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Ermittlungen zu Özdamar eingestellt

Staatsanwälte in Hagen verfolgen Todesfall nicht

24.06.2008 00:06
ANNIKA JOERES

Die Hagener Staatsanwaltschaft spricht ihre Polizisten frei: Sie stellt die Ermittlungen zum Tode von Adem Özdamar "mangels Tatverdacht" ein. Das ist das Resultat der Obduktionsergebnisse, die am Montag präsentiert wurden - zwei Monate später als ursprünglich angekündigt.

Der 26-jährige Adem Özdamar war Mitte Februar unter Einfluss von Kokain auf eine Hagener Polizeiwache gebracht und dort unter Beteiligung von von elf Beamten bäuchlings gefesselt worden. In der Gerichtsmedizin ist bekannt, dass diese Position zum "lagebedingten Erstickungstod" führen kann. Er ist anhand des Körpers nicht nachzuweisen, wohl aber durch genaue Rekonstruktion des Vorgangs herzuleiten. Im Obduktionsgutachten des Dortmunder Rechtsmediziners Rolf Zweihoff steht jedoch der lagebedingte Erstickungstod sei hier "praktisch ausgeschlossen". Das türkische Justizministerium hat die Leiche in Istanbul ein zweites Mal obduzieren lassen. Noch aber warten dortige Mediziner auf das Gehirn Özdamars, das bislang von den deutschen Behörden einbehalten wurde. Auch Amnesty International und die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag, Herta Däubler-Gmelin, untersuchen den Fall.

"Die Staatsanwaltschaft Hagen hat die Ermittlungen objektiv und mit dem gebotenen Nachdruck geführt", schreibt die Hagener Staatsanwaltschaft in ihrer Pressemitteilung. Allerdings wurden Ärzte, die Özdamar bei seiner Einlieferung untersucht hatten, nicht als Zeugen befragt, Videoaufnahmen aus der Wache nicht ausgewertet.

Die Generalstaatsanwaltschaft in Hamm und das Innenministerium decken aber die Hagener Beamten. Der Anwalt der Familie Özdamar hatte beantragt, die Hagener Staatsanwaltschaft abzulösen, weil die Ermittler Objektivität vermissen ließen. Sein 16-seitiger Antrag wurde von der Generalstaatsanwaltschaft binnen zwei Tagen abgelehnt, ohne dass die Ermittlungsakten aus Hagen überhaupt eingesehen worden wären.

"Wir konnten schon in dem Antrag keine Anhaltspunkte für ein nicht-objektives Verfahren erkennen", sagt die Hammer Oberstaatsanwältin Elke Adomeit der Frankfurter Rudnschau. Der zweite Anwalt der Familie, Adam Rosenberg, kündigte im Gespräch mit der FR an, ein Klageerzwingungsverfahren bei der Generalstaatsanwaltschaft zu beantragen.

NRW-Innenminister Ingo Wolf (FDP) muss in der kommenden Sitzung des Innenausschusses Fragen der Opposition beantworten. Die Rechtsexperten von SPD und Grünen beantragen, wenigstens disziplinarrechtliche Schritte gegen die Beamten zu prüfen.

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