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Dürre „Iran wird sich in ein Pulverfass verwandeln“

Dürre und Unterdrückung schüren die Angst vor einem Bürgerkrieg in der Islamischen Republik. Viele Demonstranten sind Umweltflüchtlinge.

Iran
Die Bahtargar-Seenplatte in der südlichen Provinz Pars ist ausgetrocknet. Foto: Katharina Eglau

In der Islamischen Republik gehörte er 1979 zu den Männern der ersten Stunde. 39 Jahre später geht Mehdi Karrubi mit dem politischen Lebensprojekt seiner Generation in einer Schärfe ins Gericht wie niemand zuvor aus dem Kreis der Staatsväter. „Armut und Arbeitslosigkeit plagen die Nation, die Islamische Republik wird sich in ein Pulverfass verwandeln“, schrieb der 80-Jährige in einem offenen Brief an Revolutionsführer Ali Chamenei. Um die Jahreswende waren regimekritische Proteste zu landesweiten Unruhen mit 25 Toten und 4000 Verhafteten eskaliert.

50 Prozent des Reichtums befinde sich in den Händen von Institutionen, die niemandem Rechenschaft schuldig seien, so Karrubi. Umgekehrt lebten zehn der 80 Millionen Iraner in absoluter Armut. Der Text liest sich wie der politische Abschiedsbrief eines Mannes, der einst als Parlamentspräsident zur Machtspitze gehörte und nun vieles bedauert. Parallel macht im Internet ein neues Wort Furore, die Syrisierung. Landauf, landab diskutieren Bürger, Wissenschaftler und Aktivisten im Cyberspace, ob nicht auch der Iran eines Tages in eine ähnliche Katastrophe hineinschlittern könnte wie Syrien.

Denn einer der Hauptgründe, für den dortigen Bürgerkrieg mit seinen 350.000 Toten war eine verheerende Dürre und die völlig inkompetente Reaktion der Assad-Diktatur. Zwischen 2006 und 2010 trieb die Naturkatastrophe 1,5 Millionen syrische Bauern in den Ruin, zwang sie, ihre Höfe aufzugeben. Felder verdorrten, Tiere verendeten, Hunderttausende Familien vor allem im Nordosten des Landes verloren ihre Existenz und suchten Unterschlupf in den Slums von Damaskus, Aleppo, Daraa und Homs, wo im März 2011 die Revolte gegen das Baath-Regime als erstes ausbrach. „Je mehr Landflucht, desto mehr Arbeitslosigkeit – es war ein Teufelskreis. Vor allem unter den jungen Leuten gab es jede Menge Frustration“, konstatierten damals Wissenschaftler des Internationalen Zentrums für Agrarforschung in Trockengebieten. „Nach dem ersten Jahr ohne Regen sahen wir viele Familien in Schwierigkeiten. Nach dem zweiten Jahr war es bereits pure Verzweiflung. Nach dem vierten Jahr war es dann keine wirkliche Überraschung mehr, dass die Menschen sich aufzulehnen begannen.“

Umso augenfälliger sind die Parallelen zum heutigen Iran, wo ebenfalls seit Jahren chronische Dürre und massive Unterdrückung herrschen. 70 Prozent des fossilen Grundwassers sind unwiederbringlich verloren. Und viele der landesweiten Demonstranten sind Umweltflüchtlinge, die an den Stadträndern ihr Dasein fristen. Fünfzig Millionen Iraner, das sind zwei Drittel der Bevölkerung, müssten in den nächsten zwanzig Jahre ihre Heimatorte verlassen, sollte sich das Wassermanagement nicht grundlegend ändern, prognostizierte der für Umwelt zuständige Vizepräsident Issa Kalantari. „Politisches Versagen und exzessiven Verbrauch“ machte der 65-Jährige für diesen Wasserbankrott verantwortlich. Allerdings war er selbst zwölf Jahre lang Landwirtschaftsminister.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Iran

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