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Elfenbeinküste Gefechte in „Bagdad City“

Die Elfenbeinküste steht kurz vor einem Bürgerkrieg. Berichte über Menschenrechtsverletzungen häufen sich. Vor allem Ausländer aus Burkina Faso, Mali, Niger und Nigeria werden von den Milizen ins Visier genommen

Leiche in der Hauptstadt Abidjan: Anhänger der politischen Gegner Laurent Gbagbo und Alassane Ouattara führen brutale Kämpfe. Foto: AFP

Sie tragen Mützen, die ihr Gesicht verdecken, manche sogar mit einem Totenkopf verziert. Sie haben Tätowierungen an den Armen und Kalaschnikows in den Händen und nennen sich geheimnisvoll „die unsichtbaren Kommandos“. Noch bis vor kurzem kontrollierten sie den Abobo genannten Stadtteil der ivorischen Hafenstadt Abidjan. Doch dann wurden die Anhänger von Alassane Ouattara, der im Dezember zum Präsidenten gewählt wurde, aus dem Quartier vertrieben – von den Sicherheitskräften Laurent Gbagbos, der bis heute nicht abtreten will. Jetzt gleicht der „Bagdad City“ genannte Stadtteil vollends seinem Namensgeber. Doch „die unsichtbaren Kämpfer“ setzen ihren Feldzug fort.

Längst kommt es auch in anderen Stadtteilen Abidjans zu Zusammenstößen zwischen Gbagbos Soldaten und den Kommandos. In den vergangenen Tagen sollen laut UN mindestens 18 Menschen ums Leben gekommen sein. Die Vertreter des Staatenbundes drücken ihre Furcht vor einem Wiederaufflammen des Bürgerkriegs aus – tatsächlich hat dieser aber längst wieder begonnen. Außer in Abidjan wird auch im Westen des Landes gekämpft. Gbagbos loyale Truppen wollen im Städtchen Duekoue einen Angriff der Ouattara nahestehenden und den Norden kontrollierenden Rebellentruppe Forces Nouvelles zurückgeschlagen haben.

Auch Berichte über Menschenrechtsverletzungen häufen sich. Nach einem Bericht der Organisation Human Rights Watch werden vor allem Ausländer aus Burkina Faso, Mali, Niger und Nigeria von Gbagbos Milizen ins Visier genommen: Sie gelten als Unterstützer Ouattaras. In dem Anfang dieser Woche veröffentlichten Dokument wird von Überlebenden und Augenzeugen detailliert beschrieben, wie Ausländer mit Stöcken, Betonblöcken, Messern und Macheten ermordet wurden. Anderen habe man die Kehle durchgeschnitten, heißt es, wieder andere seien bei lebendigem Leib angezündet worden. Häuser, Läden und Moscheen von Hunderten Westafrikanern seien demoliert oder niedergebrannt worden: „Diese gewalttätige Kampagne hat alle Merkmale von Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, schreibt Human Rights Watch. Doch die Menschenrechtler kritisieren auch Ouattaras Lager: Beim Angriff der „unsichtbaren Kommandos“ auf einen Stadtteil Abidjans seien in der vergangenen Woche elf Gbagbo-Anhänger „hingerichtet“ worden.

Immer unwahrscheinlicher wird eine Verhandlungslösung in dem seit drei Monaten anhaltenden Konflikt. In einer Ansprache im neu gegründeten Fernsehsender TVCI unterbreitete Ouattara am Mittwochabend seinem Kontrahenten eine „letzte Chance“ für einen „ehrenhaften und friedlichen Ausstieg aus der Krise“. Doch schon 24 Stunden später wies Gbagbo das Angebot zurück.

Ouattara hatte die Bildung einer „Regierung der Nationalen Einheit“ unter Einschluss von Mitgliedern der Partei Gbagbos vorgeschlagen – allerdings ohne den Ex-Präsidenten selbst. Einen Rücktritt schließt Gbagbo nach wie vor aus, auch wenn er erst kürzlich wieder eine diplomatische Niederlage einstecken musste, als die Afrikanische Union den Wahlsieg seines Kontrahenten anerkannte und ihn selbst zur Räumung seines Amtssitzes bis spätestens zum 24. März aufforderte. Keiner zweifelt daran, dass auch diese Frist ergebnislos verstreichen wird. Dann wird der Bürgerkrieg wohl erst recht aufflammen.

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