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Dschamal Khashoggi 20 Millionen für eine Luxusyacht

Nach dem Verschwinden des saudischen Journalisten Dschamal Khashoggi schreiben demokratische Senatoren einen offenen Brief an US-Präsident Donald Trump.

Donald und Melania Trump in Saudi Arabien
Antrittsbesuch in Riad: Donald Trump pflegt enge Beziehungen zum Königreich Saudi Arabien (Archivbild). Foto: afp

„Wir kommen sehr gut miteinander aus. Sie kaufen Apartments von mir, für 40, manchmal 50 Millionen Euro. Soll ich sie dafür nicht mögen? Ich mag sie sehr gerne“, sagte Donald Trump im Jahr 2015 auf einer Wahlkampfveranstaltung in Alabama. Da war er noch nicht Präsident der USA und der Journalist Dschamal Khashoggi noch am Leben.

Jetzt ist Trump im Amt und von Khashoggi fehlt nach einem Besuch des saudischen Konsulats in Istanbul am 2. Oktober weiter jede Spur. Es halten sich die schweren Vorwürfe, der Kritiker des Kronprinzen Mohammed bin Salman sei von Agenten der Königsfamilie ermordet worden, sein Leichnam anschließend zerstückelt und entsorgt worden.  Türkische Behörden behaupten, ihnen würden Audio- sowie Videoaufnahmen des brutalen Mordes vorliegen. 

Donald Trump vergleicht Saudi-Arabien mit Brett Kavanaugh

Trump selbst hatte auf diese Vorwürfe bisher widersprüchlich reagiert. In einem  Interview mit  CBS-Reporterin Lesley Stahl   drohte er den saudischen Machthabern mit einer „schweren Strafe“, sollte sich ihre Beteiligung an dem Fall bestätigen. Im gleichen Interview lehnte er wirtschaftliche Sanktionen, wie zum Beispiel einen Stopp der Waffenlieferungen an die Saudis, aber ab.

Er stellte sogar eine Verbindung her zwischen den Vorwürfen gegen Saudi-Arabien und den Vorwürfen der sexuellen Belästigung gegen Richter Brett Kavanaugh. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Associated Press sagte er auf eine Frage bezüglich des mutmaßlichen Mords an Khashoggi: „Man ist unschuldig, bis die Schuld bewiesen ist. Wir hatten das gerade mit Richter Kavanaugh.“

Mehrfach betonte Trump die große Bedeutung der mehreren milliardenschweren Aufträge an US-amerikanische Firmen wie Boeing oder Lockheed aus Saudi Arabien. Bei einem Treffen zwischen Trump und dem saudischen Kronprinzen im Frühjahr dieses Jahres veranschaulichte der US-Präsident die Waffengeschäfte mit einer Schautafel, auf der Kriegsgerät aller Art, von Panzern über Schiffe bis zu Hubschraubern, abgebildet war. Überschrieben war die Tafel mit „12,5 Milliarden in abgeschlossenen Verkäufen an Saudi-Arabien.“ Neben den guten Geschäften sei Saudi-Arabien außerdem ein wichtiger Verbündeter im Nahen und Mittleren Osten, sagte Trump gegenüber dem US-Sender MSNBC.

Geschäfte seit mehr als 20 Jahren

Doch welche Bedeutung haben die Dollars aus Saudi-Arabien für Donald Trumps Firmen? Elf demokratische Senatoren verlangen nun in einem offenen Brief, dass Trump die zahlreichen Verbindungen zwischen seinem Firmengeflecht und der Königsfamilie offen legt. In dem Brief werden mehrere entsprechende Geschäfte der Trump Organization aufgezählt, zu der laut dem US-Nachrichtensender CNN mehr als 100 Firmen gehören. Unter anderem habe ein saudischer Prinz 1995 dem damals finanziell gebeutelten Trump gemeinsam mit asiatischen Investoren das New Yorker Plaza Hotel für 325 Millionen Dollar abgekauft. Mitglieder der saudischen Königsfamilie seien gut zahlende Stammgäste in den Trump-Hotels in New York und Washington. 1991 verkaufte Trump eine Luxusyacht für ungewöhnlich hohe 20 Millionen Dollar an einen weiteren saudischen Prinzen. Saudische Investoren hätten außerdem laut des Briefs immer wieder Wohnungen und ganze Stockwerke in Immobilien der Trump-Organisation erworben.

Donald Trump und Melania in Riad

Auch seit seiner Amtszeit pflegt Trump enge Beziehungen zum saudischen Königshaus. Nach seiner Amtsübernahme entschied er sich, seinen ersten Antrittsbesuch gemeinsam mit First Lady Melania in Riad zu absolvieren. Sein Finanzminister Steven Mnuchin überdenkt laut US-Medien derzeit seine Teilnahme an einer großen Wirtschaftskonferenz in der saudischen Hauptstadt. Zahlreiche wichtige Wirtschaftsvertreter haben ihre Teilnahme an der Konferenz „Future Investment Initiative“ - auch als „Wüsten-Davos“ bezeichnet - bereits abgesagt.

Die demokratischen Senatoren forderten von Trump und seinen Söhnen, die während seiner Präsidentschaft das Firmenimperium führen, alle „Dokumente zu Finanztransfers vom Königreich Saudi-Arabien an die Trump Organisation aus den vergangenen zehn Jahren“ offenzulegen. Auch über mögliche Geschenke, die Trump von den Saudis erhalten hatte, solle der Präsident berichten.

Trump selbst hatte bereits vor der Veröffentlichung des offenen Briefes jegliche persönliche „finanzielle Interessen in Saudi Arabien“ abgestritten. Auf Twitter nannte er alle diesbezüglichen Vermutungen „Fake News“. (mit afp)

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