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Erste Stammzelltherapie Medizin mit Embryos

In den USA hat die Stammzellforschung den Schritt aus dem Labor in die Klinik vollzogen: Zum ersten Mal wurde ein Patient mit Zellen behandelt, die aus menschlichen embryonalen Stammzellen gewonnen wurden.

12.10.2010 18:46
Von Dietmar Ostermann
Geklonte Embryonen im achtzelligen Stadium: Die Stammzellenforschung ist umstritten. Foto: AP

In den USA hat die Stammzellforschung den Schritt aus dem Labor in die Klinik vollzogen: Zum ersten Mal wurde in einem Krankenhaus in Atlanta, Georgia, ein Patient mit Zellen behandelt, die aus menschlichen embryonalen Stammzellen gewonnen wurden. Der Patient leidet laut der kalifornischen Biotechnik-Firma Geron an einer schweren Rückenmarkverletzung. Ziel der klinischen Tests sei es, so das Unternehmen, beschädigte Nervenzellen zu regenerieren.

Sollte die Zelltherapie erfolgreich sein, könnten Querschnittsgelähmte Motorik und Empfinden wiedererlangen. In der ersten Testphase soll allerdings nur die Sicherheit der Methode geprüft werden.

Die Firma aus dem kalifornischen Menlo Park hatte im Januar 2009 als erstes Unternehmen von der US-Arzneimittelbehörde FDA eine Genehmigung für klinische Tests mit Zellgewebe erhalten, das aus embryonalen Stammzellen gewonnen wurde. Es ist weltweit die erste Genehmigung dieser Art. Die Tests verzögerten sich, nachdem sich bei Tierversuchen an den behandelten Rückenmarksstellen Geschwülste gebildet hatten. Die FDA setzte die Genehmigung daraufhin zunächst aus. Im Juli gab die Behörde nach weiteren Versuchen grünes Licht.

Durchgeführt wurde der erste Test „GRNOPC1“ an einem anonymen querschnittsgelähmten Patienten am Freitag im Shepherd Center, einem auf Rückenmarks- und Hirnverletzungen spezialisierten Krankenhaus in Atlanta. Geron gab dies am Montag bekannt. Insgesamt zehn Personen sollen in sieben Kliniken an der ersten Testphase teilnehmen. Ihnen sollen aus embryonalen Stammzellen entwickelte Vorläuferzellen von Oligodendrozyten gespritzt werden. Oligodendrozyten bilden das Myelin, das die Nervenzellen umhüllt und die Weitergabe von Nervenimpulsen ermöglicht. Die Embryos, aus denen die Stammzellen gewonnen werden, sind bei künstlichen Befruchtungen quasi übrig geblieben und würden sonst zerstört.

Konservative werfen der Firma vor, sich nur für ihren Aktienkurs zu interessieren

Laut Geron hat die Methode bei Tierversuchen zu „erheblichen Verbesserungen“ der Bewegungsfähigkeit geführt. Um die Chancen zu erhöhen, sollen die Verletzungen bei den foldegen Tests nicht länger als zwei Wochen zurückliegen. Nach eigenen Angaben hat die Firma aus embryonalen Stammzellen auch „Rezepte“ für sechs weitere Zelltypen entwickelt, die etwa bei Herz-, Krebs- oder Gelenkerkrankungen zu neuen Therapien führen könnten.

Während Befürworter von einem Meilenstein sprachen, äußerten sich Gegner kritisch. „Geron hilft seinem Aktienkurs, nicht der Forschung oder Patienten“, sagte David Prentice vom konservativen Family Research Council der Washington Post. Um Kontroversen und Beschränkungen zu vermeiden, finanziert das Unternehmen seine Stammzellforschung aus eigenen Mitteln. Die staatliche Förderung von Arbeiten mit embryonalen Stammzellen ist in den USA umstritten. Präsident Barack Obama hatte 2009 die bis dahin engen Regeln gelockert. Dagegen hatten Kritiker geklagt, eine Entscheidung der US-Gerichte steht aus. Privat finanzierte Forschung unterliegt keinen Beschränkungen.

Nachdem sich US-Biotech-Firmen einen Wettlauf um die ersten klinischen Tests an Menschen geliefert hatten, warten die Forscher nun auf die Ergebnisse. „Jeder hält den Atem an und hofft, dass es kein schlechtes Ende nimmt“, sagte Evan Snyder vom Sanford-Burnham Medical Research Institute. Auch andere Unternehmen wie Advanced Cell Technology (ACT) haben bereits Patientenversuche beantragt. „Es ist eine großartige Nachricht. Hut ab, dass sie die Ersten sind“, sagte ACT-Chef Bob Lanza über den Konkurrenten.

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