Lade Inhalte...

Elfenbeinküste Frankreich stolpert in den zweiten Krieg in Afrika

Präsident Nicolas Sarkozy ist in den ivorischen Bürgerkrieg widerstrebend hineingestolpert. Er weiß: Die ehemalige Kolonialmacht kann in der Elfenbeinküste nur verlieren. Auch in Abidjan lebende Franzosen dürften die Folgen zu spüren bekommen.

Pro-Gbagbo-Milizionäre in Abidjan. Foto: AFP

Präsident Nicolas Sarkozy ist in den ivorischen Bürgerkrieg widerstrebend hineingestolpert. Er weiß: Die ehemalige Kolonialmacht kann in der Elfenbeinküste nur verlieren. Auch in Abidjan lebende Franzosen dürften die Folgen zu spüren bekommen.

Ermutigt von den Vereinten Nationen führt Frankreich nun schon zwei Kriege in Afrika. Während die französische Luftwaffe am Dienstag in Libyen noch Angriffe zur Entlastung der Aufständischen flog, nahmen Kampfhubschrauber der Fremdenlegion in der Elfenbeinküste Bastionen des im November abgewählten, zum Rücktritt nicht bereiten Staatschefs Laurent Gbagbo unter Feuer. Gemeinsam mit Helikoptern der Vereinten Nationen bombardierten sie in der Wirtschaftsmetropole Abidjan den Präsidentenpalast, Gbagbos Residenz und Militärcamps seiner Anhänger.

Die in Abidjan stationierten 1650 französischen Soldaten ergriffen im ivorischen Bürgerkrieg damit offen Partei: auf der Seite der Rebellen Alassane Ouattaras, des von der internationalen Gemeinschaft anerkannten, an der Amtsübernahme gehinderten Wahlsiegers. Bisher hatten sie sich auf den Schutz ihrer dort lebenden 12.000 Landsleute beschränkt.

Während Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy beim internationalen Feldzug gegen Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi allerdings noch entschlossen vorneweg marschiert war, ist er in den ivorischen Bürgerkrieg widerstrebend hineingestolpert. Und während sich Sarkozy ausrechnen durfte, an der Spitze einer von arabischen Staaten unterstützten Allianz gegen den weltweit isolierten Tyrannen Gaddafi internationales Profil zu gewinnen, weiß er, dass er in der Elfenbeinküste nur verlieren kann.
Da mag der durch die UN-Resolution 1975 und das Hilfsersuchen des UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon gedeckte Militäreinsatz, der offiziell dem Schutz der Zivilbevölkerung dient, völkerrechtlich noch so gerechtfertigt sein. Die Bilder von Kampfhubschraubern der früheren Kolonialmacht, die den ivorischen Präsidentenpalast bombardieren, werden ihre Wirkung nicht verfehlen.

Zwei Franzosen entführt

Nicht nur, dass einem Präsidenten Ouattara in den Augen seiner Landsleute der Makel anhaften wird, von den früheren Kolonialherren ins Amt gehievt worden zu sein. Auch in Abidjan lebende Franzosen dürften die Folgen zu spüren bekommen. Die Ivorer, die in der Wirtschaftsmetropole mehrheitlich für Laurent Gbagbo gestimmt hatten, dürften sie fortan als Bürgerkriegspartei betrachten. Der Entführung zweier Franzosen vom Montagabend könnten bald weitere Übergriffe folgen.

Hinzu kommt der Imageschaden im restlichen Afrika südlich der Sahara. Frankreichs Militärintervention ruft Zeiten in Erinnerung, da Paris formell in die Unabhängigkeit entlassenen Staaten militärisch den Weg zu weisen pflegte. Immer wieder eilten französische Soldaten afrikanischen Gewaltherrschern zu Hilfe. Sie standen in Zaire 1978 Mobutu bei, im Tschad 1983 Hissène Habré, in Togo 1986 Eyadema. Als 2004 in der Elfenbeinküste Unruhen losbrachen und ein aufgebrachter Mob Jagd auf Franzosen machte, schossen in Abidjan stationierte französische Soldaten in die aufgebrachte Menschenmenge und richteten ein Blutbad an. Seit dem Ende der Kolonialzeit intervenierten die Franzosen 40-mal auf afrikanischem Boden.

Mehrfach hatte Sarkozy in den vergangenen Monaten versichert, Frankreich sei nicht dazu berufen, in ehemaligen Kolonien politisch oder gar militärisch zu intervenieren. Aber der Präsident hatte letztlich keine andere Wahl. Er konnte seine 12.000 Landsleute im ivorischen Bürgerkriegschaos schwerlich sich selbst überlassen. Er konnte sie aber auch kaum über Nacht evakuieren.

Der Militäreinsatz eröffnet zumindest die Chance auf einen schnellen Sieg Ouattaras und ein Ende des Blutvergießens. Hinweise des französischen Premiers François Fillon, der am Dienstagnachmittag von Kapitulationsverhandlungen Gbagbos sprach, deuten in diese Richtung.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen