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Eingeschränkte Freiheit Die Verzweifelten von Tibet

In Tibet häufen sich die Fälle von Selbstverbrennungen bei Mönchen. Deshalb wollen Tibeter in aller Welt drei Tage gegen die Unterdrückung der Tibeter durch die Chinesen protestieren. Auch der Dalai Lama höchstpersönlich will sich an dem Protestfasten beteiligen.

Exil-Tibeter demonstrieren im indischen Delhi. Foto: dpa

Mönche in dunkelroten Roben schwenken die tibetische Fahne mit der aufgehenden Sonne. Auf Plakaten in den Sprachen Englisch, Hindi und Tibetisch wird auf dem Jantar Mantar Platz in der indischen Hauptstadt Delhi „religiöse Freiheit“ gefordert und der Erhalt der tibetischen Sprache in der chinesisch kontrollierten Heimat. Der Dalai Lama höchstpersönlich verkündete in seinem Wohnort Dharamsala, er werde an einem 24-stündigen Protestfasten teilnehmen. Lobsang Sangay, der gewählte Chef der Exil-Regierung, sagt: „Die Stimmung ist gedrückt.“

Drei Tage lang wollen Tibeter in aller Welt wegen mittlerweile neun Selbstverbrennungen in Tibet protestieren. Erst am vergangenen Montag hatte sich die 20-jährige Nonne Tenzin Wangmo in der Provinz Sichuan angezündet. Bislang aber war der internationale Rückhall auf die verzweifelten Selbstmorde eher dünn. Für den Gebetsprotest bot die Exil-Regierung mit dem Dalai Lama und Sangay nun alle auf, die Rang und Namen haben. Dharamsala bezahlte eigens die Fahrkarten für die Tibeter, die an dem Protest in Delhi teilnehmen wollten. Den indischen Medien aber war am Freitag die Vorstellung der neuen Formel-1-Rennstrecke in der Nähe von Delhi wichtiger als der Protest von rund 350 Mönchen und etwa 3000 Exil-Tibetern im Zentrum der indischen Hauptstadt.

Schwere Vorwürfe gegen China

Sieben Mönche, die in Tibet seit März den Flammentod wählten, stammen aus dem Kloster Kirti, das vor einiger Zeit ein Zentrum von Mönchsunruhen gegen die Herrschaft Pekings war. „Die chinesische Regierung hat das Kloster mit willkürlichen Verhaftungen und unvorstellbar harten Strafen auf der Basis falscher Anschuldigungen in ein förmliches Gefängnis verwandelt“, wirft Kirti Rinpoche, der in Dharamsala im Exil lebende Abt des Klosters, Peking vor: „Alle Mönche – jung und alt – müssen sich allen möglichen Formen von Freiheitseinschränkungen fügen. die Leute sind verzweifelt.“ Laut Darstellung der Exil-Regierung sind chinesische Militärs sogar innerhalb der Klostermauern stationiert.

Die Volksrepublik China hat eine andere Erklärung für die grausamen Selbstverbrennungen. Es gebe Anzeichen, so vermeldete die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua, dass die Aktionen der Mönche von „einer machthungrigen Clique in den tibetischen Gemeinschaft in Übersee unter Führung des Dalai Lama“ angestiftet würden.

Die Vorwürfe werden in Dharamsala heftig zurückgewiesen. „Das menschliche Leben ist sehr, sehr wertvoll“, beschreibt Geshe Kalsan Dandul, einer der Demonstranten in Delhi, die moralischen Probleme, in die das Exil mit den Selbstverbrennungen gestürzt wird. Selbstmord ist bei den strenggläubigen Tibetern normalerweise tabu. „Es ist aber nicht einfach für uns, etwas dagegen zu unternehmen“, sagt Dandul, der auch im Exil-Parlament sitzt, „weil die Lage in Tibet so verzweifelt ist. Wir stiften sie nicht an, aber wir können den Mönchen dort auch nicht sagen, sie sollten die Selbstverbrennungen stoppen.“

Die Exil-Tibeter gehen davon aus, dass es bislang zu insgesamt neun Todesfällen nach Selbstverbrennungen gekommen ist. Sie verlangen aber zudem Aufklärung über das Schicksal von Lobsang Kaisang (18), Lobsang Konchok (19), Kelsang Wangchuk (17) und Norbu Damdul (19). Die chinesischen Behörden wollen bislang nicht erklären, ob die jungen Mönche den Versuch der Selbstverbrennung überlebten oder nicht. Offiziell vertreten der Dalai Lama und auch der neue Exil-Premier den sogenannten „Mittelweg“, mit dem versucht werden soll, durch Verhandlungen mit Peking zu einer Autonomielösung für Tibet zu finden.

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