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Ermittlungsverfahren Prügel-Vorwürfe gegen Frankfurter Polizisten

Mann bei Polizeikontrolle in U-Bahn in Frankfurt am Main ohnmächtig geschlagen: Gegen die vier Polizisten ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Die Frankfurter Polizei bestätigte interne Ermittlungen zu den Vorwürfen. Die Beamten stellten die Vorwürfe allerdings anders dar.

07.11.2012 18:07
Felix Helbig
Derege Wevelsiep Foto: Christoph Boeckheler

Mann bei Polizeikontrolle in U-Bahn in Frankfurt am Main ohnmächtig geschlagen: Gegen die vier Polizisten ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Die Frankfurter Polizei bestätigte interne Ermittlungen zu den Vorwürfen. Die Beamten stellten die Vorwürfe allerdings anders dar.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen vier Polizisten, die einen Mann bei einer Ausweiskontrolle bewusstlos geschlagen haben sollen. Das bestätigte die Behörde am Mittwoch. Der Mann hatte anschließend drei Tage im Krankenhaus gelegen. Der ärztliche Befund, der dieser Zeitung vorliegt, bestätigt eine schwere Gehirnerschütterung mit Bewusstlosigkeit und Prellungen am ganzen Körper.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde auch gegen den Mann ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Beamten beschuldigten ihn der Beleidigung, teilte eine Sprecherin der Behörde mit. Er habe sie während des Einsatz in einer Frankfurter U-Bahnstation als „Nazis“ beschimpft. Die Frankfurter Polizei bestätigte interne Ermittlungen zu den Vorwürfen. Die Beamten stellten die Vorwürfe allerdings anders dar, erklärte eine Polizeisprecherin auf Anfrage. Aufgrund der laufenden Ermittlungen wolle man sich zu dem Fall vorerst nicht weiter äußern.

Doppelte Kontrolle

Der 41 Jahre alte Derege Wevelsiep, ein Deutscher äthiopischer Herkunft, hatte den Polizisten in einem Bericht der Frankfurter Rundschau vorgeworfen, ihn und seine Verlobte nach einer Fahrkartenkontrolle in der U-Bahn verprügelt zu haben. Gemeinsam seien beide am späten Abend des 17. Oktober in der U-Bahn gefahren und kontrolliert worden, woraufhin Wevelsiep seine Monatskarte vorzeigte, auf der seine Verlobte kostenlos mitfahren durfte. Nachdem er ausgestiegen und ihr die übertragbare Monatskarte überlassen hatte, sei sie erneut kontrolliert und der „Schwarzfahrt“ beschuldigt worden. Die Kontrolleure warfen ihr offenbar vor, sie habe mit anderen dunkelhäutigen Fahrgästen, die sich ebenfalls in der Bahn befanden, die Karten getauscht. Nachdem seine Verlobte ihn angerufen hatte, kam Wevelsiep dazu, um die Vorwürfe aufzuklären. Sie geben an, von einer Kontrolleurin mit den Worten „Ihr seid hier nicht in Afrika!“ beleidigt worden zu sein. Wevelsiep habe darauf entgegnet, die Kontrolleurin solle nicht vergessen, „wir haben nicht mehr 1942“. Darauf habe sie gefragt: „Bin ich Nazi?“ Das habe er mit den Worten erwidert, das wisse er nicht, „dass müssen Sie selbst wissen.“

Die von der Verlobten hinzugerufenen Polizisten hätten nur die Version der Kontrolleure angehört und Wevelsieps Ausweis sehen wollen, den er nicht dabei hatte. Daraufhin hätten sie ihn aufgefordert, gemeinsam zu seiner Wohnung zu fahren, wo der Ausweis lag. Am Streifenwagen hätten die Beamten ihn dann fesseln wollen, was er abgelehnt habe. Daraufhin sei er von einem der Polizisten ins Gesicht geschlagen worden und vorübergehend in Ohnmacht gefallen. Außerdem wirft er den Beamten vor, später seine Wohnung widerrechtlich betreten zu haben.
Die Frankfurter Verkehrsgesellschaft (VGF) erklärte, dass die vier Kontrolleure eine andere Darstellung der Geschehnisse gegeben hätten. Die Frau habe ihrerseits eine Kontrolleurin als „Nazi“ beschimpft. Die Beschäftigten des privaten Berliner Sicherheitsdienstes Dussmann, der im Auftrag der VGF arbeitete, hätten daraufhin routinemäßig die Polizei zu Hilfe gerufen.

Heftige Reaktionen löste der Vorwurf vor allem Internet aus. Im sozialen Netzwerk Facebook wurde der Artikel binnen 48 Stunden mehr als 20.000 Mal geteilt. SPD, Grüne und Linke im hessischen Landtag forderten eine „lückenlose Aufklärung des Vorfalls. Der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) solle im Innenausschuss über die Ermittlungen berichten.

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