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Elfenbeinküste Ouattaras schwierige Botschaft

Nach der Festnahme des ehemaligen Präsidenten Laurent Gbagbo ruft der neue Präsident Alassane Ouattara zur Versöhnung auf - aber nicht alle wollen das hören. Experten befürchten, dass der Frieden noch lange auf sich warten lässt.

Ouattara-Fans feiern mit Champagner aus Gbagbos Palast. Foto: dapd

Nach der Festnahme des ehemaligen Präsidenten Laurent Gbagbo ruft der neue Präsident Alassane Ouattara zur Versöhnung auf - aber nicht alle wollen das hören. Experten befürchten, dass der Frieden noch lange auf sich warten lässt.

Der Jubel ist verhalten. Selbst in den Stadtteilen der ivorischen Metropole Abidjan, die als Hochburgen des siegreichen Präsidenten Alassane Ouattara gelten, wagen sich nur wenige Menschen auf die Straßen, um Fahnen zu schwenken oder mit Besen den Asphalt zu kehren: „So haben wir Laurent Gbagbo weggefegt“, singen sie dazu. Doch wenige Kilometer entfernt halten Plünderungen und sogar Schießereien zwischen Anhängern des am Montag verhafteten Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo und Ouattaras Truppen an. Und in der Gbagbo-Hochburg Yopougon wurden am Dienstagmorgen sogar die Leichen von 14 Jugendlichen gefunden, die mit Schüssen in den Kopf umgebracht wurden.

Kurz nach der dramatischen Festnahme Gbagbos hatte Ouattara in seinem Fernsehsender zur Ruhe und zum Stopp jeglicher Racheakte aufgerufen – doch die Botschaft zur Versöhnung kommt nicht überall an. „Unsere Arbeit ist noch nicht zu Ende“, sagte Tahirou Sanogo, Mitglied einer Pro-Ouattara-Miliz im Stadtteil Adjame, der Agentur Reuters: „Es gibt noch viel zu säubern.“

Gbagbo-Treue unter Waffen

Vor allem die prekäre Sicherheitslage veranlasst Kenner der Elfenbeinküste zur Skepsis: Der 69-jährige Ouattara habe zwar den Krieg gewonnen – doch ob er auch den Frieden gewinnen werde, sei noch längst nicht ausgemacht. Noch immer stehen Tausende von Gbagbo-treuen Milizionären unter Waffen: Sie könnten eine militante Untergrundorganisation ins Leben rufen, die das ohnehin ruinierte Land noch weiter Richtung Abgrund treiben würde. Ouattara muss schleunigst die Ordnungskräfte des Landes unter seine Kontrolle bringen. Ein Hoffnungszeichen ist es, dass sich die Polizeichefs in Abidjan bereits einen Tag nach der Verhaftung ihres alten Chefs dem neuen Präsidenten unterwarfen. Ouattara wird auch so schnell wie möglich seine „Republikanischen Kräfte“ mit den Gbagbo-loyalen Streitkräften vereinen müssen.

In seiner Fernsehansprache kündigte Ouattara außerdem die Gründung einer Wahrheitskommission nach südafrikanischem Vorbild an. So könnte der Ökonom ein besonders heikles Problem vermeiden: ein Gerichtsverfahren mit Gbagbo als Angeklagtem. Für Ouattara wäre es das Beste, den Ex-Präsidenten in irgendeiner abgeschiedenen Villa ohne viel Aufsehen zu „parken“, so David Zounmenou vom südafrikanischen Institut für Sicherheitsstudien. Ein Schauprozess gegen den 65-jährigen Wahlfälscher und Menschenrechtsverbrecher – ob in Abidjan oder in Den Haag – würde nur den dringend nötigen Aufbau behindern.

Zounmenou, der aus Benin stammt und die Elfenbeinküste wie seine Westentasche kennt, schätzt die Chancen für einen Neuanfang nicht so pessimistisch ein wie mancher Kollege. Als größter Kakao-Exporteur der Welt und mit einer potenziellen Tagesproduktion von 1,6 Millionen Fass Erdöl sei die Elfenbeinküste ökonomisch ein nach wie vor höchst attraktiver Staat. Und wenn einer den Aufgaben gewachsen sei, dann der ehemalige Direktor des Weltwährungsfonds mit seinen hervorragenden internationalen Verbindungen. Schon Anfang der 90er Jahre hatte Ouattara als Premierminister das wirtschaftlich angeschlagene Land reformiert.

Nützliche Beziehungen

Dass dem Banker die ausgezeichneten Beziehungen zur französischen Heimat seiner Frau und zu seinem amerikanischen Studienland nützlich sind, zeichnet sich bereits ab. Frankreich kündigte ein humanitäres Hilfsprogramm in Höhe von 400 Millionen Euro an, und von den USA erhofft sich Ouattara Schützenhilfe für einen Schuldenerlass.

Entscheidend wird es für Ouattara allerdings sein, ob er den vier Millionen Einwohnern von Abidjan schnelle Erfolge präsentieren kann. Denn die Einwohner müssen viele Probleme bewältigen: die unmittelbaren Schäden, die die schweren Kämpfe verursachten, ständigen Stromausfall, ein katastrophales Gesundheitswesen und eine exorbitante Arbeitslosenquote. Doch Zounmenou bleibt optimistisch: „Ich glaube, dass die Elfenbeinküste mit Ouattara eine echte Chance hat.“

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