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Elfenbeinküste Gbagbos Rückkehr

Truppen des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo setzen in der Elfenbeinküste zum Gegenschlag an und griffen erstmals seit Ausbruch des Konfliktes vor vier Monaten auch den Sitz Ouattaras, das Golf-Hotel, an.

Über Abidjan steigt Rauch auf. Ouattaras Truppen haben fast das ganze Land bis auf wenige Hochburgen Gbagbos eingenommen.

Dem bereits als entmachtet betrachteten ivorischen Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo ist ein überraschender Coup geglückt. Noch am Freitag hatten die Truppen seines Herausforderers Alassane Ouattara bekannt gegeben, der 65-jährige ehemalige Staatschef sei in seiner Residenz in Abidjan umzingelt und könne nur noch über seine Kapitulation verhandeln. Doch inzwischen gelang es Gbagbos Soldaten, die beiden zentralen Stadteile Cocody und Plateau wieder unter ihre Kontrolle zu bekommen.

Am Wochenende griffen Gbagbos Kämpfer sogar erstmals seit Ausbruch des Konfliktes vor vier Monaten den Sitz Ouattaras, das Golf-Hotel, an. Das Gebäude sei mit Mörsern beschossen worden, teilte ein Sprecher der UN-Truppen mit. Die für den Schutz des Hotels zuständigen Blauhelme hätten das Feuer erwidert. Bei dem Angriff sollen vier Menschen ums Leben gekommen sein.

Gbagbo habe die Gespräche über eine Kapitulation Mitte vergangener Woche lediglich als Verzögerungstaktik benutzt, um seine Truppen neu organisieren zu können, sagte der für Friedensmissionen zuständige UN-Untergeneralsekretär Alain Le Roy. Inzwischen hätten seine Truppen ihre Stellungen im Zentrum selbst mit schweren Waffen wieder ausgebaut. Gbagbo soll noch immer über mehr als tausend ihm ergebene Soldaten sowie mehrere Panzer, Raketenwerfer und gepanzerte Mannschaftswagen verfügen, heißt es. Gerüchten zufolge kämpfen sogar angolanische Elitesoldaten auf seiner Seite.

Angola ist einer der wenigen Staaten, die Gbagbo als Sieger der Wahlen im November 2011 betrachten: Die Beziehungen zwischen dem ivorischen Ex-Präsidenten und dem südwestafrikanischen langjährigen Bürgerkriegsstaat reichen viele Jahre zurück.

Gbagbos Truppen konnten am Wochenende einen Befreiungsversuch des Personals einer nicht näher bezeichneten ausländischen Botschaft seitens französischer Soldaten verhindern, außerdem befindet sich auch die staatliche Rundfunkanstalt wieder in ihren Händen. Dort wurde inzwischen zur „Mobilisierung aller Ivorer“ aufgerufen.

Die humanitäre Situation ist grauenhaft. In der Luft hängt Verwesungsgeruch

Ouattaras Regierung forderte die Vereinten Nationen und Frankreich auf, Gbagbos Kräfte zu „neutralisieren“ und den Ex-Präsidenten vor Gericht zu stellen. UN-Hubschrauber und Helikopter der französischen Schutzmacht „Einhorn“ hatten bereits vor einer Woche Angriffe auf Gbagbos Stellungen geflogen und wurden deshalb von afrikanischen Regierungen kritisiert.

Nach Berichten aus der Elfenbeinküste gibt es innerhalb des militärischen Lagers Ouattaras Spannungen: So sollen sich Ibrahim Coulibaly – der Chef der sogenannten „unsichtbaren Kommandos“, die bereits seit Wochen in Abidjan operieren – und der ehemalige Kommandeur der „Forces Nouvelles“, Guillaume Soro, nicht gewogen sein. Derzeit versuchen Ouattaras Truppen, wenigstens die außerhalb der Kontrolle Gbagbos gelegenen Stadteile Abidjans zu befrieden – dort soll es im Verlauf des Wochenendes auch relativ ruhig gewesen sein.

Allerdings hält die Flucht zahlreicher Bewohner der Stadt ins Umland an: Die humanitäre Situation in Abidjan ist nach UN-Angaben von Augenzeugen „grauenhaft“. In der Stadt hänge der Verwesungsgeruch nicht begrabener Leichen in der Luft, heißt es.

Mehr als eine Woche nach dem Ausbruch der heftigen Kämpfe wage sich noch immer kaum jemand auf die Straße, berichten internationale Hilfsorganisationen: Verwundete könnten nicht behandelt werden, zahlreiche Menschen litten Hunger.

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