie sehen, bevor sie eine Annäherung an Havanna stützen.

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