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Elfenbeinküste Gbagbo kommt erst gar nicht

Der abgewählte Staatschef der Elfenbeinküste gibt der Afrikanischen Union einen Korb. Zu einem Treffen in Addis Abeba erschien er nicht. Der Wahlsieger Ouattara dagegen verließ zum ersten Mal seit Dezember sein Hotel, um teilzunehmen.

Einwohner von Abidjan drohen den brutalen Soldaten Gbagbos. Foto: afp

Die Chancen auf eine Verhandlungslösung in der Elfenbeinküste schwinden weiter. Eine Delegation des bisherigen Präsidenten Laurent Gbagbo lehnte diese Woche einen AU-Vorschlag ab, den die Kontaktgruppe in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba vorgelegt hatte. „Wir halten diesen Vorschlag für indiskutabel“, sagte der Parteichef von Gbagbos Ivorischer Volksfront, Pascal Affi N'Guessan. Der genaue Inhalt des Vorschlags wurde bislang nicht bekannt. Dem Vernehmen nach enthielt er jedoch die Forderung, dass Gbagbo zurücktreten müsse.

Im Gegensatz zu dem international als Wahlsieger anerkannten Alassane Ouattara hatte Gbagbo nicht einmal die Reise nach Äthiopien angetreten. Die prekäre Lage habe seine Anwesenheit verhindert, ließ er wissen. Außerdem sei zu befürchten, dass es sich bei dem Termin um eine Falle handele, um ihn aus dem Land zu locken. Statt seiner schickte er Außenminister Alcide Djedje und Parteichef Pascal Affi N’Guessan.

Für Ouattara war es das erste Mal seit den Wahlen Anfang Dezember, dass er das Hotel in Abidjan verließ, in dem er unter dem Schutz von UN-Truppen seine Gegen-Regierung führt. Ein Flugverbot für französische und UN-Maschinen, das Gbagbo während Ouattaras Abwesenheit verhängte, soll offenbar die Rückkehr des Präsidenten in das von Sicherheitskräften umzingelten und nur von UN-Helikoptern erreichbaren Hotels verhindern.

Auch die Vermittler sind sich nicht einig

Die Gespräche sind für die Kontaktgruppe die vermutlich letzte Chance, zu einer gemeinsamen Position zu finden. Nach dem Auftrag des Staatenbundes hätte sie bereits Ende Februar einen verbindlichen Plan vorlegen sollen, musste die Frist jedoch um einen Monat verlängern.

Die Präsidenten aus Südafrika, Tansania, Mauritius, dem Tschad und Burkina Faso sind sich nicht einig. Während Südafrika wieder einmal für die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit wie einst in Kenia und Simbabwe plädiert, hält vor allem der ivorische Nachbar Burkina Faso davon nichts. Voraussetzung ist für Staatschef Blaise Campaoré wie für die meisten Präsidenten des westafrikanischen Staatenbundes Ecowas, dass der 65-jährige Gbagbo erst einmal seinen Rücktritt erklärt.

Während sich bei den Gesprächen keine Fortschritte abzeichneten, spitzt sich die Lage in der Elfenbeinküste selbst immer weiter zu – de facto befindet sich das Land bereits im Bürgerkrieg. Nachdem die den Norden kontrollierende Rebellentruppe Forces Nouvelles (FN) zunächst stillgehalten hatte, eroberten die Ouattara nahestehenden Rebellen einen 50 Kilometer langen Streifen im Westen. Dem kommt insofern strategische Bedeutung zu, als sich Gbagbo im Bürgerkrieg von 2002 auch auf liberianische Söldner gestützt hatte: Nun sind die Verbindungen zum Nachbarn Liberia unterbrochen.

Auch in Abidjan nehmen die Spannungen zu. FN-Rebellen kontrollieren einzelne Stadtteile: Dort patrouillieren sie und unterhalten Straßensperren. Es kam zu Kämpfen zwischen Gbagbo-loyalen Streitkräften und der Bevölkerung: die Soldaten setzten dabei sogar Granaten ein. Laut UN flohen 200000 Menschen, insgesamt haben mehr als 400 000 Ivorer ihre Heimat verlassen.

Die Hoffnung, Gbagbo könne ökonomisch in die Knie gezwungen werden, erfüllte sich nicht: Gbagbo reagierte auf die Sanktionen mit Verstaatlichungen, die ihn zumindest vorübergehend zahlungsfähig halten.

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