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Elfenbeinküste Ivorer kommen nicht zur Ruhe

In der Elfenbeinküste häufen sich Berichte über Racheakte gegenüber Anhängern des Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo. Laut Menschenrechtsorganisationen wurden seit der Niederlage Gbagbos zahllose ihm vermeintlich nahestehende Menschen ermordet.

Bereit zum Kampf: Anhänger von Ex-Präsident Laurent Gbagbo. Foto: rtr

Verbreitet sei es zu Vertreibungen, Plünderungen und Vergewaltigungen gekommen. „Die Gewalttaten seitens der neuen Armee erfüllen uns mit großer Sorge“, sagte UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay nach dem Besuch eines Untersuchungs-Teams in dem westafrikanischen Staat: „Es soll zu Exekutionen, rechtswidrigen Verhaftungen, Folterungen, Vergewaltigungen, Plünderungen und Fällen von Erpressung gekommen sein.“

Bereits Anfang Juni hatte Human Rights Watch einen Bericht veröffentlicht, in dem von 150 Personen die Rede ist, die von Sicherheitskräften des neuen Präsidenten Alassane Ouattara umgebracht worden seien. Auch Ivorer, die wie Gbagbo aus dem Westen des Landes stammen, würden wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit verfolgt. „Die Hoffnungen auf einen Neuanfang in der Elfenbeinküste verblassen, wenn diese schrecklichen Übergriffe nicht sofort beendet werden“, sagte HRW-Expertin Corinne Dufka. Auch Amnesty International und der Internationale Bund für Menschenrechte warfen Ouattaras Lager Menschenrechtsverbrechen vor.

Im Zentrum der Übergriffe steht der Yopougon genannte Stadtteil der Wirtschaftsmetropole Abidjans, der als Gbagbo-Hochburg galt. „Wenn du jung bist und aus Yopougon stammst, bist du am Ende“, sagte ein sich nur unter dem Namen „Toupé“ zu erkennen gebender Stadtteilbewohner gegenüber dem UN-Informationsdienst INRIN: „Du kannst von Glück reden, wenn du mit einem gebrochenen Arm oder Bein davonkommst.“

300.000 Vertriebene

Hunderte Einwohner Yopougons sollen inzwischen aufs Land oder ins Ausland geflohen sein, heißt es. Zwei Monate nach dem Ende des Bürgerkriegs seien noch immer 300.000 Ivorer vertrieben, teilte das UN-Flüchtlingskommissariat mit. Der mit Hilfe des Eingreifens französischer Truppen an die Macht gekommene Ouattara hatte bei seiner Amtseinführung im Mai eine Politik der Versöhnung und die rückhaltlose Aufdeckung von Menschenrechtsverbrechen beider Seiten angekündigt. In Wahrheit kümmere sich die neue Regierung jedoch lediglich um die Übergriffe der Gegenseite, klagen sowohl Human Rights Watch wie die UN-Menschenrechtskommission. „Bei all jenen, die derzeit von den Strafverfolgungsbehörden des Landes untersucht werden, handelt es sich um einstige Gbagbo-Mitarbeiter“, sagte Suliman Baldo, der das von der UN-Menschenrechtskommission in die Elfenbeinküste entsandte Team leitete.

Gbagbo selbst und seine Frau Simone, die im Norden des Landes an getrennten Orten unter Hausarrest stehen, würden „korrekt behandelt“, fügte Baldo hinzu. Für ihre Sicherheit sorgten Blauhelme der UN. Dem 66-jährigen Ex-Staatschef, der nach Auffassung eines Großteils der internationalen Gemeinschaft mit der Weigerung, seine Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen im Dezember vergangenen Jahres anzuerkennen, den blutigen Konflikt ausgelöst hatte, soll in der Elfenbeinküste der Prozess gemacht werden. Auch der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag ermittelt gegen ihn. In dem über vier Monate dauernden gewalttätigen Konflikt verloren mindestens 3000 Menschen ihr Leben und mehr als eine Million ihre Heimat.

Ouattara stellte kürzlich seine 36-köpfige Regierung vor: Ihr gehören zwar auch Mitglieder anderer Parteien und Vertreter der Zivilgesellschaft an, aber kein Repräsentant der Gbagbo-Partei „Ivorische Volksfront“ (FPI). Diese hatte für eine Regierungsbeteiligung Bedingungen gestellt – unter anderem die Freilassung Gbagbos. Ouattara teilte jetzt mit, dass für den Wiederaufbau der Elfenbeinküste ausländische Hilfe im Wert von 20 Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahren nötig sei. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy stellte bisher zwei Milliarden Euro in Aussicht.

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