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Edward Snowden Vergessenes Phantom

Seit fünf Jahren lebt der US-Whistleblower Edward Snowden im Moskauer Asyl. Das Thema spielt in der US-Öffentlichkeit keine Rolle. Aber: Könnte Snowden Teil eines Deals zwischen Trump und Putin werden?

01.08.2018 06:47
Edward Snowden
Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden. Foto: dpa

Edward Snowden hat keine Angst vor seinen Gastgebern. Mit scharfer Zunge teilt der US-Whistleblower aus gegen Russlands Präsident Wladimir Putin und dessen Führung. „Die russische Regierung ist in vielerlei Hinsicht korrupt“, sagte der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Ende Juni der „Süddeutschen Zeitung“. Damals stand Putin gerade als Gastgeber der Fußball-WM im Rampenlicht, an deren Glanz nichts kratzen sollte. Snowden sagte: „Die Russen sind warmherzig, sie sind klug. Ihre Regierung ist das Problem, nicht das Volk.“

Fünf Jahre ist es her, dass der damals von den USA meistgesuchte Mensch nach einer hollywood-reifen Flucht Asyl in Russland bekam. 2013 hatte Snowden Journalisten vertrauliche Dokumente über massive Abhörpraktiken des US-Geheimdienstes NSA und anderer Dienste zugespielt. Seine Enthüllungen wirken bis heute nach. Der Dokumentarfilm „Citizenfour“ wurde mit einem Oscar prämiert. Gegner sehen in Snowden einen Verräter, Anhänger wünschen ihm den Friedensnobelpreis.

Zunächst floh Snowden von Hawaii nach Hongkong, dann weiter nach Moskau. Eigentlich wollte er in der russischen Hauptstadt nur umsteigen. Doch die USA hatten seinen Pass in der Zwischenzeit für ungültig erklärt. Plötzlich saß Snowden fest – im Transitbereich des Flughafens Scheremetjewo. Medien nannten ihn das „Phantom von Moskau“; kaum einer bekam ihn in den gut sechs Wochen zu Gesicht. In zahlreichen Ländern ersuchte er um Schutz, auch in Deutschland. Am 1. August 2013 gewährte ihm Russland Asyl – noch bis 2020.
Seitdem lebt Snowden streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Er twittert viel, tritt per Videoschalte bei Konferenzen zu Pressefreiheit und IT-Sicherheit auf. Stets wird penibel darauf geachtet, dass sein Standort geheim bleibt. Ansonsten kommuniziert er über seine Anwälte. Sein dem Kreml nahestehender Staranwalt Anatoli Kutscherena ging auf eine Interviewanfrage nicht ein.

Per Haftbefehl gesucht

Trotz aller Geheimhaltung führt der 35-jährige Snowden nach eigener Darstellung ein weitgehend normales Leben: „Die Leute haben diese Vorstellung, dass ich auf einer Militärbasis oder in einem Palast lebe, mit bewaffneten Wachen (...) vor der Tür. Aber nein, ich wohne in einer gewöhnlichen Wohnung zusammen mit meiner Freundin Lindsay, und ich zahle Miete wie jeder andere auch.“ Seine Freundin war vor einigen Jahren aus den USA nach Russland gezogen. Kutscherena sagt, Snowden habe in den vergangenen Jahren viele Orte in Russland bereist. „Ich benutze keine Kreditkarten, und ich versuche, mein Privatleben so weit wie möglich von der Öffentlichkeit fernzuhalten“, sagte Snowden.

In den USA wird er per Haftbefehl gesucht. Prophylaktisch ergingen Auslieferungsersuche an mehrere Länder. Im Falle einer Rückkehr würde Snowden nach jetzigem Stand in drei Punkten angeklagt, davon in zwei Punkten auf Grundlage des Spionage-Gesetzes. Demnach würde er nur vor einem Richter stehen, eine Jury gäbe es nicht. Eine Verurteilung gälte als sicher. Alle drei Punkte der Strafanzeige sehen jeweils eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren vor. 

Klare Kritik an Trump

Unklar ist, ob die Justiz eine Anklage nicht doch um weitere Punkte erweitern würde. Sowohl Präsident Donald Trump als auch der Ex-CIA-Chef und jetzige Außenminister Mike Pompeo favorisieren die Todesstrafe. Im Wahlkampf versprach Trump noch vollmundig: „Schaut, wenn ich Präsident bin, sagt Putin zu Snowden: Hey, zack, du bist weg. Das versichere ich euch.“

Als Präsident habe Trump aber kein Verlangen gezeigt, Putin wegen Snowden zu konfrontieren, schreibt das Magazin „Politico“. Er sei von Trumps Aufgabenliste praktisch verschwunden. Die US-Presse spekuliert, ob Trump und Putin den Fall auf ihrem Gipfel im Juli in Helsinki angesprochen haben. Denn Snowden kommentiert via Twitter immer wieder Vorgänge in den USA. Auch zu Trump hat er eine Meinung: „Ehrlich gesagt, jeder, der Trump drei Minuten lang zuhört, weiß, dass er eine Abrissbirne ist.“

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