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Entschädigung für DDR-Heimkinder Das Unrecht wird endlich anerkannt

In Heimen in der DDR haben viele Kinder und Jugendliche Gewalt, sexuellen Missbrauch und tiefe Demütigung erfahren. Zwanzig Jahre nach der Einheit wird das Unrecht anerkannt - und ein Hilfsfonds für DDR-Heimkinder eingerichtet.

Aufschrift in einem Raum des ehemaligen Geschlossenen Jugendwerkhofes Torgau - heute ist das Gebäude eine Gedenkstätte. Foto: dpa

Mit 11 Jahren kam Roland Militz ins Heim, mit 19 Jahren wurde er entlassen, in die Deutsche Demokratische Republik. Da war er schon kein Heimzögling mehr, sondern ein ehemaliger politischer Häftling. Acht Jahre in staatlicher „Fürsorge“, die Militz als tiefe Demütigung erfahren hat. Der Staat, dessen Gewalt ihm und anderen zu Unrecht widerfuhr, existiert seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr. Mehr als zwanzig Jahre brauchte aber auch die Bundesrepublik, um dieses Unrecht anzuerkennen.


Mit einem ersten wissenschaftlichen Bericht zur Heimerziehung in der DDR soll das Unrecht nun nicht nur anerkannt, sondern auch seine Folgen gelindert werden. Die Schilderungen von Betroffenen hätten ihn tief berührt, erklärte Hermann Kues, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfamilienministerium am Montag in Berlin.

Hilfsfonds ab Juli verfügbar

Kues stellte drei Expertisen zur Heimerziehung in der ehemaligen DDR vor. Gemeinsam mit den Sozialministern der ostdeutschen Länder kündigte er zudem an, dass der bereits beschlossene Hilfsfonds für die ehemaligen DDR-Heimzöglinge ab Juli zur Verfügung stehen soll. Er ist mit 40 Millionen Euro ausgestattet und soll für Rentenersatzleistungen und therapeutische Hilfen aufkommen. Im Volumen orientiere er sich am Fonds für die Heimerziehung West, erklärte Kues. Der mit 120 Millionen Euro ausgestattete Fonds für ehemalige Heimkinder in der Bundesrepublik steht seit Jahresbeginn für Hilfsleistungen zur Verfügung.

"Ich habe nur Gewalt erlebt"

Für Roland Militz zählt dagegen vor allem die Anerkennung des Unrechts, das ihm und anderen widerfahren ist. Am Montag saß er als Vertreter der betroffenen Heimkinder der DDR auf dem Podium und sagte: „Heute sind wir stolz, dass wir zum ersten Mal angehört worden sind.“ „Ich habe nur Gewalt erlebt“, berichtete Militz, „das fing zu Hause an und wurde in der staatlichen Fürsorge nur noch schlimmer. Ins Heim kam er, weil er vor den Schlägen des Vaters geflohen war. „Abgehauen“ – das reichte , um dem Vater die ohnehin unliebsame Erziehungsaufgabe zu entziehen. Militz durchlief mehrere Stationen, auch im berüchtigten Jugendwerkhof in Torgau war er.

Vor allem in diesen Spezialheimen, den Jugendwerkhöfen, wurden die Menschenrechte der Insassen verletzt, man zwang sie zur Arbeit und verweigerte ihnen Bildung. Aber auch in den anderen DDR-Heimen gehörten Einschüchterung, Kontrolle und harte Strafen für die Kinder und Jugendlichen zum Alltag. Dem Bericht zufolge haben zwischen 1949 und 1990 etwa 495000 Minderjährige die Heime durchlaufen, 135000 davon strenge Spezialheime für „schwer Erziehbare“.

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