Lade Inhalte...

Energiewende Wind-Wende im Hunsrück

Zwei grüne Ministerinnen aus der Mainzer Landesregierung wollen die Akzeptanz für neue Energiequellen stärken. Als Vorzeigeprojekt dient ein neuer Windpark - ausgerechnet im Wald.

Erneuerbare Energien sollen in Rheinland-Pfalz vorangebracht werden. Foto: dpa

Energie aus dem Wald? Man denkt an Holz für den Kamin, vielleicht noch an Pellets für die Öko-Heizung. Aber Windkraft aus dem Wald? Seltsame Vorstellung, aber die Idee funktioniert. Das seit Frühjahr rot-grüne Rheinland-Pfalz will damit die Energiewende pushen. Bis 2030 soll die gesamte Energieversorgung im Land aus erneuerbaren Quellen stammen.
Land aus erneuerbaren Quellen stammen.

Ortstermin im Forst bei Kastellaun, auf den Höhen des Hunsrück. Zwei Ministerinnen mit weißem Sicherheitshelm auf dem Kopf inspizieren eine Baustelle mitten im Wald. Knapp ein halber Hektar Fläche ist freigeräumt, wo ein Windbruch vor Jahren die Kiefern wegrasiert hat. Es ist eine befestigte Schotterfläche, auf der ein gigantischer Kran steht. Der setzt die Betonringe für den Turm einer 3,4-Megawatt-Windkraftanlage aufeinander, die damit Stück für Stück nach oben wächst – bis auf 180 Meter hinauf. Am Ende ragen die Rotoren weit über die Baumkronen.

Weniger Platz benötigt

Eveline Lemke und Ulrike Höfken sind sichtlich zufrieden. „Ökonomie und Ökologie“ vertrügen sich hier doch prima, rühmen die beiden Ministerinnen aus Mainz, und dieser „Windpark Klosterkumbd“, der mit sieben Großanlagen den Strom-Jahresverbrauch von rund 12?000 Haushalten liefern wird, soll das demonstrieren. Lemke und Höfken sind beide Grüne – und das personifizierte Ökonomie-Ökologie-Duo, erstere nämlich für Wirtschaft und Energie zuständig, die zweite für Umwelt und Landwirtschaft. Sie wollen demonstrieren, dass der Konflikt zwischen den Windkraft-Fans und den Kritikern der „Verspargelung“ der Landschaft aufgehoben werden kann.

Die Regierung in Mainz hat sich viel vorgenommen. Die Windenergie soll bis 2020 verfünffacht werden: Sie soll dann statt derzeit sieben Prozent am Gesamt-Elektrizitätsverbrauch rund ein Drittel liefern. Derzeit liegt Rheinland-Pfalz bei der Windenergie auf Platz sieben unter den Bundesländern – weit hinter den Spitzenreitern, den Ländern an der windigen Nord- und Ostseeküste, aber auch hinter einem Binnenland wie Sachsen-Anhalt. Die Regierung in Mainz will für die Windnutzung zwei Prozent der Landesfläche ausweisen.

Um die ambitionierten Ziele zu schaffen, hat Lemke die „windstärksten Standorte“ im Land ins Visier genommen. Und die befinden sich nun einmal überwiegend in waldreichen Gegenden in den Mittelgebirgen, in Hunsrück, Eifel oder Westerwald. Sie sieht die Wald-Windkraft sogar als Teil der Konfliktlösung. Höfken assistiert: „Waldstandorte bieten sich an, da sie häufig fern von Ortschaften liegen und damit die Menschen weniger stören.“ Zudem hätten die technischen Entwicklungen der letzten Jahre die „Waldverträglichkeit“ der Windräder deutlich gesteigert. Die Türme der Anlagen sind inzwischen so hoch, dass sich die Rotoren weit über den Baumspitzen drehen. Dadurch müssen am Boden viel weniger Bäume weichen. Auch auf den Vogelschutz und andere Naturschutz-Aspekte werde, soweit wie möglich, Rücksicht genommen, verspricht Höfken.

Schutz vor Raubbau

Der Rhein-Hunsrück-Kreis, wo der neue Wald-Windpark gebaut wird, ist ein Musterkreis. Hier, wo die meisten der 1?125 Windräder in Rheinland-Pfalz und auch die meisten im Wald stehen, scheint der sonst teils heftig tobende Windkraft-Konflikt weitgehend abgeflaut. Die Hauptgründe: Die Anlagen sind so platziert worden, dass sie nicht allzu sehr stören; der Abstand zur nächsten Wohnbebauung beträgt meist mindestens einen Kilometer. Und ein Großteil des Geldes, das mit den Anlagen verdient wird, bleibt in der Region, weil in vielen Fällen Kommunen, Genossenschaften oder Landwirte sie betreiben. Der Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises, die meisten Bürgermeister und Forstämter stehen nach anfänglicher Skepsis inzwischen hinter der „Wind-Wende“. Betreibergemeinschaften von Kommunen oder Bürgern könnten die Akzeptanz weiter steigern.

Völlig verweht allerdings sind die Sorgen um die Landschaft aber nicht. Hans-Günter Fischer, Chef des rheinland-pfälzischen Waldbesitzer-Verbandes und Bürgermeister der Verbandsgemeinde Linz, sieht zwar ein Umdenken der Waldbesitzer. „Aber es muss auch Grenzen geben.“ Er mahnt Kriterien an, wie der Wald als Erholungsraum „vor Raubbau geschützt werden kann“.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen