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Dürre 340 Millionen Euro für die Bauern

Bauernpräsident Joachim Rukwied spricht von einem „guten Signal für alle betroffenen Landwirte“.

Dürre Zeiten für Landwirte
Für Niederschlag mussten viele Bauern mit Beregnungsanlagen selbst sorgen. Foto: dpa

Es ist eine Art Malen nach Zahlen, das Bauerpräsident Joachim Rukwied am Mittwoch in Berlin vorführt. Eine Zahl verbindet er mit der nächsten und so immer fort: Deutschlands Landwirte haben in diesem Jahr 10 Millionen Tonnen Getreide, 3,3 Millionen Tonnen Raps und 2,3 Millionen Tonnen Körnermais weniger ernten können als im Fünf-Jahresmittel zwischen 2013 und 2017.

Die Erträge gingen im Fünfjahresvergleich um 25 bis 35 Prozent zurück. Noch schlechter sieht es beim Grünfutter aus: Der erste Schnitt im Frühsommer lag noch im Normalbereich, der zweite war mies, der dritte fiel großflächig aus, von einem vierten, der in guten Jahren üblich ist, zu schweigen. Auch von der bevorstehenden Kartoffel- und Zuckerrübenernte ist Betrübliches zu erwarten, denn die anhaltende Trockenheit hat auch diesen Feldfrüchten arg zugesetzt.

Auf drei Milliarden Euro summieren sich die dürrebedingten Ausfälle der acht am stärksten betroffenen Bundesländer. Öffentliche Hilfsmittel in Höhe von einer Milliarde hatte Rukwied bereits vor Wochen ins Gespräch gebracht. Diejenige, die bezüglich möglicher Bundeshilfen ein entscheidendes Wörtchen mitzureden hat, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), zeichnet am Mittwoch ein weniger dramatisches Bild. Klöckner beziffert die Ernteausfälle für Getreide auf 7,9 Millionen Tonnen (18,6 Prozent). Beim Winterraps liegt das Minus der Ministerin zufolge bei knapp einer Million Tonnen beziehungsweise 21 Prozent. Was Kartoffeln und Rüben angeht? Abwarten.

Dessenungeachtet erklärt die Ministerin „die diesjährige Trockenphase zu einem Witterungsereignis von nationalem Ausmaß“, die zentrale Voraussetzung für Bundeshilfen ist damit erfüllt. Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) kommt auf Verluste in Höhe von 680 Millionen Euro für Betriebe, die erstens Ernteausfälle von 30 Prozent und mehr zu verkraften haben, die zweitens dadurch in ihrer Existenz bedroht sind und die drittens finanzielle Hilfen erwarten dürfen.

Joachim Rukwied ist optimistisch

Die Hälfte des Schadens, also etwa 340 Millionen Euro, wird laut Klöckner von den öffentlichen Haushalten ersetzt: Bund und Länder sollen je zur Hälfte dafür aufkommen. Entsprechende Verwaltungsvereinbarungen will die Ministerin noch in diesem Monat unter Dach und Fach bringen, mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sei ein Zuschuss von bis zu 170 Millionen Euro bereits verabredet. Malstunde beendet, alles klar? Nicht ganz.

Bauernpräsident Joachim Rukwied sprach zwar von einem „guten Signal für alle betroffenen Landwirte“. Allerdings bleibt die Forderung des Deutschen Bauernverbandes nach einer steuerfreien Rücklage, die Betriebe in einen Nothilfefonds einzahlen könnten, bis auf weiteres unerfüllt. Zum zweiten liegen zwischen der Milliarde, die Rukwied zuvor genannt hatte, und den nun in Aussicht gestellten 340 Millionen Euro Welten. Drittens ist es kein Zufall, dass sich der DBV anderer Zahlen bedient als das Bundeslandwirtschaftsministerium, um ein Bild der Lage zu zeichnen. Der DBV hat das Fünf- statt Dreijahresmittel herangezogen, um die Ernteverluste 2018 zu beziffern, weil damit auch das Rekordjahr 2014 mit in die Berechnung einfließt, wodurch die aktuellen Ausfälle im Vergleich noch drastischer erscheinen.

Zwar waren die Monate April bis Juni laut deutschem Wetterdienst bundesweit tatsächlich die wärmsten seit Beginn der Klimaaufzeichnungen im Jahr 1981. Zudem zählt der deutsche Sommer 2018 zu den niederschlagärmsten überhaupt. In Rheinland-Pfalz und dem Saarland aber war es nicht nur sonnig und warm, es regnete auch ausreichend. Ergebnis: Die Getreide- und Rapsernte in beiden Ländern liegt über dem Ergebnis von 2017, staatliche Hilfszahlungen sind dort kein Thema. Gleiches gilt für Obstbauern und Winzer, die ein gutes 2018 erwarten.

In Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt dagegen gingen die Hektarerträge im Getreideanbau (ohne Mais) zwischen 25 und 31 Prozent zurück, beim Raps waren um die 20 Prozent. Hohe Verluste müssen auch Bauern in Niedersachen, Thüringen und Sachsen verkraften. In Hessen und Bayern ist die Lage unterschiedlich, manchen Betrieben geht es gut, andere ringen ums ihre Existenz. Die Ernten in NRW und Baden-Württemberg wiederum erreichen fast das Niveau des vergangenen Jahres.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Heiße Zeiten

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