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Dschamal Khashoggi Erdogan nutzt Khashoggi-Drama für seine Interessen

Der türkische Präsident Recep Erdogan bestimmt, welche Details des Mords an Jamal Khashoggi bekannt werden. Er nutzt seine Position zwischen den USA und Saudi-Arabien.

Erdogan und Salman
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit Saudi Arabiens Machthaber, König Salman (Archivbild). Foto: rtr

Portionsweise liefert Saudi-Arabien neue Erklärungen zum Tod des Regimekritikers Dschamal Khashoggi, der am 2. Oktober das saudische Konsulat in Istanbul betrat und nie wieder gesehen wurde.

Ein Faustkampf, bei dem der 59-Jährige tödlich getroffen wurde? 18 Tage lang hatten die Saudis immerhin erklärt, Khashoggi habe das Konsulat wohlbehalten verlassen. Aufschlüsse über den Hergang könnte Khashoggis Leiche geben, aber wo ist sie? Die türkische Polizei sucht derweil nach den sterblichen Überresten des Ermordeten, unter anderem im Belgrader Forst bei Istanbul.

Dass man überhaupt von dem Mord erfuhr, ist den Abhöreinrichtungen zu verdanken, die der türkische Geheimdienst offenbar im Konsulatsgebäude installiert hatte. Staatschef Recep Tayyip Erdogan, der sonst schnell mit Kommentaren zur Hand ist, hält sich bisher mit öffentlichen Äußerungen zu dem Fall auffallend zurück. Dafür füttern türkische Stellen über die regierungstreue Zeitung „Sabah“ die Weltöffentlichkeit mit immer neuem Material, wie Details über die Tötung Khashoggis und Fotos des mutmaßlichen Killerkommandos. 

Saudisches Konsulat in Folterkammer verwandelt

Die Veröffentlichungen sind vor allem für die Regierungen in Riad und Washington bestimmt. Erdogan persönlich entscheide, was zu welchem Zeitpunkt an die Öffentlichkeit gelange und was zurückgehalten werde, berichten Personen, die mit den Vorgängen in Ankara vertraut sind.

Dass die Saudis ihr Istanbuler Konsulat in eine Folterkammer und Hinrichtungsstätte verwandelten, muss für Erdogan schon empörend genug sein. Noch schlimmer wird die Sache dadurch, dass Khashoggi über enge Kontakte zu Erdogans Beraterkreis verfügte und, wie der Staatschef selbst, ein Freund der radikal-islamischen Muslimbruderschaft war.

So abscheulich Erdogan den Mord auch finden mag, weiß er das Drama doch für seine Interessen zu nutzen. Die Türkei rivalisiert mit Saudi-Arabien um Einfluss in der Nahostregion. Man wolle niemanden vorverurteilen, sagte Erdogans Parteisprecher Ömer Celik am Samstag, „aber wir lassen es nicht zu, dass irgendetwas vertuscht wird“. Die Türkei werde „alles aufdecken, was hier vorgefallen ist“. Damit erhöht Erdogan nicht nur den Druck auf Riad. Weitere Enthüllungen könnten auch die USA als engen Verbündeten Saudi-Arabiens kompromittieren. Erdogan dürfte nun auf Zugeständnisse Washingtons in den gespannten amerikanisch-türkischen Beziehungen hoffen. 

Das Verhältnis hat sich seit der Entlassung des amerikanischen Pastors Andrew Brunson aus dem türkischen Hausarrest zwar etwas entspannt. Aber die Wirtschaftssanktionen gegen Ankara hat Trump bisher nicht aufgehoben. Auch die in Washington geführten Ermittlungen gegen die staatliche türkische Halkbank, der wegen Verstößen gegen die Iran-Sanktionen Milliardenstrafen drohen, bereiten der Regierung in Ankara Kopfschmerzen. Die eigentlichen Beweise, die Ton- und möglicherweise Videoaufnahmen des Mords, hält die Türkei bisher zurück. Sie sind Erdogans Trumpfkarte in dem Poker zwischen Riad und Washington.

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