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Erdogans Wahlkampf „Retourkutsche für das Schmähgedicht von Böhmermann“

Die CDU-Politikerin Serap Güler spricht im Interview über den türkischen Wahlkampf in Deutschland, begeisterte Erdogan-Fans in NRW und über die Inhaftierung des Journalisten Deniz Yücel.

Türkei
Ist die Inhaftierung des Journalisten Yücel eine Retourkutsche auf Böhmermanns Schmähgedicht? Foto: OZAN KOSE (AFP)

Frau Güler, wie bewerten Sie den Versuch, die Reservierung für eine Theateraufführung in Köln für eine politische Kundgebung nutzen zu wollen?
Das finde ich völlig inakzeptabel. Es ist ein Unding, dass die UETD der Kölner Verwaltung so nebenbei einen Wahlkampfauftritt unterjubeln wollte. Das grenzt an einen Täuschungsversuch. Allerdings handelt es sich um einen Sonderfall. Bislang sind solche Wahlkampftermine mit breiter Brust angekündigt worden.

Was bedeuten die geplanten Wahlkampfauftritte für das Klima zwischen Deutschland und der Türkei?
Die sind absolut schädlich. Der Bundesaußenminister, der ja für diplomatische Beziehungen zuständig ist , aber auch die Landesregierung, in deren Verantwortungsbereich das Versammlungsrecht fällt, müssen endlich ein Machtwort sprechen. Es muss klar werden, dass türkische Regierungspolitiker nicht bei uns erwünscht sind, solange Deniz Yücel und viele andere Journalisten in Haft sitzen und die Türkei die Pressefreiheit mit Füßen tritt.

Wie erklären Sie sich das harte Vorgehen gegen Yücel?
Darin sehe ich die Retourkutsche für das Schmähgedicht von Jan Böhmermann gegen Erdogan und die Spitzelvorwürfe gegen die Religionsbehörde Ditib. Bei meinem Türkeibesuch am vergangenen Wochenende habe ich mit Vertretern aus der Wirtschaft und aus der Kulturszene gesprochen. Keiner hatte wirklich damit gerechnet, dass man ihn in U-Haft nimmt.

Viele Türken in NRW sind begeisterte Anhänger von Erdogan. Was bedeutet das für die Integrationspolitik?
Das ist ein herber Rückschlag. Es kostet viel Zeit und Geduld, die Brände wieder zu löschen, die durch Auftritte von türkischen Regierungsvertretern in NRW gelegt werden. Viele Türken, die in NRW leben, fühlen sich von der deutschen Gesellschaft nicht vollwertig akzeptiert, oft spielen auch Minderwertigkeitskomplexe eine Rolle. Deswegen sind sie leicht verführbar durch einfache Parolen.

Also sind die Deutschen Schuld am Erfolg von Erdogan hierzulande?
Nein. Aber es gab Versäumnisse, die sich jetzt auswirken. Wir müssen deutlicher machen, dass die türkische Community ein Teil unserer Gesellschaft ist und dass ihre Heimat vor allem Deutschland ist.

Interview: Gerhard Voogt

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Türkei

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