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Dschamal Khashoggi Keiner glaubt Riads Geschichte vom Unfall

Saudi-Arabien stellt den Tod des Kritikers Khashoggi als einen Unfall dar, doch diese Version löst nur internationale Empörung und die Frage nach Sanktionen aus.

Aktivisten vor dem Weißen Haus
Vor dem Weißen Haus in Washington sammeln sich Demonstranten, für die Riads Erklärung vom Unfalltod Khashoggis blanker Hohn ist. Foto: rtr

Der gewaltsame Tod des saudischen Regierungskritikers Dschamal Khashoggi in Istanbul entwickelt sich zur schwersten Glaubwürdigkeitskrise Saudi-Arabiens seit dem von Osama bin Laden organisierten Anschlag am 11. September 2001, bei dem 15 der 19 Flugzeugentführer Saudis waren. Selbst ein Sturz von Kronprinz Mohammed bin Salman scheint derzeit nicht mehr ausgeschlossen. Dessen internationale Reputation nimmt mehr und mehr Schaden durch die Mordaffäre, das hartnäckige Leugnen und die nun präsentierte dubiose Tatversion.

Aus den westlichen Hauptstädten schlug Saudi-Arabien am Wochenende einhellige Empörung und scharfe Kritik entgegen, nachdem das Königshaus in der Nacht von Freitag auf Samstag erstmals eingestand, Dschamal Khashoggi sei tot. 

Das Ganze sei ein Unfall gewesen, der Journalist im Konsulat bei einem Handgemenge mit den aus Riad entsandten Agenten aus Versehen erdrosselt worden. Seine Leiche sei in einen Teppich eingerollt und von einem „örtlichen Mittäter“ entsorgt worden, hieß es.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Heiko Maas wiesen die saudische Darstellung als „nicht ausreichend“ zurück und erklärten, „von Saudi-Arabien erwarten wir Transparenz im Hinblick auf die Todesumstände und die Hintergründe“.

Ähnlich reagierten auch die französische, britische und kanadische Regierung. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderten, alle für die Tat Verantwortlichen müssten ohne Einschränkungen zur Rechenschaft gezogen werden. 

Donald Trump, der das neue saudische Narrativ zunächst als glaubhaft bezeichnete, sprach am späten Samstagabend dann gegenüber der „Washington Post“ von „offenkundiger Irreführung und von Lügen“. Der US-Präsident ging jedoch nicht so weit, den Rücktritt des Thronfolgers zu fordern, weil dessen Verantwortung für die Bluttat bisher nicht erwiesen sei. 

Im US-Kongress, EU-Parlament und Bundestag dagegen werden die Rufe nach Sanktionen und einem Waffenembargo gegen die Vormacht der Arabischen Halbinsel immer lauter. „Unfassbar, für wie blöd das Königshaus Saudi-Arabien die ganze Welt hält“, twitterte der Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour. Die für kommenden Dienstag in Riad geplante dreitägige Investorenkonferenz „Davos in der Wüste“, bei der der Kronprinz offizieller Gastgeber ist, steht nach massenhaften Absagen von Ministern, Geschäftsleuten und Bankenchefs auf der Kippe. 

Ungläubiges Kopfschütteln verursachte zudem das jüngste königliche Dekret, was ausgerechnet Mohammed bin Salman beauftragte, nach dem Debakel von Istanbul den saudischen Geheimdienstapparat zu reorganisieren. Beobachter zweifeln, dass der greise Monarch Salman die immense Tragweite der Krise noch richtig erfassen kann.

Auch wenn jetzt zwei enge Vertraute des Kronprinzen als angebliche Drahtzieher der Operation am Bosporus ihrer Ämter enthoben wurden, die genaue Rolle von MBS, wie ihn seine Untertanen nennen, liegt weiter im Dunkeln. In dem absolutistischen, hoch autoritären Königreich scheint es ausgeschlossen, das ein saudisches Einsatzteam eine derartige Geheimoperation mit zwei Regierungsflugzeugen auf ausländischem Staatsgebiet durchführt ohne ausdrückliche Zustimmung des Königssohnes.

Der eine Entlassene ist Vize des saudischen Geheimdienstes, General Ahmad al-Assiri, der bis August 2017 Sprecher der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition im Jemen-Krieg war. Er hatte nach Angaben aus Palastkreisen immer wieder verlangt, man müsse etwas gegen Khashoggi unternehmen. Der andere ist der geschasste Propagandachef des Kronprinzen, Saud al-Kahtani. Er hatte im Sommer versucht, Khashoggi mit einem Beraterposten zu ködern und nach Saudi-Arabien zurückzulocken.

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