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Erdogan in Deutschland Journalist Dündar: Erdogan hat die Welt angelogen

Während der Pressekonferenz mit Erdogan und Kanzlerin Merkel bezeichnet der türkische Präsident den Journalisten Can Dündar als „Verbrecher“. Dündar wehrt sich.

28.09.2018 19:05
Berlin
Der Journalist Can Dündar wehrt sich gegen die Anschuldigungen des türkischen Präsidenten Erdogan. Foto: afp

Der türkische Journalist Can Dündar hat die Vorwürfe des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gegen ihn bei der Pressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel als Lügen bezeichnet. „Erdogan hat in dieser Pressekonferenz der ganzen Weltöffentlichkeit in die Augen geschaut und gelogen“, sagte der in Deutschland im Exil lebende frühere Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“ am Freitag. Erdogan hatte die Auslieferung Dündars gefordert und diesen als „Agent“ und „Verbrecher“ bezeichnet.

Dündar wies die Vorwürfe zurück. Er habe keine Staatsgeheimnisse veröffentlicht und das Urteil gegen ihn sei von den obersten türkischen Richtern wieder aufgehoben worden, die nach dem Putschversuch im Juli 2016 selbst verhaftet worden seien. „Der Opposition vorzuwerfen, Terroristen zu sein, ist eine klassische Methode aller autokratischen Führer“, sagte Dündar. „Wenn er beweisen kann, dass ich kein Journalist sondern ein Agent bin, bin ich bereit, meinen Beruf niederzulegen.“

Dündar lud zur PK

Dündar hatte zu einer Pressekonferenz in den Räumen seines Exilmediums „Özgürüz“ geladen, nachdem es einen Eklat um seine Teilnahme an der gemeinsamen Pressekonferenz Erdogans mit Kanzlerin Merkel gegeben hatte. Dündar hatte angekündigt, Erdogan kritische Fragen stellen zu wollen, aber kurzfristig auf die Teilnahme verzichtet, nachdem es aus der Erdogan-Delegation Drohungen gab, seinetwegen die Pressekonferenz platzen zu lassen.

Dündar erklärte, er habe Erdogan nicht die Ausrede geben wollen, sich wegen seiner Teilnahme überhaupt keinen kritischen Fragen stellen zu müssen. „Das Wichtige ist Folgendes: Wir werden weiter Fragen stellen. Egal wo Erdogan hingeht, wird er weiter mit Fragen konfrontiert sein, die man ihm in der Türkei nicht stellen kann“, sagte er. „Die Fragen werden ihn verfolgen und ich bin heute sehr glücklich, weil wir ihn diese Angst haben schmecken lassen.“

Der 57-jährige Dündar war wegen eines Artikels zu Waffenlieferungen des türkischen Geheimdiensts nach Syrien zu fünf Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er lebt seit mehr als zwei Jahren in Deutschland im Exil. Die Türkei fordert Berichten zufolge Deutschland um seine Auslieferung wegen Spionage, Verrat von Staatsgeheimnissen und Propaganda.

Über den Staatsbesuch Erdogans in Deutschland sagte Dündar: „Eigentlich haben beide Seiten getestet, inwieweit sie den jeweils anderen überhaupt ertragen können.“ Gute Beziehungen mit Deutschland seien für Erdogan jetzt vor allem aus wirtschaftlichen Gründen wichtig. „Es gibt nur noch zwei Quellen der Opposition gegen Erdogan: Die eine trägt den Namen Euro, die andere Dollar“, sagte er mit Blick auf die wirtschaftliche Krise der Türkei. (dpa)

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